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28.1.1918: Trotzki beendet Krieg
Weder Krieg noch Frieden - vor dieser Situation standen Deutschland und Russland nach dem 28. Januar 1918. Dabei sollte an diesem Tag eigentlich Frieden sein, nach vier langen Jahren und Hunderttausenden von Toten.

Die Deutschen hatten den gerade an die Macht gekommenen Sowjets ein Ultimatum gestellt: Sie sollten einen von Deutschland diktierten Friedensvertrag unterschreiben, andernfalls wäre der gut fünf Wochen vorher beschlossene Waffenstillstand hinfällig. Doch der sowjetische Delegierte Leo Trotzki sagte weder Ja noch Nein. Stattdessen erhob er sich im Versammlungssaal und sprach: "Das war's meine Herren. Wir ziehen uns zurück, es gibt keinen Frieden, wir lehnen dieses Ultimatum ab. Wir werden aber auch keinen Krieg führen, denn die Armee ist aufgelöst."

Zähe Verhandlungen

Dieser Tag brachte keinen Frieden, obwohl ihn eigentlich beide Seiten wollten - wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. In Russland hatte die Revolution im November 1917 gesiegt, Sowjetführer Lenin stand für eine neue Gesellschaftsordnung. Ein Kräfte zehrender Krieg war der hungernden Bevölkerung nicht länger zuzumuten.

Deutschland ging es um Ruhe an der Ostfront, die Oberste Heeresleitung hoffte diesen aussichtslosen Ersten Weltkrieg doch noch gewinnen zu können. So ruhten seit Mitte Dezember 1917 die Waffen, der Weg zu Friedensverhandlungen war frei. Gleich zu Beginn des neuen Jahres trafen sich die Delegationen im Adelsclub der total zerstörten ehemaligen Zarenfestung Brest-Litowsk. Während der wochenlangen Verhandlungen hieß Trotzkis Taktik: Hinhalten, die Friedensverhandlungen endlos in die Länge zu ziehen, den Gegner schwächen, ihn sich an seinen verbliebenen Fronten im Westen aufreiben zu lassen.

Eine Zeitlang schien die sowjetische Verhandlungsführung, "wollen wir doch mal sehen, wer wen schwächt", aufzugehen, Russland die besseren Karten zu haben. Die ausgelaugten kriegsmüden deutschen Zivilisten begannen zu streiken, die Kommunisten gewannen immer mehr Anhänger. Deutschland musste handeln.

Am 18. Januar will General Hoffmann, der Vertreter der Obersten Heeresleitung in Brest-Litowsk, eine Entscheidung erzwingen, holt die Karte und verdeutlicht die künftige Grenzziehung: was Russland blieb bzw. was zu Deutschland gehören würde. So nicht, heißt es auf russischer Seite. Trotzki reist ab. Wobei beide Parteien klar betonen: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, an einem endgültigen Scheitern ist keiner Seite gelegen.

Am 28. Januar kehrt Trotzki an den Verhandlungstisch zurück. Ihm bleibt keine andere Wahl, das Blatt hatte sich gewendet. Das zarte Pflänzchen Revolution war außerhalb der russischen Staatsgrenzen längst zertreten, und nachdem die neue Regierung zur Stärkung der eigenen Macht begonnen hat, Grund und Boden an die Bauern zu verteilen, löste sich die Armee auf.

Der Friede von Brest-Litowsk

Gestärkt trauten sich die Deutschen, Leo Trotzki das Ultimatum zu stellen. Entweder den von Deutschland diktierten Friedensvertrag zu unterschreiben, andernfalls wird an der Ostfront wieder geschossen. Aus dieser Schlinge zog sich der sowjetische Verhandlungsführer mit seinem: "Es gibt keinen Frieden. Wir werden aber auch keinen Krieg führen, denn die Armee ist aufgelöst."

Doch es half nichts. Deutschlands Generäle ließen wieder zu den Waffen greifen, stellten - einige Kämpfe und viele Tote später - ein neues Ultimatum mit weitaus schärferen Bedingungen. Am 3. März 1918 war der Krieg an der Ostfront entschieden. Die Sowjets mussten den Diktat Frieden von Brest-Litowsk unterschreiben und auf Finnland, die baltischen Länder, Polen, die Ukraine und Georgien verzichten.


Autorin: Gerda Gericke
   
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