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20.4.1999: Attentat in Littleton
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Um 11 Uhr 30 Ortszeit stehen die Telefone der Notrufzentrale in Littleton nicht mehr still. Aufgebracht melden die Anrufer Schüsse an der Columbine Highschool. Die Schüler Eric Harris und Dylan Klebold, 17 und 18 Jahre alt, stürmen schwer bewaffnet das Gebäude und schießen auf jeden, der ihnen über den Weg läuft.

In 50 Minuten töten sie zwölf Schüler und einen Lehrer. Anschließend begehen sie Selbstmord. Eine Überlebende erinnert sich: "Ich sah aus dem Fenster und sah die beiden Trenchcoats, die noch auf dem Parkplatz Bomben warfen. Dann erschossen sie ein Mädchen vor der Eingangstür. Dann kam einer in die Bibliothek und tötete alle um mich herum und hielt mir eine Waffe ins Gesicht. Ich begann zu weinen und flehte um mein Leben. Daraufhin tötete er ein Mädchen neben mir durch einen Kopfschuss. Dann schoss er einem farbigen Jungen ins Gesicht, nur weil er schwarz war. "

In der Cafeteria hatten Eric und Dylan Bomben versteckt. Zum Glück gehen diese nicht hoch, sonst hätte es womöglich hunderte Opfer gegeben. Die Beiden sind gute Schüler und stammen aus geordneten Familienverhältnissen. Doch sie gelten als Außenseiter. Ähnliches gilt für den Deutschen Robert Steinhäuser, der im April 2002 am Erfurter Gutenberg-Gymnasium 16 Menschen erschießt.

Ursachenforschung

Dr. Frank Robertz beschäftigt sich als wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Gewaltprävention und angewandte Kriminologie in Berlin mit Tötungsdelikten bei Jugendlichen. Er hält die Suche nach Anerkennung für eine zentrale Motivation solcher Taten: "Die glauben keinen Platz in der Gesellschaft zu finden und sich nur durch Gewalt konstituieren zu können und wollen dann sozusagen mit einem letzten großen Gewaltakt demonstrativ aus dem Leben scheiden. Wir sehen ja am Beispiel Steinhäuser, am Beispiel Columbine und vielen, vielen anderen, dass die Jugendlichen dann über lange Zeit auf den großen Illustrierten abgebildet sind, und damit haben sie letztlich ihr Ziel erreicht."

Aus den Tagebüchern der Täter in Littleton geht hervor, dass sie den Amoklauf bereits ein Jahr vorher geplant und die Abläufe der Schule akribisch studiert haben. An die Waffen gelangen die beiden Teenager problemlos über volljährige Freunde - in mehr als jedem zweiten US-amerikanischen Haushalt gibt es Schusswaffen.

Prävention und Lösungsansätze

In seinem Oscar prämierten Dokumentarfilm "Bowling for Columbine" macht Michael Moore die Waffenindustrie für das Schulmassaker verantwortlich. Wie die meisten Amokläufer konsumierten die Täter von Littleton aber auch Gewalt verherrlichende Videofilme und Computerspiele, sogenannte Egoshooter. Insbesondere aus der Politik wird daher bei jedem neuen Gewaltfall an Schulen ein Verbot solcher Killerspiele gefordert.

Einige der US-amerikanischen Bundesstaaten setzen seit dem Massaker von Littleton auf schärfere Sicherheitskontrollen und Waffengesetze. Überwachungskameras und Durchleuchtungsgeräte gehören vielerorts zum Schulalltag. In Deutschland wird die Polizei nun besser auf solche Amokläufe trainiert und die Schulpsychologie fortgebildet. Doch Taten wie in Emsdetten, Blacksburg/Virginia, im finnischen Kauhajoki und in Winnenden zeigen, dass die Prävention solcher Massaker eine langwierige, gesamtgesellschaftliche Angelegenheit bleiben wird.


   
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