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14.1.1814: Vertrag von Kiel
Das Königreich Norwegen begeht seinen Nationalfeiertag am 17. Mai. An diesem Tag war im Jahr 1814 auf der Versammlung von Eidsvoll die norwegische Verfassung verabschiedet worden. Der eigentliche Geburtstag des Staates Norwegen fällt aber auf den 14. Januar desselben Jahres 1814, als der "Vertrag von Kiel" unterzeichnet und die dänische Verwaltung Norwegens beendet wurde.

Mehr als 400 Jahre hatte Norwegen unter dänischer Verwaltung gestanden. Zweitweise waren sogar alle drei skandinavischen Monarchien vereint, als die dänische Königin Margarete, die schon Königin Norwegens war, zusätzlich die schwedische Krone erhielt.

Dänemark zunächst neutral

In der Kalmarer Union des Jahres 1397 wurde diese Konstellation manifestiert, aus der Schweden erst 1521 wieder ausschied und selbstständig wurde. Norwegen jedoch musste fast 300 Jahre warten, bis auch dort die dänische Herrschaft beendet wurde.

Die Unabhängigkeit Norwegens nahm Gestalt an, als die Napoleonischen Kriege in Europa zu Ende gingen. Zunächst hatten die Dänen versucht, sich aus allem herauszuhalten und neutral zu bleiben. Doch dem Druck, den sowohl Frankreich als auch England ausübten, konnten sie nicht widerstehen. Auch der Bündnisvertrag mit Schweden, Preußen und Russland, den sie im Dezember 1800 schlossen, konnte die Lage im Ostseeraum nicht nachhaltig beruhigen.

Kaum Gegner für Napoleon

Englands Flotte war zu Beginn des Jahrhunderts der einzige Gegner, dem Napoleon nicht beizukommen vermochte. Doch für seine Schiffe brauchte Britannien Holz, das vornehmlich aus Finnland und Russland kam. Diese Rohstofftransporte mussten jedes Mal das Nadelöhr zwischen Dänemark und Schweden passieren, und wenigstens eines dieser Länder wollte London auf seine Seite zwingen. Dabei ließen es die Engländer jedoch an diplomatischem Geschick fehlen. Sie setzten ausschließlich auf militärischen Druck.

Anfang April 1801 griff der spätere Sieger von Trafalgar, Admiral Horatio Nelson, Kopenhagen an, um die Dänen auf die Seite Englands zu zwingen. Kurz darauf erschien wiederum ein britisches Expeditionskorps auf der Kopenhagener Reede. Diesmal wurde nicht nur die gesamte dänische Flotte weggenommen, sondern auch die Hauptstadt selbst beschossen und in großen Teilen in Schutt und Asche gelegt.

Dänen kämpfen für Frankreich

Doch nun hatte London den Bogen überspannt. Die Dänen suchten Schutz und Hilfe bei Frankreich. Spanische und französische Einheiten rückten in Dänemark ein, und dänische Truppen kämpften auf der Seite Napoleons. Am 31. Oktober 1807 schlossen beide Staaten ein Militärbündnis ab, das das Schicksal Dänemarks mit dem Napoleons verband.

Als sich fünf Jahre darauf das Kriegsglück gegen Napoleon zu wenden begann, stand auch Dänemark auf der Seite der Verlierer. Im so genannten "Kosakenwinter" des Jahres 1813 drangen erstmals feindliche Truppen auf dänisches Gebiet vor. Eine alliierte Armee, die aus russischen, preußischen und schwedischen Einheiten bestand, schlug die Dänen bei Bornhöved und Sehestadt.

Norwegen unter schwedischer Verwaltung

Als um die Jahreswende 1813/1814 Glückstadt und Rendsburg eingeschlossen und belagert wurden, lenkte Kopenhagen ein. Im Januar 1814 nahmen sie in Kiel Friedensverhandlungen auf. Hier saßen die Dänen einer Allianz aus Preußen, Russen, Schweden und Engländern gegenüber. England erhielt nun das bereits 1807 besetzte Helgoland, und Schweden beanspruchte als Ausgleich für das an Russland verlorene Finnland Norwegen für sich.

Zwar bestanden die Schweden darauf, Norwegen unter ihre Verwaltung zu nehmen, ließen ihrem westlichen Nachbarn aber weitreichende innenpolitische Freiheiten. Das Ende der 400-jährigen dänischen Vorherrschaft jedoch und die Verabschiedung ihrer eigenen Verfassung markiert für die Norweger die Geburt ihres Staates. Dies war das herausragende Ergebnis des "Friedens von Kiel", der am 14. Januar 1814 unterzeichnet worden war.


Autor: Dirk Kaufmann
   
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