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17.10.1847: Königlich Preußisches Meteorologisches Amt
Am 17. Oktober 1847 mussten die Menschen Abschied nehmen von liebgewordenen Binsenweisheiten wie: "Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist", und von der Vorstellung, der gemeine grüne Laubfrosch habe irgend etwas mit dem Wetter zu tun. Der Meteorologe Reinhard Faust:

"Mir ist bisher eigentlich noch nie so richtig klar geworden, was der Frosch mit dem Wetter zu tun hat. Das er nun seine Fliegen bei schlechtem Wetter unten auf der Leiter oder bei gutem Wetter oben auf der Leiter fängt, ob das was damit zu tun hat, dass die Vögel höher fliegen bei gutem Wetter angeblich als bei schlechtem, jedenfalls hab ich noch nie einen Meteorologen gefunden in meiner Laufbahn, der grüne Haut, große Augen und nasse Füße hat und damit seine Vorhersagen macht. Also ich meine, wir sollten den armen Frosch von dieser Verantwortung entlasten."

Am 17. Oktober 1847 wurde das Königlich-Preußische Meteorologische Amt in Berlin gegründet. König Friedrich Wilhelm der IV. gab den Befehl dazu, Alexander von Humboldt befolgte die Anweisung seines Königs.

"Wenn eine Wolke am Himmel dunkelt, wird Regen fallen"

"Wenn eine Wolke am Himmel dunkelt, wird Regen fallen", ritzten babylonische Gelehrte schon vor 6000 Jahre in Tontäfelchen.

Mehr als 2000 Jahren alt ist die Wetterkunde des griechischen Philosophen Aristoteles, der das Wort für die daraus entstehende Wissenschaft, "Meteorologie", prägte. Noch vor ihm, im Jahre 473 vor unserer Zeitrechnung, erkannte der Grieche Hekataios die Wirkung des Klimas auf die menschliche Natur. Einige Generationen später erklärte Poseidonis die Entstehung von Hagel, Blitz, Wolken und Regen.

Vulkanausbrüche, Unwetter und Erdbeben waren dabei nicht immer zu deuten, nicht selten entstanden darüber Götterlegenden. Regelmäßige Beobachtungen des Wetters wurden ab Mitte des 15. Jahrhunderts gesammelt. Die Bauernpraktika von 1508 gilt als das älteste meteorologische deutsche Druckwerk

"Scheint zu Lichtmess die Sonne heiß, gibt's noch mehr viel Schnee und Eis"

Erkenntnisse wie "Scheint zu Lichtmess die Sonne heiß, gibt's noch mehr viel Schnee und Eis" dienten den Bauern im Mittelalter als Eckdaten für das Einbringen der Ernte.

Dass der oberfränkische Abt Mauritius Knauer bei seinen Blick gen Himmel dabei zu dem Schluss kam, dass das Wetter sich alle sieben Jahre wiederhole, weil die Erde ja auch von sieben Planeten beherrscht sei, störte damals noch keinen.

Erst Mitte des 19. Jahrhunderts ersetzten die Militärs Wahrsagerei, Sterndeuterei, Beobachtungen des Quecksilber-Wetterglases und Raterei durch systematische Beobachtungen von Luftdruck, Temperatur, Niederschlag, Bewölkung und Luftbewegung. Das nötige Handwerkzeug gab es bereits: Galileo Galilei hatte einen Wärmemesser, das Thermometer gebaut, sein Schüler Evangelista Torricelli den Schweremessers, das Barometer, erfunden, und um den Luftdruck zu bestimmen, konnten bereits Hygrometer, Feuchtigkeitsmesser, herangezogen werden.

Das am 17. Oktober 1847 in Berlin feierlich aus der Taufe gehobene Königlich-Preußische Meteorologische Amt unterhielt 100 Wetterstationen im ganzen Land, die der erste Direktor - angeblich - per Postkutsche abgefahren sein soll. Später hielt die moderne Technik Einzug - die Messergebnisse wurden per Telegraphen übermittelt.

1854 begann die internationale Zusammenarbeit der Wetterpropheten. Auslöser war eine Katastrophe: Im Krimkrieg war die französische Flotte bei einem schweren Sturm im Schwarzen Meer untergegangen. Das Unwetter wäre von England her vorhersehbar gewesen, per Telegraphen hätte man die Männer warnen können.

"Barometer im Norden stark gefallen, im Südwesten gestiegen"

1861 dann gab der Londoner Meteorologe Admiral Robert Fitzroy die ersten offiziellen Sturmwarnungen für in See stechende Schiffe heraus. Im Jahre 1876 gab es in den ersten offiziellen, an die Küstenschifffahrt gerichteten, deutschen Wetterbericht.

"Barometer im Norden stark gefallen, im Südwesten gestiegen, ein starkes barometrisches Minimum liegt nordwestlich von Schottland, außerdem ein partielles über Dänemark. Der größere Teil von Deutschland, Südengland und Frankreich von einem starken Südwest überweht, das Tauwetter ist bis nach Ostpreußen vorgerückt."

Ein halbes Jahr später der ganz große Sprung nach vorn: die erste amtliche Wettervorhersage, allerdings in ähnlichem Meteorologen-Chinesisch:

"Weitere Verpflanzung des Minimums ostwärts und in Norddeutschland von West nach Ost fortschreitendes Umgehen der Winde gegen Nordwest und Nord mit veränderlichem Wetter."


Autorin: Gerda Gericke
Redaktion: Stephanie A. Hiller
   
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