Kalenderblatt dw.com
 
8.9.1917: Alkohol-Verbot in den USA
Audio
US-Amerikanische Verfassung, 18th Amendment, 1917: "Nach der Ratifizierung dieses Artikels ist die Herstellung, der Verkauf, der Transport, der Import oder Export von alkoholischen Getränken auf dem Gebiet der Vereinigten Staaten und aller Territorien, die ihrer Justiz unterliegen, verboten."

Das achtzehnte Amendment, ein Zusatz zur US-amerikanischen Verfassung, vom Repräsentantenhaus am 8. September 1917 vorgelegt. Im Januar 1920 in Kraft getreten. Beginn einer spektakulären Ära in der US-amerikanischen Geschichte, der Prohibition.

Filmszene, Lokal der Gangsterbosse:
"Nur liebe Leute hier heute Abend!"
"Vorsicht. Ihr Schweine! Was soll die Schießerei?"
"Es gibt Leute, die mich nicht mögen!"

Das Alkoholverbot soll die US-Amerikaner vor einer schädlichen Droge schützen. Stattdessen schafft es eine ganz neue Gefahr, das organisierte Verbrechen. Alkohol wird zur Dealerware. Von New York und Chicago aus kontrollieren rivalisierende Gangsterbosse Schwarzbrennereien und illegale Bars; Prostitution wird zur Begleiterscheinung.

Dabei sind es Frauen, die das Alkoholverbot in die Wege leiten. Schon im Jahr 1874 findet sich im puritanischen Neu-England die "Women's Christian Temperance Union" zusammen. Die streitbaren Damen der christlichen Abstinenz-Liga fallen wie Guerilla-Trupps in Bars und Lokale ein. Mit Äxten und Knüppeln zerschlagen sie alles, was in Flaschen abgefüllt ist.

In der Anti-Saloon-League of America finden sie bald auch männliche Unterstützung. Die republikanische Abstinenzler-Vereinigung erreicht schon Ende des Jahrhunderts in einigen Bundesstaaten Gesetzesänderungen wider den Schnapskonsum.

Aber die Lust am Alkohol lässt sich nicht verbieten, nur in die Illegalität treiben. Von nun an verliert bald jeden Tag ein Alkoholschmuggler in den Kriegen der Gangsterbanden sein Leben.

Filmszene, die Geliebte eines Gangsters, der Leibwächter:
"Ich hätte jetzt gerne was zu essen. Hab ich was Falsches gesagt?"
"Tut dir der Kerl nicht mal leid?"
"Der Kerl war Alkoholschmuggler. Der hat dasselbe mit anderen genauso gemacht. Wach doch mal auf!"

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges liefert den US-amerikanischen Alkoholfeinden die entscheidenden Argumente. Korn, Hefe, Malz und Zucker seien Grundnahrungsmittel und dürften in Kriegszeiten nicht zur Schnapsherstellung verschwendet werden. Bier und Wein seien darüber hinaus typische Produkte des Erzfeindes Deutschland. Ihr Konsum somit hochgradig unpatriotisch.

Besonders prompt reagieren die Studenten der vornehmen Yale-Universität auf das staatliche Alkoholverbot. Sie lassen sich von Gangstern gleich eine Vierzehn-Jahres-Ration Whiskey aus Schottland schmuggeln.

Filmszene, Lokal der Gangsterbosse:
"Also, was gibt es, Schlaumeier?"
"Wir müssen über Geld reden. Die knallen uns ab, und es kümmert niemanden."
"Ja, so ist das, mein Junge. Sag schon, was brauchst du?"
"Ich will kein Trinkgeld. Ed und ich, wir haben dir halb Harlem eingebracht. Wir wollen jetzt Prozente an dem Geschäft!"
"Prozente? Bist du verrückt? Hast du nicht alle Tassen im Schrank? Meinst du, weil du eine Kanone in der Tasche hast, bist Du ein Boss? Ein Nichts bist du! Und du hast 'ne Macke. Eine Million Jungs würden umsonst für mich ballern. Aber damit du nicht hungern musst, leg ich Dir was drauf. Hundert die Woche. Ist das fair?"

"Bootlegger" nennen sich die mordlustigen Prohibitions-Gangster, nach den Stiefelschäften, in denen einst die Pioniere verbotenerweise Alkohol zu den Indianern schmuggeln. Dem Boss der Bosse, Alfonso "Al" Capone, wird jedoch nie ein Kapitalverbrechen nachzuweisen sein. Den selbsternannten "Altmöbelhändler" trifft lediglich einmal ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung.

Filmszene, Lokal der Gangsterbosse:
"Noch eine Woche und ich bin von nichts mehr der Boss."
"Du ziehst dich zurück?"
"Ich muss wieder in den Knast. Ich war nur auf Bewährung draußen. Passt mir aber gut, auszusteigen. Es gibt in unserem Geschäft so viele ehrgeizige Leute!"

Präsident Franklin D. Roosevelt erkennt schließlich die Sinnlosigkeit des staatlichen Alkoholverbots. Was sein Vorgänger Herbert C. Hoover noch als "großes soziales und volkswirtschaftliches Experiment" feiert, schafft er Ende 1933 wieder ab. Die Prohibition ist zu Ende.

Autorin: Catrin Möderler
   
Audio
Zitat des Tages
    
Zitat des Tages
Der Zuschauer im Theater will träumen. Freilich ein Traum, in dem man nicht schlafen soll.
  > Jean-Louis Barrault
> RSS Feed
  > Hilfe
In welchem Jahr fusionierte die Daimler-Benz AG mit Messerschmitt-Bölkow-Blohm?
  1998
  1989
  1985
  Newsletter abonnieren
  Versenden Sie virtuelle Grüße