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15.9.1916: Erste Panzer im Einsatz
Im September 1916 befindet sich das deutsche Reserve-Infanterieregiment Nr. 28 im Frontabschnitt von Flers an der Somme. Seit Juni des Jahres tobt an dem nordfranzösischen Fluss eine der furchtbarsten Schlachten des Ersten Weltkrieges, die mehr als eine Millionen Soldaten das Leben kostet.

Auf einer 40 Kilometer breiten Front liegen sich deutsche und alliierte Truppen gegenüber. Nachdem der erste Sturm der Briten gescheitert ist, haben sich die Gegner quasi eingegraben. Lange Schützengräben sind angelegt worden, Stacheldraht und Maschinengewehr-Nester sichern die Stellungen gegen Angreifer.

Wochenlang wird um einige Hundert Meter Land gekämpft, einzelne Sturmangriffe wechseln mit Trommelfeuern, ohne dass eine der Seiten einen Durchbruch erzielt.

Am Morgen des 15. September erwarten die Deutschen einen Angriff der britischen Infanterie. Doch stattdessen tauchen auf einmal Objekte auf, die manche Soldaten aus der Ferne zunächst für Mähdrescher halten.

Ein Kriegsberichterstatter schildert die ersten Eindrücke: "Über die Kraterfelder kamen zwei geheimnisvolle Ungeheuer angekrochen. Die Ungetüme näherten sich langsam humpelnd, schwankend, schaukelnd, aber sie näherten sich. Es gab kein Hindernis für sie, eine übernatürliche Kraft schien sie voranzutreiben. Unser Maschinengewehrfeuer und unsere Handwaffen prallten an ihnen ab. So gelang es ihnen mühelos, die Besatzung der vorgeschobenen Granatlöcher zu vernichten."

Was die verdutzten Deutschen da erlebten, war der erste Einsatz von Panzern, einer neuen Waffe, die Engländer und Franzosen unter äußerster Geheimhaltung konstruiert hatten. Und sie hatte auch einen Tarnnamen: Tank, die englische Bezeichnung für einen Wasser- oder Treibstoffbehälter.

Die Tanks sollten die fatale Pattsituation auflösen, die sich an der Front gebildet hatte. Sie überwanden die Hindernisse, an denen Tausende von Infanteristen verblutet waren. Weder Maschinengewehre noch Gräben und Stacheldraht hielten sie auf.

Zitat: "Es hat an den Seiten zweieinhalb Zentimeter dicke Panzerplatten, ist mit schwalbennestartigen, drehbaren Geschütztürmen versehen. Die Steuerung erfolgt durch ein sich auf und ab bewegendes gelenkiges Schwanzstück. Das Gewicht der Fahrzeuge ist so gewaltig, dass ein Eisenbahnwagen unter ihrer Last zusammenbrach. Sie führen reichlich Munition, Verpflegung und einen Käfig mit Brieftauben mit."

So beschrieb die deutsche Seite einen liegengebliebenen britischen Panzer. Die ersten Panzer waren mit sechs Stundenkilometern recht langsam und schwer manövrierbar. Von den 49 Panzern der ersten Generation, die in Flers eingesetzt wurden, kehrten nur wenige in ihre Ausgangsstellung zurück. Die meisten fielen durch Motor- oder Kettenpannen aus, fuhren sich in Grantatrichtern fest oder blieben im schlammigen Untergrund stecken. Neun Panzer wurden durch die Deutschen zerstört. Die gingen - nachdem sie sich vom ersten Schrecken erholt hatten - mit Handgranaten und Pistolen gegen die Panzer vor.

Ein britischer Kriegsberichterstatter schildert: "Ihr Mut war ungewöhnlich groß. Ungeachtet des Feuers aus den Maschinengewehren des Wagens versuchten sie, in verzweifelter Wut das wandernde Panzerfort zu stürmen und seine Besatzung zu töten. Sie hoben sich gegenseitig in die Höhe, erkletterten das Dach, suchten nach Luken und Spalten und schossen mit Pistolen in die Schlitze."

Die relativ hohe Ausfallquote des ersten Panzerangriffs brachte die deutsche Heeresleitung zu der Auffassung, die Artillerie sei den Panzern immer überlegen - was sich in den nächsten Jahren als strategischer Fehler herausstellte. Denn während Franzosen und Engländer an der Verbesserung ihrer Panzer arbeiteten und im letzten Kriegsjahr einige Tausend im Einsatz hatten, standen den Deutschen nur 45 Stück zur Verfügung, ein Ungleichgewicht, dass sich immer deutlicher bemerkbar machte und die deutsche Niederlage beschleunigte.

Autorin: Rachel Gessat
   
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