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24.1.41: Caligula ermordet
Wem galt der Jubel der Bürger Roms in jenem März des Jahres 37? Dem Tod des verhassten Tiberius oder dessen Großneffen Gaius Julius Cäsar, dem neuen Kaiser? Als er an der Spitze des Senats erscheint, schallt dem neuen Imperator der Willkommensgruß seines Volkes entgegen. Doch wo war Tiberius Gemellus, der leibliche Enkel des soeben verschiedenen Kaisers, den dieser gemeinsam mit Gaius Julius zum Erben ernannt hatte?

"Nun hatte das Testament des Tiberius nur die private Erbfolge geregelt, und es gab keine Nachfolgeregelung im staatsrechtlichen Sinne", weiß der Historiker Wilfried Nippel von der Berliner Humboldt-Universität fast 20 Jahrhunderte später.

Wie aber hatte es Gaius Julius geschafft, Tiberius Gemellus von der Teilnahme an der Macht fernzuhalten? Dazu Prof. Nippel: "Entscheidend war, dass er den Kommandierenden der Prätorianergarde für sich gewonnen hatte. Es sind dann die Prätorianer gewesen, die ihn zunächst zum Herrscher ausgerufen haben, und dann konnte der Senat diese Entscheidung nur noch ratifizieren."

Caligula - "Stiefelchen"

Ein Jahr später wird Tiberius Gemellus ermordet und Marco, jener Kommandierende der Prätorianergarde, in den Selbstmord getrieben sein. Zu diesem Zeitpunkt zeigt der machtgierige Gaius Julius, der sich schließlich gar als Gottheit verehren lässt, längst sein wahres Gesicht. Bei seinem Machtantritt aber wird er noch überall, wo er sich zeigt, vom Volke verehrt.

Es ist die Verehrung, die man seinem Vater Germanicus dem großen Heerführer auch 15 Jahre nach dessen Tod noch entgegenbringt, die sich nun auch auf Gaius Julius überträgt. Viele erinnern sich noch an den Knaben, der in einer für ihn geschneiderten Soldatenuniform im Feldlager der Legionen umherlief und wegen seiner roten Minaturstiefel "Caligula" - Stiefelchen - genannt wurde. Ein Kosename, den der Urenkel des neutestamentlichen Kaisers Augustus später verständlicherweise nicht mehr schätzt.

Wie aber konnte aus dem einstigen Liebling der Legionäre ein Kaiser von unbeschreiblicher Grausamkeit und Menschenverachtung werden? Prof. Nippel meinte dazu: "Man kann sicherlich keine Ferndiagnose machen im Hinblick auf den Geisteszustand des Caligula. (...) Es ist aber sicherlich anzunehmen, dass seine Erkrankung im Herbst 37 eine gewisse Persönlichkeitsveränderung mit sich gebracht hat."

Terror und groteske Exzentrik

Ist das Terrorregime des Caligula womöglich nur einer Geisteskrankheit des Despoten zuzuschreiben? Prof. Nippel: "Es mag auch pragmatische Gründe noch gegeben haben für das veränderte Verhalten des Caligula. Er hatte zu Beginn seiner Amtszeit das Volk, das Heer mit ungeheueren materiellen Wohltaten bedacht. Von den öffentlichen Spielen bis zu Geldgeschenken. Und nachher hatte er kein Geld mehr. Deshalb griff er zu Vermögenskonfiskationen. Er legte auch Steuern auf, die auch für das niedere Volk belastend waren."

Doch zunehmend verfällt Caligula einer geradezu grotesken Exzentrik. Einigen der berühmtesten Götterstandbilder lässt er die Köpfe abnehmen, um seinen eigenen Kopf an ihre Stelle zu setzen. Sich selbst errichtet er einen Tempel und stellt darin sein lebensgroßes Standbild in purem Gold auf.

Seinem Hengst 'Incitatus' errichtet er einen Stall aus Marmor, eine Krippe aus Elfenbein, legt ihm juwelenbesetzte Halsbänder um und soll sogar daran gedacht haben, den Gaul zum Konsul zu ernennen. Prof. Nippel: "Aber entscheidend ist, dass es keine Mechanismen gibt, um einen höchst labilen, vielleicht auch psychopathischen Herrscher irgendwie kontrollieren zu können."

Tyrannenmord

Am 24. Januar 41, dem letzten Tag der Palatinischen Spiele, fallen die Verschwörer über den erst 29-jährigen Kaiser her. Caligulas Mörder sind Prätorianeroffiziere - jene Gruppe also, die ihm vier Jahre zuvor die Würde des Imperators übertragen hatte. Und das Volk hat wieder einmal Grund zum Jubel.


Autor: Gerhard Haase
   
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