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16.12.1773: "Boston Tea Party"
Amerika im 18. Jahrhundert. Viele Gebiete im Nord-Osten des Kontinents sind von England besetzt. Die Einwanderer der Kolonien haben nur wenig Rechte. Ihre Arbeit soll nur einen Zweck erfüllen: den Reichtum Englands mehren. Auf Stoffe, Tee, Zucker, Wein, Papier und Druckerschwärze werden von den Kolonialherren Steuern erhoben.

Der Amerika-Experte Hartmut Keil erzählte, was sich immer mehr Einwanderer damals fragten: "Kann man sich von der englischen Krone so etwas aufzwingen lassen, während man gleichzeitig im englischen Parlament nicht vertreten war?"

No taxation without representation

Viele Einwanderer fordern: "No taxation without representation - Keine Steuern ohne Mitspracherechte". Der Widerstand gegen die Kolonialherren wächst, und John Dickinson schreibt 1768 das erste patriotische Lied Amerikas, den Liberty-Song und eine breite Boykottbewegung entsteht: Frauen beginnen zum Beispiel wieder selbst zu weben und englisches Tuch nicht mehr zu kaufen.

Die Einwanderer meiden auch englischen Tee oder englischen Zucker. Schmuggler machen sehr gute Geschäfte, denn sie verlangen keine Steuern. Die britische Regierung muss handeln, und so nimmt sie 1770 fast alle Sondersteuern für die amerikanischen Kolonien zurück. Nur die Steuer für englischen Tee bleibt.

Dazu Hartmut Keil: "Tee war der wichtigste Konsumartikel der damaligen Zeit. Auch die Elite trank Tee, aber nicht nur die Elite, in allen Schichten hatte sich das durchgesetzt." Deshalb blieb mit der Tee-Steuer auch der Ärger der Einwanderer erhalten - und er wurde noch größer als die britische Regierung im Mai 1773 der East India Company erlaubte, ihren Tee in den Kolonien zu Sonderkonditionen zu verkaufen. Zollfrei, denn die Company war in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten und die englische Regierung wollte ihr helfen.

Boston Tea Party

"Da befürchteten andere Kaufleute in den Kolonien ein Monopol dieser East India Company und haben sich aus wirtschaftlichen Gründen sehr stark gemacht gegen die Einfuhr dieses Tees," sagte Hartmut Keil. Als in New York, Philadelphia, Charleston und Boston Schiffe der Company mit englischen Tee einlaufen, haben die lokalen Händler bereits den Widerstand mobilisiert. In zwei Städten müssen die Schiffe umkehren. Nur in Boston besteht der Gouverneur darauf, die Ladung Tee anzunehmen. Am Abend des 16. Dezember 1773 versammeln sich 5.000 Bostoner, um dagegen zu protestieren.

Hartmut Keil dazu: "Eine Gruppe zwischen 50 und 100 jungen Männern, die ganz grob als Indianer verkleidet waren, sind zum Hafen gegangen und haben die drei Schiffe geentert und haben den Tee in den Hafen geworfen, etwa 45 Tonnen."

Der Zeitzeuge George Hewes schreibt: "Am Morgen, nachdem wir den Tee von den Schiffen geworfen hatten, entdeckten wir, dass zahlreiche Mengen noch auf der Wasseroberfläche schwammen. Um zu verhindern, dass irgendwer diesen Tee für sich rettet, wurden einige kleine Boote bemannt. Sie fuhren zu allen Stellen des Hafens, wo noch Teeblätter sichtbar waren. Dort schlugen die Männer mit Rudern und Paddeln derart darauf ein, dass der Tee völlig durchnässte und damit garantiert unbrauchbar wurde."

Für ein unabhängiges Amerika

Das Ereignis wird unter dem Namen "Boston Tea Party" in ganz Amerika bekannt. Die Männer, die den Tee ins Meer warfen, finden in vielen Städten Nachahmer und werden zu den ersten Helden der Unabhängigkeitsbewegung.

"Die meisten waren Handwerker, wir würden sagen Bauarbeiter, Maurer, Zimmerer, Gerber und so weiter. Aber es waren auch ein paar Intellektuelle dabei. Also ein Lehrer war dabei, ein Arzt. Das zeigt so das ganze Spektrum des Protestes." So der Amerika-Experte Hartmut Keil.

Die britische Regierung bestraft die Stadt Boston hart. Der Hafen wird geschlossen, das Militär erhält das Recht, Wohnhäuser zu besetzen. Doch die Unabhängigkeitsbewegung lässt sich nicht mehr unterdrücken. Drei Jahre nach der Boston Tea Party gründen 13 Kolonien die Vereinigten Staaten von Amerika.


Autor: Ralf Geißler
   
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