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14.11.1961: Die erste Bundesministerin
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Als die CDU-Bundestagsabgeordnete Elisabeth Schwarzhaupt am 14. November 1961 ins Ministeramt berufen wurde, hatte sie stellvertretend für alle Frauen einen großen Schritt in diese Richtung getan. Zum ersten Mal in der Geschichte Deutschlands wurde eine Frau Regierungsmitglied.

Versprechen fast gebrochen

Der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer hatte schon lange versprochen, eine Frau in sein Kabinett zu holen. Einlösen wollte er sein Versprechen aber nicht so recht. Bis sich die weiblichen Bundestagsabgeordneten in seiner vierten Legislaturperiode schließlich nicht mehr hinhalten lassen wollten. Eine streitbare CDU-Abgeordnete ergriff für ihre Kollegin Schwarzhaupt die Initiative. Elisabeth Schwarzhaupt sagte später darüber: "Frau Weber telefonierte eine Reihe von Kolleginnen herbei und die veranstalteten im Bundeskanzleramt im Vorzimmer des Kanzlers ein sit-in. (…) sie erklärte, wir gehen jetzt nicht weg, bis uns Adenauer empfängt und wir ihn daran erinnern können, dass er uns versprochen hat, eine Frau zum Minister zu machen."

Neues Ministerium – Neue Frau

Elisabeth Schwarzhaupt bekam das neu geschaffene Gesundheitsministerium übertragen. Ein Kompromiss, denn nach Qualifikation wäre für die promovierte Rechtswissenschaftlerin eher das Justizministerium angemessen gewesen.

1901 in Frankfurt am Main geboren, hatte Elisabeth Schwarzhaupt zunächst ein Examen als Lehrerin abgelegt, bevor sie ihr Jurastudium begann. Wegen einer kritischen Abhandlung über Hitlers Machtergreifung kam ihre Karriere während des Nationalsozialismus zum Erliegen. Ohnehin war es Frauen damals noch nicht gestattet, das Richteramt auszuüben. Elisabeth Schwarzhaupt wirkte dafür in zentralen Dienststellen der Kirche, beim Deutschen Rentnerbund und in Frauenorganisationen. Am 6. September 1953 wurde sie als Abgeordnete der CDU in den deutschen Bundestag gewählt. Da Frauen dort noch eine verschwindende Minderheit waren, hatte Elisabeth Schwarzhaupt einige Male das Gefühl, eine Fremdsprache zu sprechen.

Gehör verschafft

Aber Elisabeth Schwarzhaupt setzte sich durch, setzte sich vor allem für die Reform des Eherechts ein, das damals noch dem Mann das Privileg der letztgültigen Entscheidung in Familienfragen zusprach.

Elisabeth Schwarzhaupt hatte die Leitung des Bundesministeriums für Gesundheitswesen bis zum Jahr 1966 inne. Mit der großen Koalition und dem Amtsantritt des damaligen Bundeskanzlers Kurt-Georg Kiesinger schied sie aus der Bundespolitik aus. Es war ihr gelungen, zahlreiche Gesetze und Verordnungen auf den Weg zu bringen. So zum Beispiel, laut Elisabeth Schwarzhaupt: "(Das) Bundesseuchengesetz, Arzneimittelgesetz, Änderung der Ausbildungsordnungen von Heilberufen, das sind Sachen, die in unserem Ministerium gemacht wurden. Im Bezug auf Umweltschäden haben wir Anfänge, auf die zum Teil heute noch zurückzugreifen ist, gesetzt."

Bis zu ihrem Tod im Jahr 1986 widmete sich Elisabeth Schwarzhaupt der Parteiarbeit in ihrem CDU-Ortsverein in Frankfurt-Eschersheim. Für die Belange der Frauen kämpfte sie weiterhin als Erste Vorsitzende des Deutschen Frauenrats. Ihre persönliche Bilanz der Arbeit als erste deutsche Ministerin war positiv: "Sicher war es ein Erfolg, was die Frauen angeht, dass wir zunächst durch meine Ministerschaft gewissermaßen den Fuß in eine bisher verschlossene Tür gesetzt haben. (…) das Ergebnis war (…), dass bisher kein Kabinett mehr ohne Frau gebildet worden ist."

Autorin: Catrin Möderler
   
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