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3.2.1913: Anthroposophische Gesellschaft
Die Anthroposophie, übersetzt "Bewusstsein des Menschentums", ist vor allem mit einem Namen verbunden: Rudolf Steiner. Der Österreicher gilt als der maßgebliche Esoteriker, der die Grundlagen einer erkenntnismäßigen Erschließung der verschiedenen geistigen Seinsbereiche legte - mit dem Ziel, zu einer höheren Wahrheit zu gelangen.

Die Anthroposophie war eine Gegenbewegung in der Blütezeit der vorherrschenden positivistischen Wissenschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts - in einer Zeit, als alle Phänomene des menschlichen Lebens allein von der Naturwissenschaft für erklärbar und die Probleme für lösbar gehalten wurden.

Nachfolgerin der Theosophie

Christof Lindenau von der anthroposophischen Gesellschaft in Nordrhein-Westfalen erinnerte an den Beginn der Anthroposophie als Nachfolgerin der Theosophie, begründet durch Rudolf Steiner: "Er wurde nicht müde, seine Schüler anzuhalten, sich geistig auf eigene Füße zu stellen. Er hat sich selber mehr als Berater dieser verschiedenen einzelnen Menschen gesehen. Als 1912 die deutsche Sektion der deutschen theosophischen Gesellschaft aus der theosophischen Gesellschaft ausgeschlossen wurde, weil sie bestimmte Auswüchse dieser Gesellschaft nicht mitmachte, wurde die anthroposophische Gesellschaft durch seine Schüler begründet - aber er war selber im wörtlichen Sinne nicht mehr Mitglied dieser anthroposophischen Gesellschaft - sondern Berater dieser anthroposophischen Gesellschaft."

Impulse für die Gesellschaft und den Einzelnen

1923 wurde Rudolf Steiner dann doch Vorsitzender der neu begründeten allgemeinen Vereinigung der Anthroposophen. Im schweizerischen Dornach wurden die Prinzipien einer systematischen Lehre festgelegt. Hier entstand auch die "Freie Hochschule für Geisteswissenschaft". Sie sollte Impulse für die Gesellschaft und den Einzelnen vermitteln.

Nicht nur Intellekt und Verstand, auch Gefühl und Empfindung sollten angesprochen werden. Christof Lindenau zu den geistigen Voraussetzungen: "Die Bedeutung von Goethe in Rudolf Steiners Leben ist kaum zu überschätzen, weil sie ein anderes Element in sein Leben brachte, was er durch sich selber nicht selbstverständlich gehabt hat. Er selber verarbeitete stärker gedanklich-philosophisch, man kann auch dann sagen erkenntnis-theoretisch das Leben. Er entwickelte und schrieb dann, er gab eine Philosophie der Freiheit heraus und war eigentlich durch sich selber Freiheitsphilosoph."

Waldorf-Pädagogik

Anthroposophie als Lebensorientierung sieht den einzelnen aber nicht nur als geistig freien Menschen, sondern auch als der Gemeinschaft verpflichtetes Kultur-Wesen. Deshalb die vielfältigen neuen Ansätze etwa auf dem Gebiet der Kunst, der des Landbaus, der Architektur und vor allem der Pädagogik. Christof Lindenau blickt zurück zu den Anfängen und den Vorträgen von Rudolf Steiner vor der anthrosposophischen Gesellschaft: "Die von diesem Kurs, von Seminarbesprechungen und dem Kurs über Erziehungskunst und methodisch-didaktische Anweisungen ausgehende Waldorf-Pädagogik ist heute über die ganze Erde verbreitet. Sie ist auch vielleicht der bekannteste Teil des anthroposophischen Wirkens. Anthroposophie wird dadurch heute auch als etwas empfunden, was in die heutige Kultur eingreifen will."

Kritik

Kritik an der Anthroposophie hat es bis zum heutigen Tage gegeben: Sie sei eine esoterische, versponnene Geisteshaltung im Sinne etwa der neuzeitlichen, sogenannten "New Age Bewegung". Davon wollen sich die Anthroposophen jedoch ganz bewusst distanzieren. Vielmehr sollen die Verständnisgrundlagen der großen Kulturen und Religionen vermittelt werden - außerdem Einblicke in das geistige Leben der Geschichte, der Entstehung des Kosmos sowie der Natur und in die übersinnliche Existenz. Wie zur Gründungszeit sollen dabei nüchterne Erkenntnis und eine differenzierte Sinnes- und Gefühlskultur im Vordergrund stehen - ganz im Gegensatz zu modernistischen, spirituellen Strömungen.


Autor: Klaus Feldkeller
   
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