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12.12.1956: Münchner Lach- und Schießgesellschaft
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"Und unser Haus liegt an der Münchner Freiheit, doch bis zur Freiheit ist es noch sehr weit." So tönt es richtungsweisend im ersten Programm "Denn sie müssen nicht was sie tun". Ursula Herking, Klaus Havenstein, Hans Jürgen Dietrich und Dieter Hildebrandt bilden die erste Besetzung. Der umtriebige Sportreporter Sammy Drechsel redet so lange auf die Nachwuchskabarettisten ein, bis er Regie führen darf. In das winzige Lokal an der Münchner Ursulastraße, von den Akteuren bald liebevoll der "Laden" genannt, passen gerade einmal 130 Zuschauer.

Mit giftigen Worten und scharfen Pointen kommentieren die Münchner die Entwicklung der jungen westdeutschen Demokratie, und halten der miefigen Adenauer-Nachkriegs-Gesellschaft den Spiegel vor. In kurzer Zeit steigt die Lach- und Schießgesellschaft zur bekanntesten Kabarettgruppe im Wirtschaftswunder-Deutschland auf. Das haben sie auch den Fernsehübertragungen zu verdanken, die traumhafte Einschaltquoten einfahren.

Politischer Biss

"Verrat, Verrat, Verrat."
"Was ist denn los?"
"Schmachvolle Tat, der Freistaat Bayern hat sich losgesagt vom Bund."
"Verdammt nochmal, das ist ein dicker Hund."
"Die Grenzen Bayerns sind hermetisch dicht, besonders die zum roten Hessen, an vielen Übergängen kommt es zu Exzessen."
"Oh weh, du blutest an der Stirne ... mich traf ein Semmelknödel an der Birne."


Die politische Ausrichtung des Kabaretts ist deutlich links. 1969 wirbt die Lach- und Schießgesellschaft für Willy Brandt. Eine Parteinahme, die sich spätere Kabarettgenerationen nicht mehr erlauben. Als Brandt tatsächlich Bundeskanzler wird, bricht den Münchner Kabarettisten damit das alte Feindbild, die CDU-Regierung weg. Böse Zungen behaupten, die vorläufige Auflösung des Ensembles 1972 sei eine Reaktion darauf gewesen. Offiziell heißt es, man wolle nach 16 Jahren einfach mal etwas anderes machen. Schon vier Jahre später sind Sammy Drechsel und Dieter Hildebrandt wieder zur Stelle. Mit neuen Mitstreitern und frischen Themen, doch mit demselben politischen Biss.

In Fahrt

"Wie erklären sie deutsch?"
"Deutsch lernen sie von uns."
"Von uns lernen sie Deutsch."
"Deutsch lehren wir sie."
"Sie lernen von uns deutsch."
"Deutsch."
"Deutscher."
"Am deutschesten."
"Falsch!"
"Deutsch kennt keine Steigerung."
"Deutsch kommt ohne Steigerung aus."


Neue Talente und spätere Kabarett-Stars gehören jetzt zum Ensemble der Münchner. Die Karrieren von Jochen Busse und Bruno Jonas kommen hier erst so richtig in Fahrt.

"Sag mal, kennen Sie eigentlich den Reichel-Böck?"
"Nein."
"Schauen Sie mal in den Briefkasten von dem ... total überfüllt. Eine Riesensauerei."
"Ich sagte Ihnen doch: Ich kenn ihn nicht."
"Ich hätte für ihn eine wichtige Glücksbotschaft von Readers Digest."
"Hey, sie verletzen das Postgeheimnis."
"Ach geh weiter, was will‘sten da noch verletzen?"


Ein kleines Stück Bühne

Dieter Hildebrandt hält der Münchner Lach-und Schießgesellschaft jahrzehntelang die Treue. Für ihn ist der "Laden" der Anfang einer langen Kabarett-Karriere. Als scharfzüngiger Kommentator der deutschen Politik ist er immerzu präsent auf den Bühnen des Landes: "Hier, auf diesem kleinen Stück Bühne habe ich gelernt, wie Kollegialität funktionieren kann, wenn die, die es können, den, also mich, lassen sie mitkommen ... dem zeigen wir die Tricks. In diesem Hause hier sind Dinge passiert, die keiner von dem anderen erwartet hatte."



Autorin: Franziska Wunschick
Redaktion: Stephanie A. Hiller
   
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