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22.10.1973: Pablo Casals gestorben
Cellomusik von Johann-Sebastian Bach. Zwei Jahrhunderte lang vergessen, wiederentdeckt und berühmt gemacht von einem katalanischen Musiker. Genie, Weltbürger, Kämpfer für Frieden und Freiheit und für viele der größte Cellist aller Zeiten: Pablo Casals.

Als Johannes Brahms seine Cellosonate op. 99 schreibt, ist Pablo Casals bereits zehn Jahre alt. 1876 im katalanischen Dorf Vendrell geboren, wird Casals im Laufe seines fast einhundert Jahre währenden Lebens Vermittler zwischen 19. und 20. Jahrhundert, zwischen Spätromantik und Moderne, zwischen Kunst und Menschen.

Pablo Casals: "Musik, diese wundervolle Weltsprache, die von allen Menschen verstanden wird, sollte auch eine Quelle besserer Verständigung zwischen den Menschen sein. Aus diesem Grunde möchte ich heute einen besonderen Appell an meine Musikerkollegen auf der ganzen Welt richten und jeden einzelnen von ihnen bitten, die Reinheit seiner Kunst in den Dienst der Menschheit zu stellen, indem er dazu beiträgt, brüderliche Beziehungen zwischen den Menschen auf aller Welt zu schaffen."

Seine Eltern, beide Musiker, fördern Pablo Casals' Begabung von frühester Kindheit an. Er spielt virtuos Klavier, Orgel, Violine und Flöte. Aber erst mit elf Jahren begegnet er dem Instrument, das seine Berufung werden wird. Pablo Casals hört das Konzert eines Streichtrios. Das Cello fasziniert ihn. Die Eltern gestatten ihm Cellounterricht.

Schon ein Jahr später verdient der Zwölfjährige seinen Lebensunterhalt als Cellist in Caféhäusern. Der Komponist Isaac Albeniz entdeckt die Begabung. Er vermittelt Casals die weitere Ausbildung am Konservatorium von Madrid und die ersten großen Konzerte. Schon um 1900 herum ist Pablo Casals, das Ausnahmetalent, ein weltberühmter Virtuose.

Pablo Casals revolutioniert die Technik des Cellospiels. Aus einem unsauber intonierenden Begleitinstrument macht er durch neuartige Handhabung des Bogens und neue Grifftechniken ein virtuoses Soloinstrument. Der Dirigent Wilhelm Furtwängler sagt über ihn: "Wer Casals nicht gehört hat, weiß nicht, wie ein Streichinstrument klingen kann!"

Pablo Casals ist nicht nur ein begnadeter Musiker, er ist ein leidenschaftlicher Kämpfer für Freiheit und Gerechtigkeit. Lenin- und Stalinismus, Mussolini-Italien, Hitlerdeutschland und Franco-Regime treiben ihn in die freiwillige Abgeschiedenheit ins Pyrenäendorf Prades. Jahrzehntelang spielt Casals keine Konzerte mehr.

Erst ab den 1950er Jahren steht Pablo Casals als Cellist und mittlerweile auch als Dirigent wieder auf den Konzertpodien der Welt. Alle Konzerte, die er von nun an gibt, stellt er ausdrücklich in den Dienst von Frieden und Völkerverständigung. Seine größte Vision allerdings bleibt ein Traum:

Pablo Casals: "Der Hymnus an die Freude aus Beethovens neunter Symphonie ist zu einem Symbol der Menschheitsliebe geworden. Ich schlage deshalb vor, dass jede Stadt, die über ein Orchester und einen Chor verfügt, dieses Werk am selben Tag ausführe und es durch Radiowellen in die kleinsten Dörfer und die fernsten Winkel der Erde tragen lasse als ein neuerliches Gebet. Ein neuerliches Gebet um den Frieden, den wir aller ersehnen und auf den wir schon so lange warten."

Pablo Casals stirbt am 22. Oktober 1973 im Alter von 97 Jahren. Für das Gedächtnis der Nachwelt ist er unsterblich - als großer Musiker und großer Mensch.

Autorin: Catrin Möderler
   
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