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4.1.1941: Henri Bergson gestorben
Henri Bergson, der 1859 in Paris geborene Philosoph, war in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen einer der einflussreichsten Intellektuellen in Frankreich. Bergson, Professor für Philosophie am Collège de France, war zunächst stark beeinflusst von Spencer, Mill und Charles Darwin.

In seinen Büchern und vor allem in seinen sehr beliebten und gut besuchten Vorlesungen negierte er jedoch später die Bedeutung des logischen Denkens. Dagegen hielt er die so genannte "voluntative Intuition" für die höchste Form der intellektuellen Erkenntnis.

Früher Erfolg

Henri Bergsons Eltern waren ein erfolgreicher polnischer Musiker und eine Mutter englisch-irischer Abstammung. Bergson selbst hat sein ganzes Leben in Frankreich verbracht. In Paris geboren, ging er dort auch zur Schule und studierte schließlich an der Pariser Universität. Zunächst ging er in den Schuldienst, und neben seiner Lehrtätigkeit begann er, eigene Schriften zu veröffentlichen, die ihm bald große Aufmerksamkeit sicherten.

Als 32-Jähriger heiratete Bergson eine Cousine des Schriftstellers Marcel Proust. Er war es, der Proust auf den Gedanken brachte, einen Roman über das Erinnern zu schreiben. Dieser Inspiration verdanken wir Prousts "À la recherche du temps perdu".

Arbeit über das Lachen

Im Jahr 1900 veröffentlichte Bergson sein Buch "Le Rire" - "Über das Lachen". Es ist nicht das bedeutendste oder beste Werk Bergsons, aber mit Sicherheit das bekannteste. Arthur Koestler beispielsweise sagte, dieses Buch sei für ihn genau so wichtig gewesen wie Freuds Standardwerk "Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten". Bergson, der das Lachen vor allem als gesellschaftliches Korrektiv verstand, definierte Witz so: "Eine Situation ist immer dann komisch, wenn sie gleichzeitig Teil von zwei Ereignissen ist, die völlig unabhängig voneinander sind, und wenn sie auf zwei völlig verschiedene Arten interpretiert werden kann."

Hauptsächlich strich Bergson die gesellschaftliche Bedeutung des Witzes heraus. In seinem Buch "Le Rire" heißt es dazu: "Es scheint, dass unser Lachen ein Echo braucht. Unser Lachen ist immer das Lachen einer Gruppe." Unsere Motive, witzig zu sein und andere zum Lachen zu bringen, seien dabei durchaus nicht immer ehrenhaft: "Im Lachen finden wir immer die uneingestandene Absicht wieder, unseren Nachbarn zu erniedrigen und dann auch konsequent zu korrigieren."

Interesse über die Philosophie hinaus

Doch nicht nur für geisteswissenschaftliche Fragen interessierte sich Bergson. Der universell gebildete Philosoph beschäftigte sich unter anderem auch mit Physik und stritt in einem viel beachteten Diskurs mit Albert Einstein über dessen Relativitätstheorie. Bergsons großer Erfolg beruhte auf seinen Vorlesungen und seinen Büchern wie "Zeit und freier Wille" und "Kreative Evolution". In der Folge erhielt Bergson im Jahr 1900 einen Lehrstuhl für Philosophie und wurde 1914 in die "Académie Française" berufen.

1921 zog sich Bergson mehr und mehr aus dem öffentlichen Leben zurück. Er gab seinen Lehrstuhl für Philosophie am Collège de France auf und widmete sich fortan als Privatier politischen und moralischen Fragen. Sein einziges in dieser Periode veröffentlichtes Werk ist das Buch "Die zwei Quellen der Moral und der Religion".

Jüdische Wurzeln

Sein Interesse an der Religion hatte dabei auch ganz persönliche Gründe. Der Jude Bergson, der sich schon seit vielen Jahren zum christlichen Glauben hingezogen fühlte, vollzog nun den entscheidenden Schritt und konvertierte zum Katholizismus. Gegen Ende seines Lebens bekannte sich Bergson jedoch noch einmal öffentlich zu seinen jüdischen Wurzeln. Über 80 Jahre alt und von Krankheit gezeichnet, protestierte er gegen das französische Vichy-Regime, das mit dem faschistischen Deutschland paktierte.

Henri Bergson, der in seinen letzten Lebensjahren sehr stark unter Arthritis gelitten hatte, verstarb am 4. Januar 1941 in Paris an den Folgen einer Bronchitis.



Autor: Dirk Kaufmann
   
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