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7.1.1968: "Surveyor 7" gestartet
Ende der 1950er-Jahre wurde der Kalte Krieg auch auf das Weltall ausgedehnt: Der erfolgreiche Start des "Sputnik"-Satelliten, ausgerechnet durch die als rückständig angesehenen Russen, bedeutete einen schweren Schlag für das US-amerikanische Selbstbewusstsein, das noch einmal erschüttert wurde, als die Sowjets auch den ersten Menschen ins All schickten. Erst ein Jahr später gelang es der US-amerikanischen Raumfahrt nachzuziehen.

Ehrgeizige Pläne

Der Schock jedoch, zweimal von den Sowjets geschlagen worden zu sein, veranlasst Präsident Kennedy zu einer überaus ehrgeizigen Ankündigung: Noch vor Ende des Jahrzehnts, so verspricht er 1961, werde es den USA gelingen, Menschen zum Mond zu schicken und sicher wieder zurück zu bringen.

Dieses gewaltige Projekt, das tatsächlich in den bemannten Mondflügen des Apollo-Programms gipfelte, wurde sorgfältig und in hohem Maße arbeitsteilig vorbereitet. In Houston/Texas entstand ein gewaltiges NASA-Zentrum für die Planung, Überwachung und Auswertung der bemannten Raumflüge; in Cape Canaveral an der Ostküste Floridas wurde die Infrastruktur für einen "Weltraumbahnhof" aufgebaut, und in Huntsville/Alabama leitete Wernher von Braun die Entwicklung der Raketen für den bemannten Flug.

Einen wichtigen, aber meist nicht genug gewürdigten Beitrag leistete das Jet Propulsion Laboratory der NASA im kalifornischen Pasadena: Hier wurden die unbemannten Mondsonden konzipiert, gebaut und betreut, die prüfen sollten, ob sich die Mondoberfläche überhaupt für bemannte Missionen eignet.

Bilder vor dem Aufprall

Die ersten Bilder vom Mond übermittelten die "Ranger"-Sonden. Damals konnte man Sonden noch nicht in eine Umlaufbahn schicken, sie zerschellten also an der Mondoberfläche. Bei Annäherung an den Mond, etwa ab einer Entfernung von 2.000 Kilometern, begannen die Sonden zu fotografieren. Die rund 20 Minuten bis zum Aufprall reichten aber, um rund 5.000 Bilder zu funken.

Parallel wurde in Pasadena ein neuer Typ von Sonden entwickelt, der weich auf dem Mond landen sollte. Diese Sonden trugen den Namen "Surveyor", zu deutsch "Landvermesser". Sie sollten nach ihrer Landung Bilder aus der Umgebung zur Erde übertragen, den Boden in unmittelbarer Nähe chemisch analysieren und mit einem Schürfgerät die mechanischen Eigenschaften des Mondbodens untersuchen.

80.000 Bilder vom Mond

Die Sonden waren rund 3,70 Meter hoch und maßen vier Meter im Durchmesser. Das Startgewicht lag bei etwa einer Tonne, davon entfielen etwa drei Viertel auf den Treibstoff für die Bremsraketen. Erstmals erprobt wurde bei den Sonden ein Radar-Höhenmesser zur Steuerung des Landemanövers, der sich gut bewährte und in ganz ähnlicher Form auch in der Mondfähre des "Apollo"-Programms eingesetzt wurde.

Die erste der insgesamt sieben "Surveyor"-Sonden startete Ende Mai 1966 von Cape Canaveral aus mit einer Atlas-Rakete und landete glücklich auf dem Mond, die letzte Sonde, "Surveyor 7", startete am 7. Januar 1968. Zwei der Sonden – "Surveyor 2" und "Surveyor 4" - wurden beim Flug zerstört.

Insgesamt funkten die Sonden rund 80.000 Bilder zur Erde, die einen sehr guten Eindruck von der Struktur der Oberfläche und vom Aussehen der Mondlandschaft an den jeweiligen Standorten vermittelten. Die Auswertung der Daten ergab, dass sich die Mondoberfläche durchaus für bemannte Landungen eignen würde. Insofern waren die "Surveyor"-Sonden ein wichtiger Vorbereitungsschritt hin zum bemannten "Apollo"-Programm.

Wettlauf im All

Und doch haftet den "Surveyor"-Sonden ein Makel an: Die allererste weiche Landung auf dem Mond war nämlich nur wenige Wochen vor dem Start von "Surveyor 1" den vergleichbaren sowjetischen "Luna"-Sonden geglückt. Dies war das letzte Mal, dass die US-Amerikaner beim "Wettlauf zum Mond" ins Hintertreffen gerieten - hauptsächlich aber deshalb, weil die Sojwets die Herausforderung nicht angenommen haben:

Es gibt keinen bemannten sowjetischen Mondflug; stattdessen wurden die Kapazitäten für Langzeitflüge und den Aufbau kleiner Weltraumstationen verwandt. Die politisch motivierten Wettläufe im All endeten Mitte der 1970er-Jahre mit den ersten gemeinsamen Raumfahrtmanövern, und heute betreiben die ehemaligen Opponenten gemeinsam mit Europäern, Japanern und Kanadiern die Internationale Raumstation ISS.


Autor: Carsten Heinisch
   
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