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21.11.1995: Paraphierung in Dayton
Bill Clinton: "Das bosnische Volk hat die Chance, den Horror des Krieges zu überwinden und auf Frieden zu hoffen."

So bilanziert US-Präsident Bill Clinton das Ergebnis der Friedenskonferenz, die auf dem US-amerikanischen Luftwaffenstützpunkt Dayton stattfindet. Dort vereinbaren die Präsidenten Serbiens, Bosniens und Kroatiens das Fortbestehen Bosniens mit einem moslemisch-kroatischen und einem serbischen Teil.

Sarajewo bleibt ungeteilt unter bosnischer Kontrolle. Die Serben behalten ihre Hochburg Pale - auch die ehemaligen UN-Schutz-Zonen Srebrenica und Zepa werden ihnen zugesprochen. Eine internationale Friedenstruppe unter NATO-Kommando und unter Führung der USA wird zur Überwachung des Abkommens in Bosnien und Kroatien stationiert. Die beherrschende Rolle beim Zustande kommen der Friedensvereinbarungen spielen die USA. Präsident Bill Clinton:

Bill Clinton: "Amerika kann und wird nicht der Weltpolizist sein. Wir können nicht alle Kriege für immer stoppen, aber wir können manche Kriege beenden. Der Krieg in Bosnien gehört dazu, zumal die USA eine entscheidende Rolle bei den Friedensverhandlungen gespielt haben. Und appelliert an seine Landsleute, dass die Vereinigten Staaten ihre Führungsrolle innerhalb der NATO ausfüllen müssten."

Es war der Erfolg der US-Amerikaner, dass sich der bosnische Präsident Alia Izetbegovitch, der serbische Präsident Slobovan Milosevitch und der kroatische Präsident Franjo Tudjman an einem Tisch setzen, um den über dreijährigen Krieg in Bosnien-Herzegovina zu beenden. Ein Krieg, der über 200 Tausend Menschen das Leben kostete und 2,5 Millionen Menschen in die Flucht trieb.

Im Vorfeld des Friedensabkommens von Dayton waren zwei weitere wichtige Abkommen geschlossen worden: Am 10. November 1995 kam es zwischen der Republik Bosnien-Herzegovina und der Bosnisch-Kroatischen Förderation zum Abschluss des "Abkommens von Dayton über die Implementierung der Förderation Bosnien-Herzegovina, das in seinem Anhang auch eine grundsätzliche Übereinkunft über die Übergangsverwaltung der Stadt Mostar enthielt.

Am 12. November, also zwei Tage später, wiederum kam es zwischen den bosnischen Serben und Kroaten zum Abschluss des Grundsatzübereinkommens über die Region Ostslawoniens, die Baranja und West-Sirmium, das eine wichtige Vorbedingung für das Friedensabkommen von Dayton darstellte.

Als nach dem Durchbruch in Dayton drei Wochen später in Paris der Vertrag feierlich unterzeichnet wird, sind zehn Staats- und Regierungschefs im Elysée-Palast versammelt, außerdem die Vertreter von rund 50 Staaten und Organisationen, die am Friedensprozess beteiligt waren. Jacques Chirac kommt in seiner Eingangsrede auf die Opfer des Krieges zu sprechen:

Jacques Chirac: "Die Hoffnung, die es jetzt für alle Völker des früheren Jugoslawien gibt, diese Hoffnung kann die 200.000 Toten des Krieges nicht vergessen machen. Der mörderische Konflikt in Europa muss jetzt überwunden werden, aber er werde ganz sicher Wunden im Herzen Europas hinterlassen. (...) Die Dauerhafte Widerherstellung des Friedens wird vor allem die Aufgabe der Staaten der Region sein. Jetzt müssen alle Verantwortlichen das Kapitel der Versöhnung aufschlagen und da könne eben das Beispiel von Adenauer und de Gaulle ein ganz großes Vorbild sein."

Der einzige Wermutstropfen für die französischen Gastgeber besteht darin, dass das Bosnien-Friedensabkommen nicht wie von Jacques Chirac gewünscht als Elysée-Vertrag in die Geschichte eingehen wird, sondern weiterhin Dayton-Abkommen heißt, nach dem Ort im US-amerikanischen Mittelwesten, wo der Friedensvertrag in einem dreiwöchigen Nervenkrieg ausgehandelt wurde.

Autorin: Doris Bulau
   
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