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17.2.1877: André Maginot geboren
Maginot: "Wir können wohl kaum davon träumen, eine Art große französische Mauer zu errichten. Dies würde uns bei weitem zu viel kosten. Stattdessen haben wir ebenso wirksame Maßnahmen vorgesehen, um uns zu verteidigen. Damit nutzen wir den Vorteil des Geländes und errichten eine geschlossene Feuerlinie."

Mit diesen Worten warb André Maginot im Winter 1929 vor dem französischen Parlament für die Errichtung einer militärischen Verteidigungslinie ungeheuren Ausmaßes. Vom Mittelmeer bis fast zum Kanal sollte sie Frankreich gegen seine Feinde im Osten schützen.

Die Idee dazu stammte nicht von Maginot selbst, sie ging vielmehr auf Marschall Pétain zurück, den französischen Kriegshelden aus dem Ersten Weltkrieg. Frankreich war nicht zufrieden mit dem Versailler Vertrag: Deutschland sei noch zu gut weggekommen, immer noch könne man sich nicht sicher fühlen. In dieser Situation wurden in der Regierung mehrere Verteidigungspläne diskutiert.

Ein gewisser Charles de Gaulle glaubte, dass der Krieg zukünftig schnell und mobil geführt werden würde und schlug die Aufrüstung Frankreichs mit beweglichen Panzern und Flugzeugstaffeln vor. Dagegen argumentierte Marschall Pétain: Im Ersten Weltkrieg habe man die Deutschen ja schließlich auch mit Stacheldraht und Schützengräben drei Jahre lang festsetzen können. Dem schloss sich die Regierung an.

Die Idee stammte nicht von André Maginot, doch er fand Gefallen an ihr. Am 17. Februar 1877 in Paris geboren, hatte er Jura studiert und war nach der Promotion in den Staatsdienst eingetreten. Mit der Wahl ins Parlament 1910 begann seine politische Karriere.

Von seinem Amt als Staatssekretär im Kriegsministerium trat er bei Kriegsausbruch 1914 zurück, um selbst an die Front zu gehen. Dort wurde er verletzt und musste aus dem aktiven Dienst ausscheiden. Nach dem Krieg gehörte Maginot wieder dem Parlament an und wurde 1920 erneut ins Kabinett aufgenommen.

Maginot kannte den Krieg als Soldat. 1922 sollte er auch als Politiker Verantwortung für einen möglichen Krieg übernehmen: Erstmals wurde Maginot Kriegsminister. In diesem Amt warb er für Pétains Idee vom Verteidigungswall. Während noch beraten wurde, löste Paul Painlevé Maginot als Minister ab. Doch Maginot arbeitete weiter als "Ein-Mann-Lobby-Komitee", wie es spöttisch-bewundernd hieß.

Seine große Stunde schlug in jenem Dezember 1929 vor dem französischen Parlament. Inzwischen war Maginot wieder selbst Kriegsminister geworden, und es ging darum, die Zustimmung der Volksvertreter für ein Drei-Milliarden-Francs-Budget zu gewinnen.

Die Zeit drängte, dies machte Maginot den Deputierten deutlich. Die Zahl der wehrdienstfähigen, jungen Männer in Frankreich würde spätestens Mitte der 1930er Jahre einen Tiefststand erreichen. Außerdem müsse die Verteidigungslinie das entmilitarisierte Rheinland als Pufferzone ersetzen, wenn dieses wieder an Deutschland ginge.

Zwei Ziele standen im Vordergrund: Ein Blitzangriff sollte solange abgewehrt werden, wie zur allgemeinen Mobilmachung notwendig wäre, und das französische Kernland sollte geschützt, die Kämpfe auf die Flanken verlagert werden.

Der Bau begann Anfang 1930. In mehreren Phasen wurden unterirdische Gänge, Stände und Bunkersysteme gebaut. Eine Kette von 58 großen Forts im Nordabschnitt und 50 Gewerken im Südabschnitt, dazwischen kleinere Stellungen, sorgten für das, was Maginot "geschlossene Feuerlinie" genannt hatte.

Alle Stellungen sollten ständig mit speziell ausgebildeten Truppen verschiedener Waffengattung besetzt werden. Bis 1939, als das Deutsche Reich Polen überfiel und Frankreich Deutschland den Krieg erklärte, war dies geschafft. Frankreich glaubte bereit zu sein.

Doch Hitlerdeutschland ignorierte den Verteidigungswall, seine Truppen marschierten durch die Ardennen und setzten sich im "Sichelschnitt" hinter die Verteidiger.

Später gab es vielerlei Erklärungen für das Versagen der französischen Verteidigung. Nur die wenigsten zielten dabei auf die Maginot-Linie, denn im Prinzip hatte sie ihren Zweck erfüllt. Nur der Kriegsverlauf nahm einen anderen Weg, meinten Historiker lapidar.

André Maginot hat dies nicht mehr erlebt; er starb kurz nach Baubeginn 1932. Die Linie war nicht seine Idee, sie entstand nicht nach seinen Plänen. Doch niemand hat sich politisch über Jahre so sehr dafür eingesetzt wie André Maginot, deshalb blieb sein Name für die Nachwelt mit dieser Verteidigungslinie verbunden.

Autor: Dirk Stroschein
   
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