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15.11.1978: Der Mann mit der Mütze
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Neben Sepp Herberger und Kaiser Franz Beckenbauer schaffte es bislang nur Helmut Schön als Trainer mit einer deutschen Mannschaft Fußballweltmeister zu werden. Schön gelang das Kunststück 1974 im eigenen Land. "Helmut Schön war einer unserer ganz Großen. Mit Sepp Herberger verbindet einer die WM 54, aber mit Helmut Schön verbindet einer eine riesige Epoche." Die vom Präsidenten des Deutschen Fußball-Verbandes Dr. Theo Zwanziger angesprochene Epoche dauerte zwölf Jahre.

Auf Helmut Schöns Erfolgskonto gehen der WM-Titel 1974 und der Sieg bei der Europameisterschaft 1972. Schöns Schützlinge wurden zudem Vize-Weltmeister 1966, WM-Dritter 1970 und belegten bei der EM 1976 Platz drei. Lediglich bei seiner letzten Weltmeisterschaft 1978 in Argentinien blieb der gebürtige Dresdner ohne Medaille. Die schmachvolle 2:3-Niederlage Deutschlands gegen Österreich und das frühe Aus beschrieb Helmut Schön in seiner Autobiografie mit dem schlichten Titel "Fußball. Erinnerungen" so: "Für mich brach in diesem Augenblick eine Welt zusammen. Ich hatte mir den Abschluss meiner Trainer-Laufbahn anders vorgestellt."

Unvergessen dramatische Momente

In Helmut Schöns Amtszeit fallen die dramatischsten Spiele deutscher Nationalteams. Dazu zählte das WM-Endspiel 1966 gegen England, mit dem bis heute umstrittenen "Wembley-Tor". Unvergessen bleibt auch das Viertelfinalspiel der WM 1970 in Mexiko gegen England. Nach einem 0:2-Rückstand gewannen die Deutschen noch mit 3:2. Es gilt als eines der besten Fußball-Spiele aller Zeiten. Selbst Frankreichs Sportzeitung "L’Équipe" jubelte damals: "Phantastisch! Unglaublich! Wundervoll! Außergewöhnlich!“ Welches Wort beschreibt am besten den Sieg Deutschlands über eine wunderbare englische Mannschaft! Wir überlassen Ihnen die Wahl."

In seiner aktiven Karriere als Fußballer war Helmut Schön ein Stürmer mit dem sogenannten Killerinstinkt. In 16 Länderspielen erzielte er 17 Tore. Der Trainer Helmut Schön galt dagegen als abwägend bis bedächtig. Die Medien nannten ihn oft einen Zauderer. Dr. Theo Zwanziger sieht das anders: "Helmut Schön war nach meiner Einschätzung der erste moderne Trainer, der nicht nur nach der Methode arbeitete. Befehl und Gehorsam, ihr folgt mir. Sondern ein Trainer war, der überzeugen wollte."

Schön, der Idealist

Weltstars wie Franz Beckenbauer, Berti Vogts, Günter Netzer, Sepp Maier und Gerd Müller reiften unter Schön. Seinen spielerischen Höhepunkt erreichte das Team zur EM 1970. Die Mailänder Zeitung "Corriere de la Sera" schwärmte nach dem 3:0 Finalsieg über die Sowjetunion: "Helmut Schöns Mannschaft eröffnete einen neuen Zeitabschnitt im Fußball" - und der DFB-Präsident Zwanziger sagt klipp und klar: "Die beste Mannschaft, die Deutschland je hatte."

Die Weltmeisterschaft 1974 im eigenen Land sollte Trainer und Spielern die Krönung bringen. Sie wurde für Helmut Schön aber auch zur Zerreißprobe. Das lag nicht nur an der unerwarteten 0:1-Vorrunden-Niederlage gegen die DDR. Die Nationalspieler hatten vor Beginn der WM mit dem DFB eine Erfolgsprämie ausgehandelt. Dem Idealisten Schön ging das gegen den Strich. Er distanzierte sich vom Anspruchsdenken seiner Elite-Kicker. Dennoch: Deutschland wurde Weltmeister.

"Das ist eine einmalige Erfolgsstory für den deutschen Fußball", dieses Fazit zieht DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger ohne Abstriche, auch wenn Helmut Schöns Abschied im Frankfurter Nebel ein wenig unterging.



Autor Peter Lorenz
Redaktion: Stephanie A. Hiller
   
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