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18.2.1919: Schwarz-Rot-Gold
"In Kümmernis und Dunkelheit,
da mussten wir sie bergen!
Nun haben wir sie doch befreit,
befreit aus ihren Särgen!
Ha, wie das blitzt und rauscht und rollt!
Hurra, du Schwarz, du Rot, du Gold!"

Ferdinand Freiligrath, Dichter und Verfechter sozialer und freiheitlich-demokratischer Ideale, hat diese Verse in der Zeit um 1846 verfasst. Heute fällt es sicher schwer, eine solche Begeisterung und ein solches Pathos zu verstehen. Heißt es doch im Grundgesetz Artikel 22 kurz und nüchtern: "Die Bundesflagge ist schwarz-rot-gold". Die Ausnahme war die Flagge der DDR, die auch schwarz-rot-gold hatte, sich aber abheben wollte von der Bundesrepublik Deutschland und ihre Symbole in die Fahne hineinzog.

Als der "Parlamentarische Rat" die Nationalfarben im Mai 1949 bestimmte, konnte der Historiker Ludwig Bergsträsser unwidersprochen feststellen: "Die Tradition von schwarz-rot-gold ist Einheit und Freiheit, oder besser: Einheit in der Freiheit. Diese Flagge soll uns als Symbol dafür gelten, dass die Freiheitsidee, die Idee der persönlichen Freiheit eine der Grundlagen unseres zukünftigen Staates sein soll." Zwar gab es auch eine kurze Diskussion über Nebensächlichkeiten, mit großer Mehrheit entschied sich der Parlamentarische Rat jedoch für schwarz-rot-gold.

Farbenfrohe Jäger

Woher die Farbkombination schwarz-rot-gold eigentlich rührt, ist auch heute noch umstritten. Eine Rolle spielten sicher die so genannten "Lützowschen Jäger", ein Freikorps, das um 1813 gegen die von Napoleon errichtete Fremdherrschaft und für einen deutschen Nationalstaat kämpfte. Die Lützower trugen nämlich eine Uniform aus schwarzer Grundfarbe, roten Vorstößen und goldenen Knöpfen. Dieses schwarz-rot-goldene Zusammenspiel übernahmen die Burschenschaften, deren erste 1815 in Jena gegründet wurde. Diese Burschenschaften standen für die nationale und die liberale Bewegung. Hauptargument der Nationalbewegung wiederum war die Beseitigung wirtschaftlicher, politischer und sozialer Missstände.

Einen starken Auftrieb erhielt die nationale Volksbewegung nach der französischen Julirevolution von 1832. Höhepunkt war das "Hambacher Fest" bei Neustadt an der Haardt im Jahre 1832, bei dem schwarz-rot-goldene Fahnen gezeigt wurden. Auf diesem Fest artikulierte sich der Zorn über die Zerstückelung Deutschlands, den Druck der Fürsten und die materielle Not der unteren Schichten. Die Obrigkeit wehrte sich mit aller Macht: schwarz-rot-gold als Ausdruck der liberalen und demokratischen Opposition durfte bald nicht mehr öffentlich gezeigt werden.

In der Revolution von 1848 schien der Sieg von schwarz-rot-gold endlich nahe zu sein, als die Abgeordneten in einem Meer solcher Fahnen in die Frankfurter Paulskirche einzogen. Die Frankfurter Nationalversammlung nahm schwarz-rot-gold als Reichsfarben an. Schon zwei Jahre später verbot der preußische König, sie zu zeigen, stand doch schwarz-rot-gold auch für die großdeutsche Lösung, gegen die Preußen und vor allem Bismarck kämpfte.

Schwarz-Rot-Gold als deutsche Nationalfarben

Am 18. Februar 1919 schließlich bestimmte der Staatenausschuss der deutschen Nationalversammlung in Weimar die Einführung von schwarz-rot-gold als deutsche Nationalfarben. Damit setzten sich die Sozialdemokraten gegen "schwarz-weiß-rot" durch, dass für die Fahne des wilhelminischen Obrigkeitsstaates, der Sozialistengesetze und der Verfolgung der Demokraten stand.

Wenn nach der schwarz-weiß-roten Hakenkreuzfahne der Nationalsozialisten wieder schwarz-rot-gold in Deutschland weht, so bedeutet das nicht nur das Aufgreifen eines historischen Fahnentuchs, sondern in erster Linie die Wiederverwendung eines Symbols für Freiheit, Demokratie und soziale Gerechtigkeit: der Kernelemente der Bundesrepublik Deutschland.

Autor: Otto Busch
   
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