Kalenderblatt dw.com
 
30.1.1958: "Explorer I" vor dem Start
Anfang der 1950er-Jahre regten Wissenschaftler aus der ganzen Welt ein "Internationales Geophysikalisches Jahr" für den Zeitraum 1957/1958 an. Man beabsichtige, in dieser Periode maximaler Sonnenaktivität erstmals auch künstliche Erdsatelliten mit Forschungsaufgaben in den Weltraum entsenden - so kündigten es im Juli 1955 zunächst die USA und wenig später dann die UDSSR an.

Der Sputnik-Schock

Doch die offizielle Ankündigung der Sowjetunion nahm die Öffentlichkeit in den Vereinigten Staaten zunächst nicht ernst. Umso tiefer wirkte der Schock, den am 4.Oktober 1957 ein simples Funksignal auslöste.

Weltweit konnten Funkamateure diese abgehackten Pieptöne vom sowjetischen "Sputnik" empfangen, der nun als erster Satellit die Erde umkreiste. Für Edward Teller, den "Vater" der Wasserstoffbombe, stellte er eine größere Niederlage als Pearl Harbour dar.

Viele US-Amerikaner sahen sich plötzlich von sowjetischen Raketen militärisch bedroht. Zugleich fürchteten sie um die technologische Überlegenheit der UdSSR. Nochmals steigerte sich die öffentliche Aufregung, als die Sowjetunion nur einen Monat später mit der Hündin Laika an Bord von "Sputnik II" das erste Lebewesen in den Weltraum schickte.

Befürchtungen und Verzögerungen

Die USA hatten das neue Zeitalter der Raumfahrt verschlafen - so zumindest lautete vielfach der Vorwurf an die Adresse des damaligen US-Präsidenten Eisenhower. Tatsächlich hätte der damalige Stand der US-amerikanischen Raketenforschung durchaus vergleichbare Erfolge zugelassen. Doch Präsident Eisenhower befürchtete von einer Förderung technologischer Großprojekte eine unkalkulierbare Ausweitung der Staatsausgaben.

Unnötige Verzögerungen waren auch dadurch eingetreten, dass er auf einer Trennung von militärischen und zivilen Raumfahrtprojekten bestand. So hatte er 1955 die US-Marine beauftragt, eigens eine neue Satelliten-Trägerrakete für zivile Weltraumprogramme zu entwickeln - eine Konzeption, für die man die erfolgversprechendere Verwendung bereits erprobter militärischer Raketentypen zurückstellen musste.

Die erste Rakete: ein Desaster

Nach dem "Sputnik-Schock" versuchte das Weiße Haus zunächst noch, dieses so genannte Vanguard-Projekt zu beschleunigen. Doch der massive Druck auf die ohnehin überstürzte Entwicklungsarbeit führte dazu, dass am 6. Dezember 1958 die erste Rakete dieses Programms vor den Augen der versammelten Weltpresse noch auf der Startrampe explodierte.

Nach diesem Desaster kam endgültig das Raketenversuchszentrum des US-amerikanischen Heeres mit seinem technischen Direktor Wernher von Braun zum Zuge. Bereits am 8. November hatte es der Verteidigungsminister beauftragt, den Start eines wissenschaftlichen Satelliten vorzubereiten. Für dieses Vorhaben griff von Braun auf das bereits entwickelte militärische Trägersystem der Jupiter-C-Rakete zurück, die er so modifizierte, dass sie nach weniger als 90 Tagen abschussbereit war.

"Explorer I": erfolgreicher Start

Zwei Mal musste der ursprünglich für den 29.Januar angesetzte Start verschoben werden. Schließlich gelang es am Freitag, dem 31. Januar 1958, endlich mit "Explorer I" den ersten US-amerikanischen Satelliten zu starten. Er war zwar nach Gewicht und Größe den sowjetischen Sputniks unterlegen, doch Wernher von Braun wies in einem Interview 1958 dafür auf langfristig nützlichere Leistungen hin: "Unser Satellit, den wir gestern abgefeuert haben, enthält Forschungsgeräte, die uns Auskunft geben sollen über die kosmische Strahlung außerhalb der Atmosphäre, über die Erwärmung eines solchen Satelliten durch die Sonnenstrahlung und Rückstrahlung von der Erde und auch über die Dichte von Kleinstmeteoren und meteorischen Staub, der allmählich die Oberfläche eines solchen Satelliten aberrodieren würde. Wir haben zwei Sender im Satelliten, die uns diese Werte herunterfunken, und beide Sender arbeiten perfekt und werden von vielen Stationen laufend empfangen, und wir haben die besten Meldungen und Resultate, die wir erwarten konnten."

Richtung Mond

Tatsächlich entdeckte "Explorer I" den Van-Allen-Gürtel, einen rings um die Erde verlaufenden Strahlungsgürtel, der für Weltraummissionen eine Gefahr darstellt. "Explorer I" stand damit am Beginn einer Serie von Satelliten, mit denen man die Erforschung der Erdatmosphäre vorantrieb.

Seine leistungsstarken Instrumente dokumentierten zudem die US-amerikanische Überlegenheit bei der Miniaturisierung der Technik, ohne sie wäre langfristig eine Ausweitung der Raumfahrt bis hin zur Mondlandung nicht denkbar gewesen.

Mit dem Erfolg der ersten Explorer-Mission konnten die USA deshalb den "Sputnik-Schock" überwinden. Wernher von Braun aber wurde durch ihn in den USA zu einer nationalen Größe und schon bald in der neu gegründeten Weltraumbehörde NASA als Leiter ihres Raumfahrtzentrums zu einer der Schlüsselfiguren im beginnenden Wettlauf zum Mond.


Autor: Matthias Schmitz
   
Zitat des Tages
    
Zitat des Tages
Die ideale Frau gibt es ebenso wenig wie den idealen Mann, bloß ein bisschen öfter.
  > Vanessa Redgrave
> RSS Feed
  > Hilfe
Welcher US-amerikanische Präsident wurde viermal gewählt?
  Ronald Reagan
  Franklin D. Roosevelt
  Abraham Lincoln