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7.2.1938: Prozess gegen Martin Niemöller beginnt
"Was würde Jesus tun", das war die Grundfrage im Leben des Pfarrers Martin Niemöller, und es war diese Frage, die ihn in Konflikt brachte mit dem nationalsozialistischen Regime.

Dass er einmal zum Symbol des protestantischen Widerstands werden sollte, war Niemöller durchaus nicht in die Wiege gelegt worden. Der 1892 geborene Pfarrerssohn war kaisertreu und deutschnational erzogen worden. Nach dem Abitur trat er als Berufssoldat in die Marine ein.

Auch nach seinem Theologie-Studium blieb er seinen deutsch-konservativen Anschauungen treu: ab 1924 wählte er die NSDAP. Nach der Machtübernahme 1933 geriet Niemöller, der inzwischen als Gemeindepfarrer in Berlin-Dahlem arbeitete, jedoch zunehmend in Konflikt mit der neuen Regierung.

Pfarrernotbund und Bekennende Kirche

Obschon deutschnational und nicht frei von antisemitischen Vorurteilen wandte sich Niemöller doch entschieden gegen die Anwendung des "Arier-Paragrafen" in der Kirche und die Verfälschung biblischer Lehren durch die nationalsozialistischen deutschen Christen.

Um die Ausgrenzung von Christen jüdischer Herkunft zu verhindern, rief er im Herbst 1933 den Pfarrernotbund ins Leben, aus dem dann 1934 die Bekennende Kirche entstand. Die Bekennende Kirche berief sich auf das kirchliche Notrecht und verweigerte der offiziellen, gleich geschalteten Kirchenleitung den Gehorsam.

Noch 1934 glaubte Niemöller, mit den neuen Machthabern diskutieren zu können. Auf einem Empfang in der Berliner Reichskanzlei widersprach er Hitler, der der Kirche jede Verantwortung für "irdische" Angelegenheiten des Deutschen Volkes absprechen wollte. Niemöller sagte: "Er gab mir die Hand und ich nahm die Gelegenheit wahr und hielt seine Hand fest und sagte: Herr Reichskanzler, Sie haben gesagt, wir sollen Ihnen das deutsche Volk überlassen, die Verantwortung für unser Volk, die hat ganz jemand anderes auf unser Gewissen gelegt. Und da zog er seine Hand weg und ging zum nächsten, er hat kein Wort mehr gesagt."

Verhaftungen

Ab diesem Vorfall geriet Niemöller immer mehr in den Blick der Machthaber. Er wurde von der Geheimen Staatspolizei überwacht und mit einem Redeverbot belegt - über das er sich jedoch hinwegsetzte. 1935 wurde er zum ersten Mal verhaftet und wieder freigelassen. Inzwischen galt Martin Niemöller als einer der bedeutendsten Sprecher des evangelischen Widerstands. Ein Auszug aus einer Predigt aus dem Sommer 1937:

"Und wer wie ich vorgestern Abend in einem Abendsmahlgottesdienst nichts anderes neben sich sieht als drei junge Stapo Leute, drei junge Männer, die gewiss auch einmal auf den Namen des Herrn Jesus Christus getauft wurden und die gewiss auch einmal an ihrem Konfirmationsaltar ihrem Heiland die Treue gelobt haben, und die nun von Amt und Dienstes wegen dazu bestellt sind, der Gemeinde Jesu Christi Fallen zu stellen, den lässt die Schmach der Kirche so leicht nicht los, und er möchte ein aus der Tiefe kommendes 'Herr Erbarme Dich' sprechen."

Im Juli 1937 wurde Niemöller erneut verhaftet. Nach rund sieben Monaten, am 7. Februar 1938, begann der Prozess vor dem Sondergericht II in Berlin-Moabit. Die Anklage lautete: Niemöller hätte durch seine Predigten, in einer den öffentlichen Frieden gefährdeten Weise Maßnahmen der Regierung kritisiert, gehässige und hetzerische Äußerungen über einige Reichsminister getan und damit gegen den "Kanzelparagrafen" und das "Heimtückegesetz" verstoßen.

Persönlicher Gefangener Hitlers

Das Urteil: sieben Monate Festungshaft sowie 2.000 Reichsmark Geldstrafe. Da die Richter die Haftstrafe durch die lange Untersuchungshaft als verbüßt ansahen, hätte Niemöller eigentlich den Gerichtsaal als freier Mann verlassen können.

Hitler jedoch, dem das Urteil zu milde war, ließ Niemöller als seinen "Persönlichen Gefangenen" ins Konzentrationslager bringen - über sieben Jahre, bis zum Kriegsende- verbrachte Niemöller in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Dachau.

Autorin: Rachel Gessat
   
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