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3.1.1892: J.R.R. Tolkien geboren
Das Glück wurde ihm nicht in die Wiege gelegt. Der Schriftsteller John Ronald Reuel Tolkien, in Südafrika geboren, verlor seinen Vater im Alter von nur vier Jahren. Seine Mutter kehrte mit ihren zwei Söhnen nach England zurück, doch auch sie starb früh und hinterließ ein mittelloses Geschwisterpaar.

Seine Begabung und Stipendien ermöglichten Tolkien ein Studium der Englischen Sprache und Literatur in Oxford. Bereits während seiner Studienzeit erfand Tolkien eigene Sprachen, und um ihnen einen Rahmen zu geben, begann er kurze Zeit nach Abschluss des Studiums mit der Arbeit an seinen "Lost Tales", aus denen später "Das Silmarillion" entstand.

Abenteuer im Ersten Zeitalter

Tolkien erzählt von den Ereignissen des sogenannten Ersten Zeitalters, jener fernen Epoche von Mittelerde, auf die die Helden in "Herr der Ringe" immer wieder in Ehrfurcht zurückblicken. Seinen Weltruhm verdankt Tolkien den Abenteuern putziger kleiner Wesen mit großen, haarigen Füße, den Hobbits. Seine Beziehung zu ihnen beschrieb er so: "Ich bin selber ein Hobbit, in allem bis auf die Größe. Ich liebe Gärten, Bäume und Ackerland ohne Maschinen. Ich rauche gerne Pfeife, esse gerne gutbürgerlich; ich gehe spät zu Bett und stehe spät auf. Ich reise nicht viel."

Die Legende besagt, dass Tolkien im Jahr 1930 einen Satz auf die Rückseite einer Klausur schrieb: "In a hole in the ground there lived a Hobbit." Aus diesem Geistesblitz heraus entstand das Kinderbuch "Der kleine Hobbit".

Flinke Wesen gegen böse Mächte

Hobbits sind jene fußbehaarten, friedliebenden kleinen Wesen aus Auenland auf dem Kontinent Mittelerde. Sie besitzen keine Zauberkräfte und sind sehr flink. Sie verstehen sich auf geräuschloses Verschwinden, daher bekommt man sie kaum zu Gesicht. Und sie mögen die großen Leute, damit meinen sie die Menschen, nicht besonders.

Diese Geschichte um die großen Abenteuer des kleinen Hobbits Bilbo Beutlin und einen goldenen Ring mit Zauberkräften schrieb Tolkien, Vater von vier Kindern, ursprünglich für seine Familie. Doch die Veröffentlichung 1937 wurde ein grandioser Erfolg. Das Publikum wollte mehr hören von Auenland und seinen Bewohnern, und es bekam mehr.

Tolkien schuf ein neues Genre: die Fantasy-Literatur, und aus seinen Geschichten um die Bewohner von Mittelerde entstand im Lauf der Jahre ein ganzes Universum. Denn die Abenteuer des Hobbits Bilbo im Kampf gegen die dunkle Macht von Mordor bildeten nur den Auftakt zu einem noch größeren Abenteuer in der nachfolgenden Trilogie "Der Herr der Ringe".

Tolkien, ein Kenner keltischer und altnordischer Sagen, schuf einen tausendseitigen Mythos. Mit enigmatisch-rasanten Abenteuern fesselt er bis heute ein Millionenpublikum: "Drei Ringe den Elbenkönigen hoch im Licht, sieben den Zwergenkönigen in ihren Hallen aus Stein. Den Sterblichen, ewig dem Tod verfallen, neun, einer dem dunklen Herrn auf dunklem Thron. Im Lande Mordor, wo die Schatten drohn."

Diese verschlüsselte Ringinschrift ist geschrieben in einer von Tolkien erfundenen Sprache: Elbisch. Im Buchanhang gibt es eigens dafür Buchstabentafeln. Dort werden auch bereits vergangene Mythen kommentiert und mit auftretenden Figuren verknüpft. Komplizierte Herrscher-Stammbäume werden entworfen, es gibt einen Kalender um die Zeitrechnung von Mittelerde zu studieren, und mehrere geografische Karten tragen zur Orientierung in Mittelerde bei.

Königliche Ehrung für literarischen Mythos

Ein intellektueller Kraftakt, den sich wohl Millionen Leserinnen und Leser nicht angetan hätten, läge den Abenteuern um den Hobbit Frodo, der den Unheil stiftenden Zauberring vernichten soll, nicht eine packende, märchenhafte Geschichte zugrunde, die klar zwischen den Polen von Gut und Böse angelegt ist.

Da gibt es die gemütlichen kleinen wuscheligen Hobbits, tanzende Elfen, Zwerge, sprechende Bäume - und Gandalf, den freundlichen Zauberer. Die Bösen sind die fürchterlichen Orks, Trolle, und Sauron, der Herrscher des Bösen im Lande der Finsternis. Frodo Beutlin, der nette Hobbit, erringt zum Schluss den gewaltigen Sieg. Der Zauberring wird vernichtet, und damit verliert Sauron seine schreckliche Macht, die von dem Einen Ring abhing.

"Ein Ring sie zu knechten sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden. Im Lande Mordor, wo die Schatten drohn."

Seine Geschichten um Mittelerde hatten sich in über 50 Jahren zu einer Tradition verbunden, der Tolkien am Ende seines Lebens mehr als Historiker und Philologe gegenüberstand, denn als ihr "Schöpfer". Für sein Lebenswerk wurde er 1972, nur ein Jahr vor seinem Tod, von Königin Elizabeth II. persönlich geehrt. Und sein wahrhaft unsterbliches Universum aus Mythen, Legenden und Zauberwesen, in dem nach unendlichen Schlachten das Gute dann doch noch über das Böse siegt, wird noch viele Generationen in ihren Bann ziehen.


Autorin: Barbara Fischer
   
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