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15.11.1920: Erste Sitzung Völkerbund
Kriege verhindern, den Frieden bewahren, reden statt schießen, verhandeln statt töten - das war das oberste Ziel des Völkerbundes, der am 15. November 1920 das erste Mal zusammentrat. Der Erste Weltkrieg mit Hunger, Leid und Zerstörung war vorüber, als sich im Januar 1919 die Siegermächte in Paris trafen, um den Frieden von Versailles auszuhandeln. Ein Punkt in diesem umfangreichen Vertragswerk war der Beschluss eine Weltfriedensorganisation zu gründen.

Doch das war leichter gesagt, als getan. Geistiger Vater des Völkerbundes war der amerikanische Präsident Woodrow Wilson. Und ausgerechnet er konnte nicht mitmachen, weil ihm der heimische Kongress die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit verweigerte. Die Republikaner hatten Angst vor der Rolle Amerikas als Weltpolizist. Der spätere US Präsident Warren G. Harding:

"Ich denke, es ist eine Begeisterung für patriotische Hingabe, wenn wir zuerst Amerika schützen, zuerst Amerika stabilisieren, zuerst Amerika aufblühen lassen, zuerst an Amerika denken, zuerst Amerika verherrlichen, zuerst für Amerika leben und es verehren."

Die neu gegründete Sowjetunion wollte auch nicht und Deutschland als eindeutiger Verlierer des Ersten Weltkrieges durfte nicht mitmachen. Das Land, entschieden die Sieger, solle sich erst einmal bewähren. Ein Verlangen, dass Reichsaußenminister Ulrich Graf von Brockdorff-Rantzau empörend fand:

"Verbrechen im Kriege mögen nicht zu entschuldigen sein, aber sie geschehen im Ringen um den Sieg, in der Sorge um das nationale Dasein, in einer Leidenschaft, die das Gewissen der Völker stumpf macht. Nur wenn sich die Tore zum Völkerbund allen Nationen öffnen, die guten Willens sind, wird das Ziel erreicht werden. Nur dann sind die Toten des Krieges nicht umsonst gestorben."

Sechs Jahre lang kämpften die Machthaber des Deutschen Reiches um Aufnahme in den Staatenbund, und nicht, weil sie auf einmal für Friede und Völkerverständigung brannten, sondern um das Vertragspaket von Versailles wieder aufzuschnüren. Darin nämlich war u.a. festgeschrieben, wie viele Millionen Reichsmark Deutschland als Wiedergutmachung an die Sieger zu zahlen hatte und das das Land sich kein Kriegsgerät anschaffen darf.

1926 ist das Ziel erreicht, freut sich der damalige SPD-Chef Rudolf Breitscheid:

"Eine der wesentlichsten Grundlagen der auswärtigen Politik der europäischen Staaten ist der nach dem Weltkrieg geschaffene Völkerbund. Deutschland ist dieser Organisation 1926 beigetreten."

Vor allen Dingen auf sozialem Gebiet war der Völkerbund erfolgreich. Er setzte sich wirksam für verbesserte Arbeitsbedingungen ein, unterstützte wirtschaftlich schwächere Länder, installierte den Internationalen Gerichtshof in Den Haag und kümmerte sich um Flüchtlinge.

Bei der Schaffung von Frieden auf der Welt scheiterte der Staatenbund aber auf der ganzen Linie. Im Jahre 1932 sollte eine groß angelegte Abrüstungskonferenz unter Beteiligung der USA und der Sowjetunion stattfinden, und der arg von den Nationalsozialisten unter Adolf Hitler bedrängte deutsche Reichskanzler Hermann Brüning hoffte auf einen Sieg der Vernunft:

Brüning: "Zum ersten Mal in der Geschichte sehen sich hier die Regierungen vor die unausweichliche Aufgabe gestellt, ein sinnvoll, gerechten und umfassenden Plan für eine umgreifende Abrüstung zu schaffen und seine Verwirklichung zu sichern."

Doch aus der Traum. Als die Konferenz am 2. Februar 1933 endlich zusammentrat war in Deutschland seit drei Tagen Adolf Hitler an der Macht. Der wollte Krieg und suchte und fand einen Vorwand, die Konferenz scheitern zu lassen.

Hitler: "Wenn die Welt beschließt, dass bestimmte Waffen zu vernichten sind, wir sind bereit, auf sie vorneherein zu verzichten. Wenn aber die Welt bestimmte Waffen jedem Volke zubilligt, sind wir nicht bereit, als minder berechtigtes Volk uns davon ausschließen zu lassen."

Im Oktober 1933 tritt Deutschland aus dem Völkerbund aus und ging in der Rüstungspolitik ohne jegliche ausländische Kontrolle fortan seinen eigenen Weg - direkt in den Untergang. Japan folgte dem deutschen Vorbild noch im gleichen Jahr, Italien scherte 1937 aus. Der Völkerbund war ein Papiertiger geworden, der sich nach Gründung der Vereinten Nationen selbst auflöste.

Autorin: Gerda Gericke
   
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