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1.1.1863: USA schaffen Sklaverei ab
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"There will be neither rest nor tranquility in America until the negro is granted his citizenship rights... until the bright day of justice emerges." Der Kampf der Schwarzen um Freiheit und Gleichberechtigung ist noch lange nicht vorbei, verkündete Martin Luther King 1963 bei dem legendären Marsch der Bürgerrechtsbewegung auf Washington - 100 Jahre nach der Abschaffung der Sklaverei in der "Emancipation Proclamation", die Präsident Abraham Lincoln am 1. Januar 1863, verkündet hatte.

Seit Beginn der Kolonisation im Jahr 1619, als die ersten schwarzen Sklaven in Jamestown eintrafen, haben die Probleme der Sklaverei und der Freiheitskampf der Schwarzen die Geschichte der USA geprägt - und die Nation oftmals gespalten.

Sklaverei

Unmittelbar vor dem amerikanischen Bürgerkrieg im 19. Jahrhundert lebten im Süden der USA acht Millionen Weiße und vier Millionen Schwarze, etwa eine viertel Million davon frei. Die agrarische Grundstruktur ließ dort die Sklaverei notwendig erscheinen - und der weit verbreitete Glaube an eine angebliche Ungleichheit der Menschen diente zu ihrer Rechtfertigung.

Als der Kongress im Jahr 1808 die Sklaveneinfuhr offiziell untersagte, ahnte kaum jemand, dass sich der Konflikt zwischen Nord- und Südstaaten zunehmend verschärfen und in einem Bürgerkrieg enden sollte. Zwar war die Sklaverei das sine qua non dieses Krieges, doch letztendlich lag die Ursache hierfür in einem komplexen Geflecht von sozio-ökonomischen wie auch politisch-kulturellen Faktoren.

Sklaverei und Bürgerkrieg

Der Kampf des Nordens wurde in der ersten Kriegsphase für die Einheit der Nation, nicht aber für die Abschaffung der Sklaverei geführt. So schrieb Präsident Abraham Lincoln damals an einen Journalisten: "Könnte ich die Union retten, ohne einen einzigen Sklaven zu befreien, ich würde es tun." Erst als entscheidende Siege des Nordens ausblieben, schloss sich Lincoln den Forderungen radikaler Republikaner und der Abolitionisten an und deklarierte den Krieg gegen die "Rebellenstaaten" als Kampf gegen die Sklaverei.

Mit Lincolns Emanzipationserklärung verbanden die Nordstaaten die Umstrukturierung des südlichen Gesellschaftssystems. Zwar wurden nun Schwarze in die Nordstaatenarmee rekrutiert, doch eine institutionalisierte Abschaffung der Sklaverei bedeutete Lincolns Proklamation keineswegs. Darauf mussten die vier Millionen schwarzen Frauen und Männer noch bis Dezember 1865 warten, als der Kongress mit dem 13. Verfassungszusatz die Sklaverei in den Vereinigten Staaten offiziell verbot.

Im 14. Zusatzartikel wurden den Schwarzen 1868 die gleichen Rechte und zwei Jahre später im 15. noch einmal gesondert das gleiche Wahlrecht zugesichert. Doch Staaten wie South Carolina, Mississippi und Louisiana zeigten, wie wenig ernst sie es mit den Rechten der befreiten Sklaven nahmen. Rechtsbeschränkungen, so genannte "black codes", waren an der Tagesordnung.

Versteckte und offene Diskriminierung

Bis ins 21. Jahrhundert haben Einzelstaaten und Gemeinden nicht nur im Süden der USA Mittel und Wege der Diskriminierung. So wurde das Stimmrecht an Klauseln geknüpft, zum Beispiel an Prüfungen oder kaum erfüllbare Mindeststeueraufkommen. Eine Situation, an der sich nach Ansicht von Martin Luther King III., einem Sohn des ermordeten US-amerikanischen Bürgerrechtlers, im übertragenen Sinn auch im 20. und 21. Jahrhundert nichts geändert hat: "We do have certainly freedom of speech, freedom of press, freedom of religion but there are still some other freedoms that do not exist (...) in corporate America for instance. When we look at who is still running the corporations. It's by and large white males. We have to address that issue if we want to be the kind of nation we should be."

Die Erniedrigung der schwarzen Rasse fand mit Lincolns Emanzipationserklärung vom Januar 1863 kein plötzliches Ende. Sie verhinderte auch nicht Terror und Gewalt gegen Schwarze. Vielmehr kam es zur Gründung von Geheimgesellschaften wie dem Ku-Klux-Klan, die es sich zur Aufgabe machten, die Vorherrschaft der Weißen im Süden aufrechtzuerhalten.

Wie erfolgreich sie noch immer sind, zeigt beispielsweise, dass erst 1967 die letzten Gesetze gegen gemischtrassige Ehen in den USA annulliert wurden. Von der Existenz von offenem und zuweilen gewalttätigem Rassismus ganz zu schweigen, wie der Historiker Michael White meinte: "We can clearly see reocurring incidents publicly of racism, of racist cults and groups forming. Some of them very violent. Incidents envolving murder and attacks. We can see that there is a lot of social unrest still and we still have a lot of problems with racism."

A great leap forward?

Was sich gesellschaftlich verändern wird, nachdem im November 2008 Barack Obama zum ersten afroamerikanischen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt wurde, wird sich weisen. Nichtsdestotrotz, für das schwarze Amerika ist es von besonderer Bedeutung, dass Obama "einer von ihnen" ist: 95 Prozent der afroamerikanischen Wähler hatten 2008 Barack Obama ihre Stimme gegeben.


Autor: Michael Kleff
   
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