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13.10.1923: Ankara wird türkische Hauptstadt
General Mustafa Kemal ist der Gründungsvater der modernen Türkei und erhält seinen Ehrennahmen "Atatürk" - das bedeutet "Vater der Türken". Er zählt zu den Jungtürken, die zu Beginn dieses Jahrhunderts die Alleinherrschaft des Sultans beenden.

Als das osmanische Reich nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg dem Zusammenbruch nahe ist, steigt General Mustafa Kemal zum Führer des nationalen Widerstands auf und errichtet auf den Trümmern des Reiches eine neue Nation. Seine Reformdiktatur beruht auf Vorstellungen, die als "Kemalismus" zur Staatsideologie werden.

Geboren und Aufgewachsen in Saloniki absolviert Mustafa Kemal die Militärakademie und schließt sich bereits 1907 in Mazedonien dem jungtürkischen "Komitee für Einheit und Fortschritt" an.

Die Jungtürken, ins Exil gedrängte Kritiker osmanischer Selbstherrschaft, organisieren sich bereits 1896 im Untergrund, vor allem über das schon einige Jahre vorher gegründete Komitee. Ihr Ziel - das Ziel vor allem der Offiziere und darunter auch Atatürk - ist die Wiederinkraftsetzung der Verfassung.

Der misstrauische Alleinherrscher Sultan und Kalif Abdülhamit hat kaum noch Chancen, sein korruptes, von Vetternwirtschaft und Patronagentum gekennzeichnetes Regime aufrecht zu erhalten. Zwar regiert noch Istanbul, aber im Ankara brauen sich unionistische und liberale Kräfte weiter zusammen.

Die Machthaber in Istanbul reagieren - erfolglos. Eine Rebellion gegen die aufstrebenden Jungtürken wird erstickt und Sultan Abdülhamit muss abtreten. Sein als Sultan Mehmet der Fünfte eingesetzte Bruder bleibt einflusslos.

Wer sind diese Jungtürken, die im fernen Ankara mit militärischem Know How und westlichen Vorstellungen langsam aber sicher das traditionelle osmanische Reich unterhöhlen? Der Historiker und Politologe Feroz Ahmad charakterisiert die jungtürkische Bewegung folgendermaßen:

Feroz Ahmad: "In der jungtürkischen Bewegung hatten sich all die Kräfte und Gruppierungen zusammengefunden, die das althergebrachte, hamidische Regime stürzen wollen. Einfachheitshalber kann man sie in zwei Strömungen trennen: Liberale und Unionisten. Im Allgemeinen gehören die Liberalen zur gehobenen osmanischen Gesellschaftsschicht. Sie waren ausnahmslos gebildet, weltgewandt und prowestlich und mit europäischer Sprache und Kultur vertraut, meistens der französischen. Sie setzten sich für eine konstitutionelle Monarchie ein, die eben von den Regierungsbeamten gelenkt wurde, deren Schicht sie selbst angehörten. Von Großbritannien, das sie als Wiege der Parlamente bezeichneten, erwarteten sie die Unterstützung dieses Regimes in Form von Darlehen und Sachverstand, um ihre moderaten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Reformbewegungen umsetzen zu können."

Atatürk steigt nach vielen erfolgreichen militärischen Operationen zum Führer des Nationalen Widerstands auf und ist ab 1920 Präsident des Widerstandsparlaments in Ankara. Siegreich ist er im Befreiungskrieg 1919 bis 1922 gegen Armenier, Griechen, Italiener, Franzosen und Briten. Er etabliert sein Machtmonopol mit Hilfe seiner Republikanischen Volkspartei. Das osmanische Reich bröckelt. Atatürk hat die Macht nunmehr in seinen Händen.

Einer seiner wichtigsten Amtshandlungen: Am 13. Oktober 1923 wird Ankara zur Hauptstadt erklärt. Knapp zwei Wochen später wird die Republik Türkei gegründet mit Kemal Atatürk als Präsident. Im Frühjahr des folgenden Jahres, 1924, wird das Kalifat abgeschafft.

Dem folgen die Gesetze zur Vereinheitlichung des Unterrichts, mit anderen Worten das Schulwesen wird staatliche Aufgabe und die Scharia-Gerichte, also die islamische Rechtsordnung, wird aufgelöst. Religiöse Einrichtungen müssen einer weltlichen Ordnung weichen, arabische Schriftzeichen werden zu Gunsten der lateinischen abgelöst und die Republik Türkei gilt fortan als säkulares Staatsgebilde.

Autorin: Doris Bulau
   
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