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15.12.1809: Scheidung von Napoleon und Joséphine
Napoléons offizielle Erklärung anlässlich der Eheauflösung am 15. Dezember 1809: "Gott weiß, dass mir diese Entscheidung schwer gefallen ist. Ich habe nur den Mut dazu gefunden, weil ich überzeugt bin, dass sie den besten Interessen Frankreichs dient. Ich kann nur meinen Dank ausdrücken für die Hingabe und Zärtlichkeit meiner innigst geliebten Frau. Sie hat dreizehn Jahre meines Lebens verschönt; die Erinnerung daran werde ich für immer in meinem Herzen bewahren."

Ein Staatsakt im Thronsaal der Tuilerien, anwesend alle Würdenträger des französischen Hofes. Napoléon Bonaparte, Kaiser der Franzosen, verkündet am Abend des 15. Dezember 1809 eine persönliche Entscheidung, die ein politischer Schachzug ist: Die Auflösung seiner Ehe.

Napoléon in den Aufzeichnungen des Grafen Montholon, St. Helena: "Die einzige Möglichkeit, den künftigen Frieden Frankreichs zu sichern ist, den Thron seinen eigenen Kindern zu hinterlassen."

Zweckentscheidung mit Leidenschaft

Napoléon, einst General der französischen Revolutionsarmee und später Konsul der Republik Frankreich, krönt sich im Jahr 1804 zum Kaiser der Franzosen. Um die Herrschaft für Generationen zu sichern, braucht er einen Thronerben. Seit acht Jahren ist er verheiratet mit Joséphine de Beauharnais aus Martinique. Aber die Ehe bleibt kinderlos. Napoléon entschließt sich zur Scheidung, obwohl er die schöne Kreolin leidenschaftlich liebt.

Brief Napoléons an Josephine vom 3. April 1796: "Du bist der einzige Gedanke meines Lebens. (...) Mit welchem Bann hast du alle meine Sinne eingefangen, hast Du in Dir mein ganzes, bewusstes Wesen konzentriert? Es ist wie eine Art Tod, meine Süße, denn es gibt für mich kein Überleben, außer in Dir."

Trotz Napoléons Leidenschaft ist seine Heirat im Jahr 1796 für beide Partner eine Zweckentscheidung. Joséphine, Vicomtesse de Beauharnais, geborene Tascher de Pragérie, Witwe eines Opfers der Guillotine und zweifache Mutter, ist dreiunddreißig Jahre alt und in einer finanziell desolaten Lage. Der 27-jährige General Bonaparte hat Karrierechancen und Aussicht auf Einkünfte. Für Napoléon, den Sohn eines korsischen Landjunkers, verspricht die Ehe mit der Hochadeligen gesellschaftlichen Aufstieg. Und die ersten Begegnungen mit den Geheimnissen der Liebe.

Brief Napoléons an Josephine vom März 1797: "Guter Gott, wie sehr ich mich sehne, heute Nacht bei Dir zu sein! (...) Du weißt, dass ich niemals die Ausflüge in den kleinen dunklen Wald vergesse. Ich gebe ihm tausend Küsse und warte ungeduldig auf den Moment meiner Rückkehr, um Dein, unendlich Dein zu sein."

Joséphine: verführerisch und teuer

Joséphines Ausstrahlung ist legendär. Zwar ist sie mit fauligen Zähnen und in späteren Jahren mit Haarausfall und Augenfältchen geschlagen, trotzdem versteht sie es bis zu letzt, durch ihren Liebreiz Männer in Bann zu schlagen.

Napoléon, in den Aufzeichnungen des Grafen Montholon, St. Helena: "Sie war das verführerischste, das bezauberndste Wesen, das ich je gekannt habe; eine Frau im wahrsten Sinn des Wortes, flatterhaft, munter und mit dem gütigsten Herzen der Welt."

Außer Charme und Liebenswürdigkeit besitzt Josephine einen außergewöhnlich guten Geschmack. Der prächtige Empire-Stil, bis heute Symbol der Napoléonischen Ära, ist ihre Kreation. Aber Eleganz hat ihren Preis. Bis zu ihrem Tod im Jahr 1814 muss ihr Ex-Mann Napoléon für einen Großteil ihrer immensen Schulden bei Schneidern, Juwelieren und Möbeltischlern aufkommen.

Brief Napoléons an Josephine vom 25. August 1811: "Bring Ordnung in Deine Angelegenheiten, gib nicht mehr als anderthalb Millionen Francs aus und lege jährlich ebensoviel zurück! (...) Bedenke doch, welch schlechte Meinung ich von Dir bekäme, wenn ich wüsste, dass Du bei drei Millionen Einkommen noch Schulden machtest!"

"Wunderbare Joséphine!"

Auch nach der Scheidung hält Napoléon ständigen Kontakt zu Joséphine. Sie rät ihm aus dynastischen Gründen zu seiner zweiten Ehe mit der österreichischen Kaisertochter Marie-Louise. Kaum dass Napoléons politischer Stern zu sinken beginnt, verlässt ihn seine neue Frau. Den gemeinsamen Sohn nimmt sie mit. Die Dynastie wird er ohnehin nicht fortsetzen. Der einzige legitime Nachkomme Napoléons wird schon mit 21 Jahren an Schwindsucht sterben. Besiegt und auf die entlegene Insel St. Helena verbannt, bleiben dem Kaiser nur die Träume von seiner großen Liebe Joséphine.

Napoléon, in den Aufzeichnungen des Grafen Montholon, St. Helena: "Ich habe gerade erst meine gute Joséphine gesehen, aber sie wollte mich nicht küssen! Sie entglitt mir in dem Moment, als ich sie in den Arm nehmen wollte. (...) Sie sagte, wir würden einander wiedersehen und einander nie mehr verlassen!"

Am 5. Mai 1821 schließt Napoléon in der Verbannung auf St. Helena für immer die Augen. Sein Adjutant Charles de Montholon hört die letzten, geflüsterten Worte des Kaisers: "Wunderbare Joséphine!"

Autorin: Catrin Möderler
   
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