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19.10.1813: Völkerschlacht bei Leipzig zu Ende
Schülerin: "Häuser brennen, Rauch steigt auf. Überall liegt ein toter Soldat, Tiere, Pferde zum Beispiel. Hier stehn auch viele Soldaten, die ham Gewehre und Speere. Unterschiedlich gefärbte Uniformen. Dort liegen ein paar tote Menschen rum, und da steht ein Kanonenrohr."

So kann es aussehen, wenn Weltgeschichte geschrieben wird -geschehen im Oktober 1813 in und um Leipzig anlässlich der berühmten Völkerschlacht. Doch der Begriff 'Völkerschlacht' ist irreführend, denn die Kampfhandlungen sind in Einzelschlachten und kleinere Gefechte zerfallen.

Etwa eine halbe Million Soldaten kämpfen 1813 um die politische Zukunft des Kontinents. Um die Vorherrschaft Napoleons zu beenden, schließen sich die Armeen Russlands, Preußens, Österreichs und Schwedens zusammen. Auch Tschechen, Schlesier, Italiener und Ungarn kämpfen mit, während der sächsische König zu Napoleon hält.

Die verbündeten Truppen werden vom österreichischen Feldmarschall Schwarzenberg angeführt. Er entschließt sich am Morgen des 14. Oktobers zu einem Erkundungsgefecht, die russisch-preußischen Truppen rücken vor. Aus einem kleinen Scharmützel in der Nähe von Markkleeberg entwickelt sich rasch der sieben Stunden währende, größte Reiterkampf der Völkerschlacht.

Am 15. Oktober rücken die Truppen weiter in Richtung Leipzig vor, und am Morgen des 16. stehen den napoleonischen Truppen vier Angriffskolonnen Schwarzenbergs gegenüber.

Napoleon wähnt sich bereits des Sieges sicher und lässt zum Zeichen des für ihn günstigen Schlachtverlaufes gegen 14.00 Uhr in Leipzig die Glocken läuten. Doch er hat den besten Angriffszeitpunkt verstreichen lassen, und die alliierten Truppen können die schwächsten Punkte ihrer Angriffslinie verstärken.

Für Sonntag, 17. Oktober, wird eine Gefechtspause vereinbart, und Napoleon versucht vergeblich, zu verhandeln. Am 18. Oktober gelingt es Schwarzenberg, den Kreis um Leipzig immer enger zu schnüren. Die sächsische und württembergische Kavallerie, später auch die sächsische Infanterie und Artillerie, treten zu den Verbündeten über. Napoleon ist klar, dass seine Truppen einen weiteren Kampftag nicht überstehen werden und gibt gegen fünf Uhr nachmittags den Befehl zum Rückzug in Richtung Westen.

Der eigentliche Angriff der Verbündeten auf Leipzig beginnt am Morgen des 19. Oktobers. Um die Mittagszeit dringen die ersten alliierten Truppen in die Stadt ein. Während in den Strassen noch gekämpft wird, ziehen Zar Alexander, der preußische König und Fürst Schwarzenberg in das eroberte Leipzig ein und halten auf dem Marktplatz die Siegesparade ab.

Die Verbündeten verfolgen die französische Besatzungsarmee eher halbherzig, und Anfang November kann Napoleons Armee die rettende Rheinlinie überschreiten. Damit ist seine Vorherrschaft in Europa endgültig zerstört, und auf den Schlachtfeldern vor Leipzig haben deshalb fast 100.000 Menschen ihr Leben verloren.

Über eine halbe Million Soldaten haben für und gegen Napoleon gekämpft. Das heißt, fast jeder fünfte Soldat ist ums Leben gekommen.

In notdürftig hergerichteten Lazaretten liegen zahllose Verwundete, und bis ins Jahr 1814 hinein werden Gefallene in Massengräbern beigesetzt. Die Kämpfe haben das Leipziger Umland verwüstet, einige Dörfer sind nur noch Ruinen, und beim Pflügen der Felder fördern Bauern Schädel um Schädel zutage. Was sie gedacht haben mögen, beschreibt der Leipziger Erich Loest in seinem Roman "Völkerschlachtdenkmal":

Zitat Erich Loest: "Einem Schädel sieht man nicht an, ob er von einem Russen, Schweden, Toskaner oder Basken stammt. Es ist, wenn man von den seltenen Fällen des Kopfschusses oder der Säbelspaltung absieht, nicht zu erkennen, ob sein ehemaliger Träger stürmend durch die Brust oder fliehend in den Rücken geschossen wurde, ob er vor Angst oder Tötungslust wahnsinnig war, ob er am Wundbrand krepierte oder am Typhus. Schädel sehn sich alle gleich."

Autorin: Sabine Ochaba
   
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