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14.11.1519: Montezuma festgenommen
Am Anfang erschien ein riesiges Feuer am Himmel. Eine Feuerwalze, die vom Horizont bis zum Mond reichte. Dann brannte der Tempel des Hutzilo-Poktli plötzlich ohne Anlass. Keine Brandstiftung, kein Blitzschlag. Auch der Tempel Tzon-Molco stand in Flammen.

Am Himmel waren Kometen zu sehen, der See von Tenochtitlan wurde ohne Wind plötzlich stürmisch und kochte, eine Frauenstimme war in allen Häusern der Stadt zu hören: Sie klagte: "Wir sind verloren. Oh meine Söhne, wo soll ich euch verstecken?"

In der Mythologie der Tlaxaltecas finden wir diese historische Schilderung böser Omen und Zeichen. Die Zauberer und Magier dieses Indio-Stammes rätselten, was die Zeichen bedeuten sollten. Ein Jahr nach den Himmelszeichen und den unerklärlichen Tempelbränden betrat Don Hernando Cortes Tenochtitlan den Regierungssitz der mächtigen Azteken. Die Spanier wurden als Götter begrüßt. Wenig später aber wurden aus den Göttern auf den Pferden Teufel, die die Azteken für immer ausrotten sollten.

Don Hernando Cortes und ein Heer von 600 Mann auf 15 Schiffen waren am 18. Februar 1519 von Havanna auf Kuba Richtung Yukatan aufgebrochen. Das Reich der Maya lockte. Monatelang zogen Cortes und seine Männer kämpfend durch Mexiko. Ziel für ihn und sein Heer war die aztekische Hauptstadt Tenochtitlan. Hier, so wurde gemunkelt, befänden sich riesige Goldschätze. Ein Ruf unermesslichen Reichtums eilte der Stadt mit seinen 300.000 Einwohnern voraus, und Cortes wiederum eilte der Ruf voraus ein Gott zu sein.

Schon früh hatte der Azteken-Herrscher Montezuma von den Göttern erfahren. Er versuchte sie mit Geschenken gnädig zu stimmen, er fürchtete den Zorn und schickte Gold zur Besänftigung. Genau dieses Gold machte Cortes aber nur umso gieriger endlich in die Azteken-Metropole einzumarschieren.

Stück für Stück kämpfte er sich von Vera Cruz über den Popcatepetl und den Iztac-Cihuatl zur Stadtmauer von Tenochtitlan. Am 8. November 1519 erreichten Cortes und sein Heer die Stadt. Die Männer erblassten vor Ehrfurcht. Ein gewaltiger Schutzwall umgab die Stadt, die in mitten eines Salzwassersees gebaut worden war.

Riesige Marktplätze gab es in dieser hoch entwickelten Stadt. Bis zu 50.000 Händler kauften und verkauften hier ihre Waren, und von hier herrschte Montezuma über sein Volk. Hoch aufgerichtet schritt der Azteken-König eine breite Treppe von der rund vier Meter hohen Stadtmauer herab und kniete. Der mächtige Azteke kniete vor dem Gott, den er in Cortes sah.

Respekt und Angst hatte er vor den Fremden, die in sein Land eingedrungen waren, von denen er schon vieles gehört hatte-wenig Gutes zumal. Doch genau diese Angst und der Glaube, Cortes und seine weißen Männer seien Götter bedeuteten den Untergang Montezumas und mit ihm letztlich des Aztekenreiches.

Von Anfang an nutze Cortes die Unsicherheit des Königs aus. Er legte ihm den Übertritt zum Christentum nahe. Montezuma lehnte ab, doch stimmte er dem Bau einer Kapelle zu. Montezuma wurde zu Cortes' Sprachrohr.

Am 14. November 1519, gerade einmal eine Woche nach der Begrüßung an den Stadttoren Tenochtitlans, ließ er den König verhaften. Von nun an gab Cortes die Befehle, getarnt als Wünsche Montezumas. Der einst so stolze Herrscher der Azteken belog und verriet sein Volk, selbst ein Dokument unterzeichnete er, in dem er erklärte, alle Rechte des Königs am aztekischen Reich gingen an König Karl V. über.

Als Cortes' Soldaten die Tempel und heiligen Stätten der Azteken jedoch zerstörten und verwüsteten, brach endgültig der Unmut des Volkes aus. Nach einem Massaker der Spanier schlugen die Azteken zurück und zwangen die Spanier dazu, vorerst Tenochtitlan zu verlassen.

Doch letztlich war das Ende der einst reichen und mächtigen Azteken vorgezeichnet. Tenochtitlan sollte schon knapp zwei Jahre nach der Begrüßung der Götter im August 1521, nach drei Monaten Belagerung durch spanische Truppen, dem Erdboden gleichgemacht werden. Der legendäre Goldschatz des Montezuma jedoch wurde nie gefunden. Die Omen und Zeichen aber, die die Magier nicht hatten deuten können, hatten sich auf grausame Weise bestätigt.

Autor: Jens Teschke
   
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