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1.11.1849: Erste Briefmarke Deutschlands
Am 1. November 1849 staunten die Menschen an den Postschaltern des damaligen Königreiches Bayern nicht schlecht: Bevor der Staatsdiener hinter dem Tresen ihnen ihre Briefe zur Beförderung abnahm, mussten sie ein quadratisches kleines Stück Papier kaufen und auf die Umschläge kleben.

Die Briefmarke hatte Deutschland erreicht. Die Untertanen des bayerischen Königs konnten unter der Ein-Kreuzer-Marke in schwarzer Farbe, der Drei-Kreuzer-Marke in blauer und Sechs-Kreuzer-Marke in rotbrauner Färbung wählen.

Ihren Siegeszug angetreten hat die Briefmarke England, weiß Frank Walter, Vorsitzender des Berliner Philatelistenverbandes.

Walter: "Man hatte in England damals irgendwo diese ganz einfache, aber revolutionäre Idee gehabt, das man sagte: Soll doch der Absender, der eigentlich doch Interesse daran hat, dass dieser Brief weggeht und auch ankommt, soll doch der Absender das bezahlen. Das ging natürlich nur in einer Zeit, als man schon ein einigermaßen geordnetes Postwesen hatte, das ist klar. Man konnte drauf vertrauen: der Brief kommt auch an. Und dann brauchte man irgendeine Quittung, und die Quittung musste sichtbar ja irgendwo auf diesem Brief da sein, dass die Überbringung dieses Briefes bezahlt ist. Und dann ist man auf die Idee gekommen, so einen kleinen Zettel aufzukleben, den zu entwerten, den Begriff haben wir heute noch, und damit war die ganze Geschichte bezahlt."

Die Zeit der ersten deutschen Briefmarken war eine ebenso spannende wie bewegte Zeit. Die industrielle Revolution war dabei, das Gesicht Europas zu verändern. Kaufleute, Bürger und Fabrikanten brachten immer mehr Post auf den Weg.

Die Einführung der Briefmarke war ein Teil der Modernisierung: Viel mehr Post erreichte immer schneller ihre Empfänger, weil die Briefmarke dafür sorgte, dass der Transport im Voraus bezahlt wurde. Doch Deutschland war in viele kleine Fürstentümer, Königreiche, Herzogtümer und freie Hansestädte zersplittert. Und jeder kleine Potentat unterhielt eine eigene Währung und natürlich auch ein eigenes Postwesen.

Dem Vorbild Bayerns folgend führten nach und nach auch die übrigen deutschen Staaten Postwertzeichen ein. Den Anfang machte Sachsen am 1. Juli 1850, eine halbe Million "Sachsen-Dreier" verließen die Druckerei.

Im November des Jahres 1850 folgte Preußen - mit einer Neuerung, erzählt Frank Walter. Bayern und Sachsen hatten noch schöne Marken "(…) mit vielen Ornamenten drauf - Klammer auf, dass sie nicht so leicht gefälscht werden können, Klammer zu - wo eben eine Eins drin stand, oder der Drei-Kreuzer war eben eine Drei drin, diese Dinger sahen schön aus. Aber sehr schnell sind die Regierenden dann auf die Idee gekommen, dass man das dann auch als Propaganda benutzen kann. Man hat eben den Kopf eines Regierenden Fürsten mit drauf gemalt, und man hat dann Staatssymbole, Wappen und ähnliche Geschichten drauf gemacht."

Danach ging es Schlag auf Schlag. Die Herzogtümer Schleswig und Holstein zogen zeitgleich mit den Preußen nach. Am 1. Dezember 1850 gab das Königreich Hannover seine erste Briefmarke heraus, gefolgt vom Großherzogtum Baden, dem Königreich Württemberg und dem Großherzog von Oldenburg. Doch damit war der Briefverkehr nur innerhalb der eigenen, engen Landesgrenzen geregelt. Post von Hamburg nach Hannover oder von München nach Stuttgart zu schicken war weiterhin ein äußerst mühsames Unterfangen.

Walter: "Den Postverkehr hat man zum Beispiel im süddeutschen Bereich dem Fürsten von Thurn & Taxis übergeben, die haben heute noch eine Portofreiheit deswegen, diese Familie. Später hat sich dann in Norddeutschland auch über die verschiedenen Staatengrenzen hinweg ein so genannter norddeutscher Postbezirk entwickelt, wo sich dann die Staaten schon sagten: Wir müssen da etwas vereinheitlichen."

Von den ersten deutschen Briefmarken, den bayerischen Schwarzen Einsern, wurden am 1. November 1849 832.000 Stück geprägt. Die Zeiten überdauert haben gut 30.000 Exemplare. Je nach Zustand der Marke schätzt Frank Walter ihren Wert heute auf fünf bis 10.000 DM das Stück.

Immer wieder gern erzählt und gerühmt wird das unbürokratische Verhalten der ersten königlich bayerischen Briefmarkenverkäufer: Wenn sie eine Drei-Kreuzer Marke brauchten aber nur eine Sechs Kreuzer Marke hatten, sei letztere einfach diagonal durchgeschnitten worden. Dummes Zeug, sagt Frank Walter, das hat keine Postverwaltung zugelassen. Die Gefahr, dass nur halb abgestempelte Marken noch einmal verwendet würden, sei viel zu groß. Bekannt ist den Philatelisten nur eine einzige Ausnahme aus dem Jahre 1901 auf hoher See:

Walter: "Es gibt in Deutschland ein einziges Provisorium, wo wirklich mal auf einem Kreuzer, der heißt Vineta, die Briefmarken ausgegangen waren oder die Nachlieferung aus Berlin nicht rechtzeitig da war, und da hat man tatsächlich Marken senkrecht durchgeschnitten und nur die Hälfte verwendet."

Autorin: Gerda Gericke
   
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