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14.8.2004: Geste der Versöhnung
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Im August 1904 haben die kaiserlichen Truppen nahezu das ganze Volk der Herero auf dem Hochplateau des Waterbergs in Zentralnamibia eingekesselt. Die Deutschen sind seit rund 20 Jahren im Land. Mit den einheimischen Herero leben sie lange einvernehmlich, doch kommt es auch immer wieder zu Übergriffen und Konflikten, die 1904 in einem Aufstand der Herero münden.

Die Herero sind den kaiserlichen Truppen militärisch unterlegen. Zwar können sie durch eine Lücke im Belagerungsring in die naheliegende Omaheke-Wüste entkommen, doch General von Trotha lässt sie nicht ziehen. Skrupellos gibt er den Befehl, die ohnehin schon seltenen Wasserstellen zu besetzen und die Herero gnadenlos zu verfolgen. Von Trotha verfügt schriftlich: "Das Volk der Herero muss das Land verlassen. Innerhalb der Deutschen Grenzen wird jeder Herero mit und ohne Gewehr, mit oder ohne Vieh erschossen, ich nehme keine Weiber oder Kinder mehr auf."

Verbrecherische Kolonialvergangenheit

Monatelang sind die Herero in der Wüste gefangen. Sie verdursten, sterben an Entkräftung oder werden von ihren deutschen Verfolgern niedergemetzelt. Joachim Zeller, Mitautor des Buches: "Völkermord in Deutsch-Südwestafrika" erläuterte: "Die Mortalitätsrate unter den Herero werden wir nie eruieren können, weil wir aus der Zeit vor dem Krieg, also aus den Jahren vor 1904, nur Schätzungen haben und was die Herero betrifft, kann man vermuten, dass zwischen 35 bis 80 Prozent der Herero dann in der Omaheke umgekommen sind."

Kaiser Wilhelm der II. unterstützt die Vernichtungspolitik Trothas. Die deutsche Kolonie verspricht Reichtum und Einfluss. Erst Monate später hebt er nach Kritik im In- und Ausland den Vernichtungsbefehl wieder auf. Fast 100 Jahre schweigen sich die Deutschen über ihre verbrecherische Kolonialvergangenheit beharrlich aus.

Die Entschuldigung

Erst im Sommer 2004 bricht Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul endlich das Schweigen und entschuldigt sich am Rand der Omaheke-Wüste für den Völkermord. In ihrer Rede heißt es unter anderem: "Die damaligen Gräueltaten waren das, was heute als Völkermord bezeichnet würde - für den ein General von Trotha heutzutage vor Gericht gebracht und verurteilt würde. Wir Deutschen bekennen uns zu unserer historisch-politischen, moralisch-ethischen Verantwortung und zu der Schuld, die Deutsche damals auf sich geladen haben."

Für die deutsch-namibischen Beziehungen ist die Entschuldigung der Entwicklungsministerin ein wichtiger Schritt, sagte Autor Joachim Zeller: "Ein Meilenstein war die Rede deshalb, weil zum ersten Mal eine Bundesministerin aus der Bundesrepublik Deutschland sich entschuldigt hat für das, was in dem Kolonialkrieg passiert ist. Ein Krieg, der ja in einem Völkermord endete. Insofern war diese Rede ein großer Meilenstein, weil sie das Kind beim Namen genannt hat, denn sie hat davon gesprochen, dass das, was damals passiert ist, ein Völkermord sei."

Ein Lippenbekenntnis

Das Schuldbekenntnis von Wieczorek-Zeul bleibt jedoch ein Lippenbekenntnis. Die Bundesrepublik bietet den Herero keine Entschädigungszahlung an, sondern nur eine Aufstockung der Entwicklungshilfe um 20 Mio. Euro.

Dazu Joachim Zeller: "Von deutscher Seite ist natürlich immer die große Sorge, hier könnte ein Präzedenzfall geschaffen werden, denn es sind ja in anderen Kolonien, nicht nur in deutschen Kolonien, auch in anderen, in britischen und französischen Kolonien, vergleichbare Kriegsverbrechen geschehen und das ist immer die Sorge unter europäischen Regierungen hier jetzt doch an irgendeiner Stelle einen Präzedenzfall zu schaffen und damit so zu sagen zur Kasse gebeten werden zu können."



   
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