Kalenderblatt dw.com
 
9.2.1926: Spraydose patentiert
"Es gibt nichts, was es nicht in Sprühdosen gibt!" Das zumindest behaupten die Figuren der Comic-Serie "Die Peanuts". Aber auch im wirklichen Leben gibt es fast nichts, was es in nicht in Sprühdosen gibt: Von Haarspray über Rasierschaum und Backofenreiniger bis hin zu Insekten-Vertilger und Käse. Nicht vergessen sollte man die Farbdosen, denen die Hauswände und Eisenbahnwaggons im ganzen Land so manche "Verschönerung" und die Feuilletons tief schürfende Debatten über das Wesen der Kunst verdanken.

Praktische Erfindung in unhandlicher Verpackung

Ein solcher Massenerfolg war nicht abzusehen, als der norwegische Ingenieur Erik Rotheim Anfang der 1920er-Jahre das sogenannte Aerosolverfahren entwickelte. Mit diesem Verfahren lässt sich der flüssige Inhalt einer Dose sehr fein versprühen, wenn man den Druck in der Dose sehr stark erhöht. Dazu muss man nur zusätzlich ein Gas oder eine Flüssigkeit in die Dose abfüllen.

Das Sprühen mit einer solchen Dose ist viel bequemer als mit den konventionellen Pumpzerstäubern, und weil der Druck im Innern der Sprühdose viel höher ist, lässt sich der Inhalt auch viel feiner zerstäuben.

Am 9. Februar 1926 verwirklichte Rothheim erstmals sein Verfahren und konstruierte die erste Sprühdose. Aber seine Erfindung hatte keinen Erfolg: Sah sie doch eher ungeschlacht aus, die Dose war dickwandig und unhandlich, und wegen der immensen Kosten für den Behälter wollte niemand die Erfindung nutzen.

Umweltuverträgliche Erfolgsgeschichte

Praktische Anwendung fand die Sprühdose erst, als zwei US-Amerikaner 1941 ein Insektenspray entwickelten. Sie stiegen in die kommerzielle Produktion ein, und in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg trat die Sprühdose von den USA aus ihren Siegeszug an, einen gewaltigen Siegeszug.

Aus zwei Gründen jedoch ist die Erfolgsgeschichte der Spraydose auch kritisch zu werten, und beide haben mit der Umwelt zu tun: Zunächst ist da das Treibmittel. Seit den frühen 1950er-Jahren verwendete man gerne das sogenannte Freon und verwandte Stoffe aus der Klasse der fluorierten Chlorkohlenwasserstoffe, kurz FCKW. Freon ist eine Flüssigkeit mit vielen günstigen Eigenschaften: Sie ist billig, geruchlos und chemisch neutral.

Am wichtigsten ist aber, dass sie schon bei sehr tiefen Temperaturen (etwa Minus 20 Grad) verdampft. Nur wenn man Freon unter starken Druck setzt, bleibt es auch bei höheren Temperaturen noch flüssig. Und das nutzt man in der Sprühdose aus: Mit Freon als Treibmittel kann man eine Flüssigkeit in die Dose einfüllen, hat also mehr Platz für den eigentlichen Inhalt der Sprühdose. Und weil das Freon sofort verdampft, wenn es die Dose verlässt, wird der Inhalt durch das Treibmittel nicht verunreinigt.

FCKW-Verbot in der EU

Jahrzehntelang waren Freon und verwandte Stoffe im Einsatz, bis man entdeckte, dass diese Stoffe die Ozonschicht der Erde beschädigen und den Treibhauseffekt verstärken. Erst nach langen internationalen Verhandlungen und gegen den Widerstand der Industrie wurde 1995 die Verwendung von FCKW in der EU verboten.

Mittlerweile hat die Industrie auch das zweite Ökoproblem der Sprühdose technisch im Griff, die riesigen Müllmengen: Für viele industrielle Anwendungen gibt es inzwischen Mehrweg-Sprühdosen. Bis zu zehn Mal lassen sich die Dosen befüllen, ehe sie verschrottet werden müssen.

Nur bei Sprühdosen für Haushaltsanwendungen - vom Deospray bis zur Sprühsahne - hat sich die Wiederbefüllung noch nicht durchsetzen können.



Autor: Carsten Heinisch
   
Zitat des Tages
    
Zitat des Tages
Das Leben ist ein Prozess, den man verliert, was man auch tut und wer man auch ist.
  > Thomas Bernhard
> RSS Feed
  > Hilfe
Welcher Holländer schuf "Die Nachtwache"?
  Vermeer
  Rembrandt
  Van Gogh