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27.10.1966: Südafrika verliert Mandat für Südwest
Der Beschluss der UN-Vollversammlung hatte die Nummer 2145: Mit diesem Beschluss wurde Südafrika 1966 das Mandat über Südwestafrika entzogen. Die südafrikanische Regierung in Pretoria ignorierte diese Entscheidung jedoch. Die ehemalige deutsche Kolonie war heiß begehrt, hatte sie doch laut dem Uno-Kommissar Sean McBride wirtschaftlich viel zu bieten:

McBride: "Ich muss zunächst hervorheben, dass Namibia vermutlich das reichste Land Afrikas ist. Wie Sie wissen, ist es der größte Diamantenhersteller der Welt. Es gibt dort Kupfer-, Silber- und Zinkvorkommen, die sehr wichtig sind, und natürlich ist da noch zusätzlich das Uran."

Der Reichtum Namibias dürfte ein Grund dafür gewesen sein, warum Südafrika sein Mandat nach dem Zweiten Weltkrieg nicht einfach abgeben wollte.

Nachdem sich der Völkerbund aufgelöst hatte, sollte die Regierung in Pretoria das Mandat unter die Treuhandschaft der UN stellen. Die Mandatsträger waren dazu nicht verpflichtet, sie wurden aber ausdrücklich eingeladen, die Mandatsgebiete der UNO zu übergeben. Südafrika leistete dieser Aufforderung jedoch keine Folge. Angefangen mit der Resolution Nr. 65 erneuerte die Vollversammlung nahezu jedes Jahr diese Einladung.

1959 stellte sie fest "(…) dass die Verwaltung des Gebietes in den letzten Jahren in steigendem Maße in einer gegen das Mandat, die Charta der UN, die Allgemeine Deklaration der Menschenrechte, das Beratende Gutachten des Internationalen Gerichthofes und die Resolutionen der Vollversammlung verstoßenden Art und Weise betrieben werden."

Südafrika hatte damit begonnen, seine Apartheidgesetze in Namibia einzuführen. Es kam zu zahlreichen Menschenrechtsverletzungen im Mandatsgebiet.

1960 erhoben schließlich die freien schwarzafrikanischen Staaten Äthiopien und Liberia Klage gegen Südafrika. Das Land hatte sich wegen Bruchs des Mandatsstatus vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag zu verantworten.

Die Stämme Namibias knüpften große Hoffnungen an den Prozess. David Witbooi stellte in Den Haag die Fragen des namibischen Volkes:

Witbooi: "Wir wurden unter dieser nicht endenden Gefangenschaft geboren. Sollen wir unter ihr unser Leben verbringen und unsere Augen schließen? Sind wir eine verfluchte Generation nur deshalb, weil unsere Häuptlinge für die Freiheit ihres Volkes, ihrer Nation kämpfen?"

Das Urteil erging erst sechs Jahre später im Jahr 1966. Für die namibischen Stämme war es eine bittere Enttäuschung. Mit einer Stimme Mehrheit wies der Internationale Gerichtshof die Klage aus formalen Gründen ab.

Trotz des Urteils in Den Haag entzog die UN-Vollversammlung Südafrika das Mandat jedoch noch im gleichen Jahr. Namibia war nun direkt der UN unterstellt. Südafrika reagierte auf diese Entscheidung jedoch nicht. Die südafrikanischen Truppen blieben im Land und kämpften nun mit dem namibischen Widerstand. Dieser wurde von Sam Nujoma, dem heutigen Präsidenten von Namibia, angeführt:

Nujoma: "Namibia ist unser Land, und wir haben das Recht, zu kämpfen und dieses Land zu befreien."

Im Oktober 1975 marschierten südafrikanische Truppen ebenfalls in Angola ein. Südafrika rechnete mit der Unterstützung amerikanischer Truppen. Der US-Kongress untersagte den USA jedoch, irgendeine Kriegspartei zu unterstützen. Damit war Südafrika weltweit isoliert. Die Forderung des UNO-Kommissars Sean McBride war klar:

McBride: "Namibia als militärische Basis für Angriffe auf Angola zu benutzen, ist absolut inakzeptabel. Südafrika muss sich aus Angola und Namibia zurückziehen!"

Dieser Forderung kam Südafrika in den folgenden Jahren auch nach. Heute ist das Land von seiner Apartheidpolitik weit abgerückt. 1994 gab es in der Republik die ersten demokratischen Wahlen.

Autorin: Daniela Ziemann
   
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