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11.2.1967: Erstflug des Senkrechtstarters Do 31
Der Name Dornier gehört zu den ältesten in der Geschichte des Flugzeugbaus. Schon ab 1914 entwickelte Claude Dornier im Auftrag des Grafen von Zeppelin die ersten Riesenflugboote in Metallbauweise.

Nach dem Ersten Weltkrieg folgte das legendäre Flugboot "Wal", mit dem Dornier seinen Weltruf begründete. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs entstand daraus eine ganze Flotte von Flugbooten, deren Krönung die legendäre zwölfmotorige "Do X" war. Dornier war damals einer der weltweit führenden Flugzeughersteller.

Nach dem zweiten Weltkrieg knüpfte Dornier mit neuen Entwicklungen an die Erfolge der Vorkriegszeit an, z.B. dem Kurzstartflugzeug "Do 27", das auch die Basis für weitere Regionalflugzeuge bildete.

Senkrechtstarter

Gegen Ende der 1950er-Jahre sprang Dornier auf einen Modetrend auf: Die Senkrechtstarter. Diese Technik galt nach dem Zweiten Weltkrieg als eines der wichtigsten neuen Verfahren in der zivilen, vor allem aber in der militärischen Luftfahrt, bot sie doch erstmals die Möglichkeit, relativ unabhängig von einem "richtigen" Flugplatz zu operieren.

Wie der Krieg gezeigt hatte, waren Flughäfen - egal ob mit befestigten Rollbahnen oder nur behelfsmäßig ausgerüstet - eines der wichtigsten taktischen Ziele, die es unter allen Umständen zu zerstören galt. War der Flughafen aber zerstört, konnte man seine Bomber und Jagdflugzeuge nicht einsetzen.

Um sich von Flughäfen unabhängig zu machen, wurden daher neue Wege im Fluggerätebau gesucht. Sehr rasch wurde aber klar, dass die damals noch neuen Hubschrauber die Anforderungen nur zum Teil erfüllen konnten: Sie waren zu langsam und hatten nur eine begrenzte Reichweite. Als eine (zumindest auf dem Papier) gute Alternative galten daher Düsenflugzeuge, die praktisch senkrecht starten und landen konnten: Die Senkrechtstarter.

Projekt "Do 31"

Die ersten Vorarbeiten bei Dornier gehen bis in das Jahr 1959 zurück. Drei Jahre später dann vergab das Bundesverteidigungsministerium einen Entwicklungsauftrag an Dornier. Nach der firmeninternen Tradition erhielt das Projekt die fortlaufende Nummer "Do 31". Dieser Typ sollte das erste senkrecht startende Transportflugzeug der Welt werden, und tatsächlich war seine Kombination von Hub- und Schubtriebwerken die erste wirklich brauchbare Lösung auf diesem Gebiet.

Die Konzeption sah einen relativ kleinen Transporter vor mit einer Länge von knapp 21 Metern und einer Spannweite von 18 Metern. Bei einem Eigengewicht von gut 22 Tonnen betrug die Nutzlast etwa fünf Tonnen.

Zu Beginn der Entwicklung wurden Testflüge mit einem sogenannten Schwebegestell geflogen, eine einfache Rohrkonstruktion mit Tragflächen, an denen die Düsentriebwerke befestigt waren. Mit diesem Gestell wurden die grundlegenden technischen Prinzipien getestet. Ferner wurden eine "Bruchzelle" für Festigkeitsversuche und ein Prüfstand gebaut, um damit die Hydraulik und Elektrik zu testen.

Erfolgreiche Prototypen

Nach Abschluss der Vorarbeiten entstanden zwei Prototypen: Der erste hatte zwei Triebwerke für den Horizontalflug, ihr Schub konnte jedoch für den Start und die Landung auch nach unten umgelenkt werden.

Der zweite Prototyp hatte zusätzlich acht kleinere spezielle Hubtriebwerke, mit ihrer Hilfe sollte das Flugzeug einige Meter angehoben werden, dann wurden die Hubtriebwerke etwas geneigt und das Flugzeug auf rund 250 Kilometer pro Stunde beschleunigt. Dann schaltete man die Haupttriebwerke an und die Hubtriebwerke ab.

Weltrekorde und - Entwicklungsende

Am 11. Februar 1967 glückte der Jungfernflug des ersten Prototypen, im November desselben Jahres startete auch der zweite. Die Tests der nächsten Jahre waren durchaus erfolgreich, aber die Begeisterung der Militärs hatte inzwischen nachgelassen.

Zu groß war die Unsicherheit, ein solches Flugzeug in unwegsamen Gelände zu versorgen und zu warten; zu hoch waren die Anschaffungskosten, der Verbrauch und der Lärm. Auf dem Überführungsflug zur Pariser Luftfahrtausstellung 1969 stellte die "Do 31" noch einige Weltrekorde auf, 1970 wurde die weitere Entwicklung eingestellt.



Autor: Carsten Heinisch
   
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