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26.12.1893: Mao Tse Tung geboren
"Der Osten ist rot. Die Sonne steigt auf. China hat hervorgebracht einen Mao Tse Tung. Er plant Glück und Segen für das Volk. Er ist des Volkes großer Rettungsstern."

Weigelin-Schwiedrzik: "So wurde vor kurzem berichtet, dass in einer kleinen Stadt in China sich eine große Gruppe von Menschen in den Selbstmord begeben hat. Und die Begründung, die diese Gruppe vorab gegeben hat für diese Tat, besteht darin, dass sie eben glauben, dass Mao Tse Tung im Jenseits ein wirklich perfektes sozialistisches Land aufgebaut habe und dass das Leben in diesem perfekten, allerdings im Jenseits befindlichen sozialistischen Land doch wesentlich schöner sei als das Leben in einem Land, das wie China jetzt nun gerade versucht, die Marktwirtschaft einzuführen."

Die Partei ist gar nicht glücklich über solche bizarren Auswüchse, die der Mao-Kult bis heute hervorbringt. Auch Tempel, in denen Mao als zentrale Gottheit verehrt wurde, hat sie dicht gemacht.

Der Mythos um Mao lebt weiter. Ein Mythos, den er selbst gepflegt hat. Auch westliche Politiker waren ihm erlegen - als sich China in den Siebzigerjahren, kurz vor Maos Tod, langsam der Außenwelt öffnete. Die Sinologin Susanne Weigelin-Schwiedrzik erinnert:

Weigelin-Schwiedrzik: "Damals ist ja auch Helmut Schmidt zum Beispiel nach China gereist und hat hinterher ja auch in seinen Büchern darüber berichtet, wie außerordentlich beeindruckt er von Mao Tse Tung war. Und der Grundtenor dessen, was er berichtet hat über Mao Tse Tung, ist, dass das also ein hoch gebildeter Intellektueller war, der also von einer übergeordneten Warte, die in keiner Weise parteipolitisch oder persönlich geprägt ist, versucht hat, die Welt und China zu verstehen und zu lenken."

Ein paranoider, sexbesessener Diktator, das ist dagegen das Mao-Bild, das sein Leibarzt Li Zhisui in einem Buch über den Großen Vorsitzenden zeichnet. Ob jedes Detail daran stimmt, lässt sich nicht sagen. Der Wahrheit kommt es wohl näher.

Am 26. Dezember 1893 ist Mao Tse Tung geboren, in eine Familie nicht ganz armer Bauern in der südchinesischen Provinz Hunan. Den starken Akzent seiner Heimat hat er nie verloren, sogar bei der Proklamation der Volksrepublik China 1949 hört man ihn heraus.

Von der Lehrerbildungsanstalt in Hunan zog es Mao Tse Tung 1919 an die Peking-Universität, wo er als Hilfs-Bibliothekar arbeitete. 1921 gehörte Mao zu den ersten Mitgliedern der Kommunistischen Partei Chinas. Wie kam er zum Marxismus? Susanne Weigelin-Schwiedrzik erklärt es so:

Weigelin-Schwiedrzik: "Der Marxismus hatte damals die außerordentliche Voraussetzung, dass er ja eine im Westen entstandene Theorie war - die gleichzeitig den Westen und seine damals so genannten imperialistischen Tendenzen kritisierte."

Die Erfahrung, dass China wehrlos den Schikanen der Weltmächte ausgeliefert war, die nach Belieben Häfen, Eisenbahnen und ganze Städte auf chinesischem Boden errichteten (wie Hongkong und Shanghai) - das prägte die jungen Intellektuellen in den Zwanzigerjahren. Und zugleich bewunderten sie diesen Westen auch.

Weigelin-Schwiedrzik: "Man hoffte, insbesondere durch eine Revolution unter Führung der kommunistischen Partei, die westlichen Länder nicht nur einzuholen, sondern auch zu überholen!"

Nämlich auf dem Weg zum Sozialismus. Und so blieb es nicht bei der Theorie. Bis 1927 wollten die Kommunisten mit der Nationalen Partei, der Guomindang, gemeinsam China stark machen.

Weigelin-Schwiedrzik: "Bevor dieses Projekt wirklich umgesetzt wurde, hat ja die Guomindang-Partei diese so genannte Einheitsfront aufgekündigt und die kommunistische Partei massakriert - weshalb die wenigen, die dann übrig geblieben sind, gezwungen waren, sich auf das Land zurückzuziehen und sich in den Dörfern, nicht in Städten, wie das sonst normalerweise Kommunisten tun, zu etablieren. Ich glaube, dass das eine entscheidende Prägung für Mao Tse Tung gewesen ist und quasi der Ausgangspunkt dafür, dass er die ihm nun zugeschriebene Strategie der chinesischen Revolution, also die Einkreisung der Städte durch das Land, entwickelt hat."

Eine Strategie, die ihn 1949 an die Macht brachte. Ein weiteres prägendes Erlebnis war die Entstalinisierung in der Sowjetunion. Mao entwickelte eine panische Angst vor der Gegen-Revolution. Sein Rezept dagegen - permanenter Umsturz: Die Kultur-Revolution. Letzten Endes war's wohl vergeblich, resümiert Susanne Weigelin-Schwiedrzik:

Weigelin-Schwiedrzik: "Wenn man also sagt: Seine Haupt-Befürchtung war die, dass sich der Sozialismus in China nicht würde halten können und dass das Land sich sozusagen schrittweise zu einem kapitalistischen Land wandelt, dann ist das ja vielleicht genau das, was wir heute in China beobachten."

Autor: Thomas Bärthlein
   
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