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5.11.1414: Konstanzer Konzil
Ende des Jahres 1413 rufen der deutsche König Sigmund und Gegenpapst Johannes XXIII. ein großes Unionskonzil aus, das in der Reichsstadt Konstanz am Bodensee stattfinden soll. Ein knappes Jahr später reisen die Delegierten an. Über 72.000 Fremde kommen, darunter Patriarchen, Kardinäle, Erzbischöfe, Bischöfe, geistliche Fürsten, jeweils mit Gefolge - allein 600 Personen reisen mit dem Papst - außerdem Anwälte, Sekretäre, verschiedene Doktores, Magister, Priester und Scholaren ­ und Gerüchten zufolge auch 3000 Huren.

Sie alle sollen sich während des vier Jahre dauernden Konzils in der Stadt Konstanz aufgehalten haben; recht viel angesichts einer städtischen Bevölkerung von bis zu 8000 Einwohnern, die sofort unter gestiegenen Lebenshaltungskosten zu leiden haben, so dass der Minnesänger Oswald von Wolkenstein später reimt: "Denk ich an den Bodensee, tut mir gleich der Beutel weh!"

Die Konzilsgäste kommen aus dem gesamten Abendland: aus Italien, Polen, England, Frankreich, Spanien, Tschechien, Ungarn, Schottland, Irland, Armenien und vielen anderen Ländern. Obwohl die Geistlichkeit hauptsächlich Lateinisch spricht, werden im Konstanzer Münster zwölf Beichtstühle aufgestellt, auf denen jeweils zu lesen ist, in welcher Sprache gebeichtet werden kann.

Das im Münster tagende Konzil, übrigens das einzige auf heute deutschem Boden, beabsichtigt eine Reform der Kirche an "Haupt und Gliedern", das Ende des Schismas, also der Kirchenspaltung, und die Lösung strittiger Glaubensfragen. Deshalb wird auch der wegen seiner Kirchenkritik und seines Reformwillens gebannte Jan Hus, Professor und Rektor der Prager Universität, zum Konzil eingeladen. König Sigmund sichert ihm freies Geleit zu.

Im Vertrauen auf das gegebene Versprechen reist Hus, der seine Rechtgläubigkeit beweisen will, nach Konstanz, wo er nur dreieinhalb Wochen später gefangen genommen wird, da er trotz Verbots Messen gefeiert und gepredigt hat.

Hus wird angeklagt, eingekerkert und bei seinem Prozess am 6. Juli 1415 als Ketzer verurteilt. Vor den Augen König Sigmunds reißen die Bischöfe unter Verfluchungen die Abzeichen seiner Weihegrade ab, danach wird er von 1000 Bewaffneten begleitet und außerhalb von Konstanz, im heutigen Stadtteil Paradies, auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Das gleiche Schicksal widerfährt etwa ein Jahr später Hieronymus von Prag, der 1415 zur Unterstützung von Jan Hus' Lehre nach Konstanz gereist ist.

Die Glaubensfragen sind vorerst auf rigorose Weise gelöst, aber die Kirche hat noch ein 'Papstproblem', denn 1414, zu Beginn des Konzils, gibt es drei rivalisierende Päpste: In Rom regiert Gregor XII., von Pisa aus Gegenpapst Johannes XXIII. und in Avignon sitzt Gegenpapst Bendedikt XIII.

Johannes XXIII., der mit König Sigmund das Konzil ausgerufen hat, flieht im März 1415 verkleidet "uff ainem klainen rösly" nach Schaffhausen, das Konzil droht zu scheitern. Sigmund allein rettet die Situation, wie der Konstanzer Chronist Ulrich von Richental schreibt, indem er zusammen mit dem Pfalzgrafen Ludwig durch die Stadt reitet: "(...) zu allen Wechslern und zu allen Krämern und Handelsleuten, zu allen Kardinälen und Herren, und hieß stetiglich ausposaunen und rief mit eigenem Munde, dass niemand hinweg führe."

Papst Johannes wird zwei Monate später festgenommen und abgesetzt. Im Juli 1415 tritt Papst Gregor zurück und im Juli 1417 wird Papst Benedikt abgesetzt.

Vier Monate später findet im ausgebauten Kaufhaus am Konstanzer Hafen die Wahl statt, die dem abendländischen Christentum wieder einen rechtmäßigen Papst beschert: Otto von Colonna, der sich Martin V. nennt. Die Massen jubeln im Hafengelände, laut der Richentaler Chronik sind es an die 80.000 Menschen.

Neben den Klöstern, die abendländisches Weltwissen austauschen können, profitiert auch die Konstanzer Wirtschaft von den vielen Gästen. Da macht es fast gar nichts, dass König Sigmund, nachdem er mit Königin Barbara und seinem Gefolge in Konstanz jahrelang getrunken, gegessen und genächtigt hat, den größten Teil der Zeche prellt…

Autorin: Sabine Ochaba
   
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