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25.2.1947: Preußen aufgelöst
Der 25. Februar scheint ein düsterer Tag in der Geschichte von Preußen zu sein. Am 25. Februar 1713 starb Friedrich III. von Brandenburg, der erste König von Preußen. Und über 200 Jahre später, am 25. Februar 1947 starb der Staat Preußen, genauer gesagt: er wurde amtlich für tot erklärt.

Zwei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs stellte der Staat Preußen für die Alliierten in verschiedener Hinsicht ein Problem dar. Zum einen in verwaltungstechnischer und rechtlicher Hinsicht: Das preußische Territorium war auf die vier Besatzungszonen verteilt und inzwischen hatten sich auch schon die ersten Länder mit eigenständigen Verwaltungen gebildet.

Zum anderen war Preußen aber auch ein politisches und psychologisches Problem. Die Alliierten verbanden mit Preußen vor allem negatives: aggressiver Militarismus, Untertanentum, Drill und Gehorsam. Mit dem Entschluss, Preußen als Staat aufzulösen, wollten sie auch jene Traditionslinie kappen, die ihrer Meinung nach direkt zu Hitler geführt hatte.

Lapidares Ende

In dem veröffentlichten Gesetz Nr. 46 des Alliierten Kontrollrats über die Auflösung des Staates Preußen wurde diese pauschale Beurteilung deutlich: "Der Staat Preußen, der seit jeher Träger des Militarismus und der Reaktion in Deutschland gewesen ist, hat in Wirklichkeit zu bestehen aufgehört. Seine Zentralregierung und alle nachgeordneten Behörden werden hiermit aufgelöst. Staats- und Verwaltungsfunktionen sowie Vermögen und Verbindlichkeiten des früheren Staates Preußen sollen auf die Länder übertragen werden."

Derart lapidar endete der preußische Staat. Ein Staat, der vor dem Zweiten Weltkrieg zwei Drittel des deutschen Territoriums ausmachte, ein Staat, der in den voran gegangenen Jahrhunderten eine der bedeutendsten Großmächte des Kontinents war. Das Gesetz Nr. 46 des Alliierten Kontrollrats setzte den offiziellen Schlussstrich unter die preußische Geschichte.

Für den Historiker Golo Mann war das Gesetz kaum mehr als "ein Fußtritt, den der siegreiche Esel dem längst toten Löwen gab". In der Tat war die Auflösung durch den Alliierten Kontrollrat kaum mehr als der formelle Vollzug einer Entwicklung, die schon lange vorher begonnen hatte.

Auflösung - Schritt für Schritt

Der erste und außenpolitisch bedeutsamste Schritt zur Auflösung war der 18. Januar 1871. Mit der Gründung des Deutschen Reichs und der Ausrufung des preußischen Königs zum deutschen Kaiser verlor Preußen den Rang einer eigenständigen Großmacht. Seine Geschichte ging in der Geschichte des Deutschen Reichs auf.

Ein zweiter Schritt war der Rücktritt von Wilhelm II., der nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg 1918 nicht nur als deutscher Kaiser, sondern auch als preußischer König zurücktrat. Da auch der Kronprinz auf alle Ansprüche auf den Thron der Hohenzollern verzichten musste, war 1918 der Endpunkt des Königreiches Preußen.

Endgültig zerstört wurde Preußen dann durch die Nationalsozialisten. Im sogenannten "Preußenschlag" löste Franz von Papen 1932 das letzte demokratisch legitimierte Parlament auf und setzte den preußischen Ministerpräsidenten Otto Braun, einen Sozialdemokraten, ab. Damit verlor Preußen schon 1932 seine staatliche Selbständigkeit.

So war die Auflösung Preußens durch die Alliierten in der Tat nicht viel mehr als ein Fußtritt für den längst toten Löwen. Preußen als Staat - spätestens seit dem 25. Februar 1947 nur noch ein Fall für die Geschichtsbücher.


Autorin: Rachel Gessat
   
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