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14.3.1939: Slowakei "unabhängig"
Am 14. März 1939 zerschlägt Adolf Hitler die Tschechoslowakei - schon im September 1938 hatte er mit seinem Zerstörungswerk begonnen. Damals holen die Nationalsozialisten das Sudentenland "heim ins Reich", so die offizielle Sprachregelung. Großbritannien und Frankreich, eigentlich Schutztruppen der Tschechen, lassen den deutschen Diktator, "um des lieben Friedens willen", gewähren. Als Gegenleistung verspricht Hitler dem britischen Premierminister:

Hitler: "Ich habe ihm versichert, dass das deutsche Volk nichts anderes will als Frieden. (...) Ich habe weiter versichert, und ich wiederhole es hier, (...) dass mich der tschechische Staat nicht mehr interessiert, und dass ich ihm das garantiere meinetwegen: wir wollen gar keine Tschechen."

Das ist glatt gelogen. In Wirklichkeit befiehlt Adolf Hitler seiner Wehrmacht schon im Oktober 1938 "die Erledigung der Rest-Tschechei".

Hitler: "Es ist mein unabänderlicher Entschluss, die Tschechoslowakei in absehbarer Zeit durch eine militärische Aktion zu zerschlagen."

Gegen Ende des Ersten Weltkrieges war die tschechische Republik aus der Erbmasse der österreichisch-ungarischen Monarchie gebildet worden. Ein Vielvölkerstaat: 46 Prozent Tschechen, 13 Prozent Slowaken, die eine eigene Volksgruppe bleiben wollten, einige Ungarn und 28 Prozent Deutsche, Sudetendeutsche.

Hinter Hitlers "unabänderlichen Entschluss, die Tschechoslowakei zu zerschlagen" stecken handfeste deutsche Interessen. Das Land ist hochindustrialisiert und soll - nach dem Ruhrgebiet - zu Hitlers zweitgrößter Waffenschmiede werden.

So schüren die Deutschen - ein probates außenpolitisches Mittel - den Bruderkrieg zwischen Tschechen und Slowaken. Letztere ermuntern sie die nationale Unabhängigkeit zu fordern. Und deren Anführer, der Slowake Josef Tiso, macht mit.

Am 14. März 1939 bestellt Adolf Hitler Tiso nach Berlin. Dort verspricht das Deutsche Reich der Slowakei ein Schutzverhältnis. So gestärkt erklärt sich die Volksgruppe daheim für unabhängig, zeitgleich rücken deutsche Truppen in die Tschechoslowakei ein, angeblich um die Slowaken gegen Übergriffe der Tschechen zu schützen.

Überstürzt reisen an diesem folgenschweren Tag der tschechische Staatspräsident Emil Hacha und sein Außenminister nach Berlin, um wenigstens die Autonomie Tschechiens zu wahren. Stundenlang lässt Hitler die beiden Politiker vor der Reichskanzlei warten. Dann droht der braune Herrscher mit der Bombardierung Prags, falls sie sich dem deutschen Reich nicht freiwillig anschließen. Paul Schmidt, der damalige Dolmetscher, erinnert sich:

Schmidt: "Ich habe nie eine folgenschwerere Aussprache aufgezeichnet, eine Aussprache im eigentlichen Sinn war es nicht. Es handelte sich eher um eine einzige große Anklage gegen die Tschechen von Seiten Hitlers. Hacha und Chwalkowski saßen wie versteinert in ihren Sesseln, während Hitler sprach. Nur an ihren Augen konnte man erkennen, dass es sich um lebende Menschen handelte. Es muss für beide ein außerordentlich schwerer Schlag gewesen sein aus dem Munde Hitlers zu erfahren, dass das Ende ihres Landes gekommen war. Sie waren von Prag noch in der Hoffnung abgefahren, sie würden mit Hitler verhandeln können. 'Der Einmarsch der deutschen Truppen ist unabwendbar. Wenn sie Blutvergießen verhindern wollen, dann telefonieren sie am besten sofort mit Prag und geben Weisung an ihren Kriegsminister, dass kein Widerstand von den tschechischen Truppen geleistet wird.' Mit diesen Worten beendete Hitler die sensationelle Unterredung."

Hacha erleidet einen Herzanfall. Trotzdem unterzeichnet er am kommenden Morgen das Besatzungsdiktat, das Reichspropagandaminister Joseph Goebbels auf der Stelle im deutschen Rundfunk verliest, mit dem der tschechische Staatspräsident "das Schicksal des tschechischen Volkes und Landes vertrauensvoll in die Hände des Führers des Deutschen Reiches legt", so Josef Goebbels.

Das ist gleichbedeutend mit dem offiziellen Einmarsch deutscher Truppen. Auf der Prager Burg weht die Hakenkreuzfahne, eine Parade auf dem Wenzelsplatz besiegelt die Schmach. Die Verfolgung richtet sich hauptsächlich gegen Intellektuelle, Linke, Flüchtlinge aus dem Reich und natürlich Juden. Der gemeine tschechische Arbeiter wird verschont, er wird in den Rüstungsbetrieben gebraucht.

Die tschechoslowakische Republik hat per Handstreich aufgehört zu existieren, sie zerfällt in einen slowakischen Staat von Hitlers Gnaden und in das Protektorat Böhmen und Mähren.

Die internationale Gemeinschaft kann nach dieser Tat nicht länger die Augen schließen. Die Besetzung des Rheinlandes, der so genannte Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich, der Sonderweg des Sudentenlandes - immer konnte Adolf Hitler behaupten, all das nur zu tun, um dem Selbstbestimmungsrecht deutscher Bevölkerungsteile gerecht zu werden. Damit ist am 14. März 1939 endgültig Schluss. Was bleibt, ist nackter Imperialismus.

Autorin: Gerda Gericke
   
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