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24.10.1924: "Zauberei auf dem Sender"
Wer am 24. Oktober 1924 bereits einen Radioapparat besaß oder jemanden kannte, der einen hatte, erlebte eine Überraschung. Denn auf Welle 467 des Senders Frankfurt am Main wurde statt des angekündigten Konzertes etwas ganz anderes gesendet: "Zauberei auf dem Sender."

Statt des erwarteten Konzertes hörte man einen Ansager, der verzweifelt versuchte, Musik zu präsentieren und dabei immer wieder gestört wurde: von versagender Technik, von anrufenden Zuhörern und von einer plötzlich im Studio erscheinenden Dame. Dem Ansager, den Technikern und schließlich dem Direktor, allen widerfuhr Unerwartetes, Unerklärliches. Anarchie im Sender! Mikrofone ließen sich nicht schließen, Türen öffneten sich, Telefone klingelten und der Direktor hörte Musik, die sonst keiner hörte.

Gewöhnliche Erklärung des Ungewohnten

Nach einer ganzen Weile wurden alle aufgeklärt. Im Radio herrschte nicht Anarchie, sondern künstlerische Fantasie: die Ausstrahlung eines Hörspiels: "Zauberei auf dem Sender." Ein Zauberer, dem man verweigert hatte, seine Kunstfertigkeit auch einmal auf Ätherwellen zu präsentieren, trat auf und erklärte sich verantwortlich für das Durcheinander: "Warum erlauben Sie mir nicht, den Leuten meine Kunststücke im Sender vorzumachen? Harmlose, fröhliche Zaubereien, die die Leute erfreut hätten. Ich bat Se doch dringend genug mir zu glauben, dass die Rundfunkhörer kraft meiner Macht Funkzuschauer werden könnten. Sie haben mich ausgelacht. Die Leute hätten all diese lustigen Dinge in ihren Elektronenröhren, in ihren Detektoren gesehen, (…) ja, gesehen!"

Zauberei machte den Anfang

Eine Woche nach der Erstsendung erschien in der Zeitschrift "Radioumschau" eine Kritik des ersten deutschen Hörspiels. Der Rezensent formulierte den Sinn der Sendung so: "'Was soll der Unsinn?', denkt so mancher brave Bürger. Und die Frage ist berechtigt. Nur gehört eine Antwort darauf. Bisher war das Radio nichts anderes als Ausdrucksmittel bestehender Kunstformen. Aber wäre es nicht möglich, mit dem Radio künstlerische Wirkungen zu erzielen, die weder das Theater, noch das Konzert, noch das Kino zu Wege bringen?"

"Zauberei auf dem Sender" war fraglos ein Erfolg. Im Jahr nach der Premiere des ersten Hörspiels wurden bereits 43 Hörspielstunden ausgestrahlt. 1995 hatte das Hörspiel 2.783 Stunden Programm. Das waren zwar nur 0,6 Prozent des gesamten Hörfunkprogramms, doch darin eingerechnet sind auch die vielen Stationen, die auf Werbung und musikalische Dauerberieselung eingerichtet sind und kein Kulturprogramm ausstrahlen.

Doch ist dem Radio durch das Fernsehen eine mächtige Konkurrenz entstanden. Es scheint eben einfacher, eine Geschichte nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen. Aber das gute alte Hörspiel gibt es immer noch, wenn auch inzwischen eher im Verborgenen. Ob Romanze, Krimi oder sozialkritische Milieustudie, sie alle haben den gleichen Vorläufer: "Zauberei auf dem Sender", das am 24. Oktober 1924 zum ersten Mal ausgestrahlt worden war.

Autor: Dirk Kaufmann
   
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