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14.12.1962: Welthungerhilfe gegründet
"Es fing an 1962, als der damalige Bundespräsident Heinrich Lübke den sogenannten Deutschen Ausschuss für den Kampf gegen den Hunger in der Godesberger Redoute zusammenrief und in der üblichen feierlichen deutschen Form ein Hilfskomitee gegen den Hunger in der Welt aus der Taufe hob", erinnerte sich Bernd Dreesmann, lange Zeit Generalsekretär der Deutschen Welthungerhilfe, an den 14. Dezember 1962.

Bernd Dreesmann erzählte: "Der Bundespräsident und die anderen Honoratioren, die kamen zusammen, um einen Vorschlag der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der FAO, der Vereinten Nationen zu folgen, in den Mitgliedsländern dieser Organisation nationale Komitees der Weltkampagne gegen den Hunger zu gründen, weil man damals auch bei den Vereinten Nationen zu der Überzeugung gekommen war, dass neben der staatlichen Hilfe der private Sektor mobilisiert werden sollte."

Heute gehört die Welthungerhilfe zu den ganz großen und wichtigen nichtstaatlichen Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit. Gemeinnützig, konfessionell und politisch unabhängig arbeitet die Gesellschaft unter einem ehrenamtlichen Vorstand und unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten.

Idealismus und Naivität

Die Gründung der Welthungerhilfe passte Anfang der 1960er-Jahre in die politische Landschaft, so Bernd Dreesmann: "Nach 1945 hatte es in Deutschland das Wirtschaftswunder gegeben. Man hatte dann weiterhin Ende der 1950er-Jahre hier in Deutschland eine große Rentenreform durchgeführt, und man hatte damit auch denjenigen, die zu alt waren, um voll am Wirtschaftswunder zu partizipieren, eine sichere wirtschaftliche und soziale Basis gegeben. Und das waren die Voraussetzungen dafür, dass die Deutschen, nachdem sie hier ihr Haus sozusagen bestellt hatten, nach draußen guckten und dann begannen, sich um die sogenannte Dritte Welt zu kümmern."

Die Anfänge der deutschen Entwicklungszusammenarbeit waren von Idealismus und Naivität geprägt, von viel gutem Willen und wenig Ahnung. Dazu Bernd Dreesmann: "Wenn man die Bücher dieser Jahre liest, wenn man die Reden noch einmal rekapituliert, dann stand im Vordergrund immer der Vergleich mit dem Marshall-Plan. Es soll in der Dritten Welt so gehen, wie es bei uns gegangen war. Eine Finanzspritze sollte gegeben werden, vielleicht auch etwas technische Beratung, und dann würde sich ein Wirtschaftswunder am Kongo oder in Brasilien oder in Indien genauso einstellen wie bei uns."

Hilfe zur Selbsthilfe

Die Idee der "Hilfe zur Selbsthilfe" war noch nicht geboren. Mühsam lernten die Beteiligten, den Hungernden nicht Reis und Brot für einige Tage zu geben, sondern sie zu befähigen, sich selbst und ihre Familien dauerhaft zu ernähren.

Denn vor allen Dingen dem "lebenslangen Hunger" sollte die am 14. Dezember 1962 aus der Taufe gehobene Organisation den Kampf ansagen, forderte der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker: "Wir hören ja manchmal von akuten Hungersnöten, wenn sie durch Bürgerkriege, Dürreperioden oder Überschwemmungen ausgelöst sind. Aber die chronische Unterernährung, die nehmen wir kaum wahr. Dabei ist sie noch schlimmer."

Seit 1962 betreute die Welthungerhilfe über 5.500 Projekte in 70 Ländern. Im Jahr 2007 stand der Organisation ein Budget über 135,5 Mio. Euro zur Verfügung, wovon ca. 31,7 Mio. Euro aus Spenden und aus öffentlichen Geldern, u. a. aus der EU, dem Welternährungsprogramm (WFP) und des Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert wurden. Doch Geld allein genügt nicht - Bernd Dreesmann meinte: "Es hat keinen Zweck, darüber hinwegzusehen, wenn in einem Lande Korruption herrscht. Wenn die Verwaltung zu Missmanagement führt, zur Vergeudung von Hilfsquellen, dann muss man darauf hinweisen. Man muss immer wieder drauf hinweisen, dass viel zu viel Geld für Rüstung, für Krieg, für Sicherheitsmaßnahmen ausgegeben wird."

Gleichzeitig musste in den Industrieländern die Einsicht wachsen, dass Entwicklungszusammenarbeit keine noble Geste ist, sondern auch so etwas wie ständige Wiedergutmachung an die Menschen auf der Südhalbkugel. Denn, so Bernd Dreesmann: "Wir haben zu lange Großprojekte gefördert, die unserer Industrie vor allem zugute kam. Wir haben eine europäische Agrarpolitik entwickelt, die von großem Schaden für viele Menschen in der Dritten Welt ist."


Autorin: Gerda Gericke
   
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