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29.1.1886: Carl Benz erhält Patent für Benzin-Auto
Das Auto hat viele Väter, und seine Vorgeschichte ist recht verwickelt. Als seine offizielle Geburtsurkunde gilt die Patentschrift Nr. 37.435 vom 29. Januar 1886, die von der "Rheinischen Gasmotorenfabrik Benz & Co." eingereicht worden war und ein "Fahrzeug mit Gasmotorenantrieb" behandelt. Damit gilt Carl Benz als der Konstrukteur des ersten Automobils überhaupt.

Gefährte, die selbst fahren

Natürlich ist die Idee eines selbst fahrenden Gefährts viel älter. Sie lässt sich schon in der Antike nachweisen, aber bis zur Erfindung der Dampfmaschine im 18. Jahrhundert war es Muskelkraft, die, mehr oder weniger gut verborgen, für den Antrieb dieser Fahrzeuge sorgte.

1769 dann bewegte sich erstmals eine Dampfmaschine auf Rädern, aber dieser erste Dampfwagen blieb ein mehrere Tonnen schweres, kaum zu beherrschendes Kuriosum. Auch die späteren Lokomotiven und Lokomobile waren wegen ihres Gewichts nur sehr schwer im Straßenverkehr einzusetzen.

Erst 1860 kam eine Alternative zur unhandlichen Dampfmaschine auf, der Gasmotor des Franzosen Etienne Lenoir. Eigenen Angaben zufolge soll Lenoir 1863 einen solchen Motor auch in ein Fahrzeug eingebaut haben, Beweise gibt es dafür aber nicht.

Der Otto-Motor

Der wichtigste Fortschritt in der Motorentechnik stammt von dem Kölner Kaufmann Nicolaus Otto. Er konnte die Leistung von Lenoirs Gasmotor erheblich erhöhen, indem er neben den drei bis dahin üblichen Arbeitstakten (Ansaugen, Verbrennen, Ausstoßen) eine zusätzliche Verdichtung des Gas-Luft-Gemischs einführte. 1876 erhielt er das Grundsatzpatent auf dieses sogenannte Viertaktprinzip. Allerdings wurde sein Patent von anderen Motorenherstellern entschieden bekämpft, um keine Lizenzgebühren an Otto zahlen zu müssen.

Doch auch der Otto-Motor war als stationäre Maschine konzipiert gewesen. Für den Einsatz in einem Fahrzeug galt es, den Motor bei gleich bleibender Leistung erheblich zu verkleinern. An diesem Problem arbeiteten gleichzeitig und unabhängig voneinander - neben vielen Anderen - Gottlieb Daimler in Cannstatt und der Ingenieur Carl Benz in Mannheim.

Daimler, Maybach und Benz

Daimler als ehemaliger Technischer Direktor von Ottos Motorenfabrik war mit dem Viertakt-Verfahren gut vertraut, und es gelang ihm tatsächlich, 1885 einen kompakten Motor zu entwickeln, den er in ein Motorrad und in ein Motorboot einbaute. Daimler sah sich allerdings in erster Linie als Motorenfabrikant, und es bedurfte aller Überzeugungskraft seines Chefkonstrukteurs Wilhelm Maybach, auch den Einbau in einen Kutschwagen zu erwägen.

Carl Benz dagegen, Gründer und Mitinhaber der Rheinischen Motorenwerke in Mannheim, fasste Motor und Fahrgestell des Wagens als konstruktive Einheit auf, die er in allen Details genau festlegte und entwickelte. Er experimentiert zunächst mit einem Zweitaktmotor, um Lizenzstreitigkeiten mit Otto aus dem Wege zu gehen. Erst als das Reichsgericht 1884 Ottos Patent vorläufig aussetzte, wandte sich Benz ebenfalls dem Viertaktmotor zu.

Nach der Erteilung seines Patents im Januar schritten die Arbeiten in unglaublich kurzer Zeit voran. Das dreirädrige Wägelchen mit seinem liegenden Einzylindermotor zwischen den riesigen hinteren Speichenrädern war schon im Frühsommer fertig. Der Motor hatte etwa 1,5 Liter Hubraum und leistete bei 500 Umdrehungen fast zwei PS.

Ein gewaltiges liegendes Schwungrad glich die ungleichmäßige Drehung der Kurbelwelle aus. Die Motorleistung wurde durch ein einfaches Kettenrad auf die Hinterachse übertragen. So erreichte der Wagen eine Spitzengeschwindigkeit von 15 Kilometern pro Stunde.

Prophetische Worte

Im Juli 1886 wagte Benz die erste öffentliche Ausfahrt über Mannheims Ringstraße. Ein weitblickender Reporter schrieb damals: "Es ist nicht zu bezweifeln, dass dieses Motorveloziped sich bald zahlreiche Freunde erwerben wird, da es sich voraussichtlich für Ärzte, Reisende, Sportsfreunde und so weiter als äußerst praktisch und brauchbar erweisen wird."

Prophetische Worte fürwahr, denn bis wirklich praktische und brauchbare Autos entwickelt wurden, sollten noch einige Jahrzehnte vergehen.

Autor: Carsten Heinisch
   
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