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26.3.1871: Pariser Kommune
Gerade einmal einen Monat war es her, dass der Startschuss zur Revolte gefallen war. Am 26. Februar hatten linke Demonstranten 200 Kanonen der Nationalgarde in ihre Gewalt gebracht. Und gerade einmal acht Tage waren vergangen, seit die konservative Regierung vergeblich versucht hatte, die Geschütze zurückzuerobern. Völlig unerwartet hatte sie sich nach dem Fehlschlag vom 18. März nach Versailles zurückgezogen. Schwärmerisch notierte der Pariser Journalist Jules Vallès seine Gedanken zum 26. März 1871:

"Welch ein Tag! Diese warme und helle Sonne, die die Mündung der Kanonen vergoldet; dieser Blumenduft, das Flattern der Fahnen, das Murmeln der Revolution, dies Gefühl der Ehre - wie muss das alles die siegreiche Armee der Republikaner mit Freuden erfüllen."

Vorausgegangen war dem Pariser Aufstand ein Krieg gegen Deutschland, den Frankreich verlor. Als der Rest des Landes schon kapituliert hatte, hielt Paris den Widerstand noch aufrecht. Monatelang wurde es durch preußische Truppen belagert, die Entbehrungen kosteten Tausenden Menschen das Leben.

Doch auch nach der Kapitulation im Januar 1871 blieb die soziale Not der Pariser groß, denn das ländlich-konservative Kabinett regierte an den Bedürfnissen der Pariser Stadtbevölkerung vorbei. Dies alles führt im März 1871 zu einer spontanen Revolte gegen die Regierung.

Vallés: "Trompeter, blast ins Horn, Tambours, schlagt den Wirbel! Küss mich, Kamerad, der du wie ich schon graue Haare hast! Und du, kleiner Knirps, der du hinter der Barrikade Murmeln spielst, komm her, dass ich dich gleichfalls küsse! Sohn der Verzweifelten, du wirst ein freier Mann werden!"

Nach dem Abzug der Regierung beratschlagen die siegreichen Revolutionäre das weitere Vorgehen. Einige wollen gleich nach Versailles weiter marschieren und die alte Regierung verhaften. Die meisten der Aufständischen aber haben gar keine weiterreichenden Ambitionen, sie wollen eine lokale politische Autonomie, sprich, sie hoffen durch Wahlen eine linke Mehrheit im Stadtrat zu schaffen und somit von der ländlich-konservativen Regierung unabhängig zu werden. Für den 26. März 1871 ruft deshalb das Zentralkomitee der Revolutionäre Stadtratswahlen aus:

"Acht Tage sind verstrichen, seit sich Paris befreit hat. Geboren aus der Forderung nach Gerechtigkeit ist das Zentralkomitee in das Stadthaus eingezogen, nicht als eine Regierung, sondern als Schildwache des Volkes. An dem Tage, da die Ergebnisse der Wahl verkündet werden, wird das Zentralkomitee seine Macht niederlegen und sich zurückziehen."

Die Wahlen bringen für die Linke das gewünschte Ergebnis: Am 28. März zieht eine bunte Mischung aus Jakobinern, Anarchisten und Sozialisten ins Stadthaus ein. Sie nennen sich "La Commune", die Kommune. In den zwei Monaten ihrer Regierung verabschiedet die Kommune eine Reihe von Gesetzen - hauptsächlich solche, die die direkte Not des Pariser Proletariats mildern, aber auch grundsätzlichere, u.a. die Trennung von Kirche und Staat, die Abschaffung von Adelsprivilegien, die Autonomie der Stadtregierung und ein berüchtigtes "Geiselgesetz", das jeden mit dem Tod bedroht, der mit der alten Regierung in Versailles kooperiert.

"Die 20 Jahre der Niederlagen und der Ängste, die wir durchzumachen hatten, sie sind bezahlt. Mag nun kommen was will! Und würden wir auch von neuem besiegt werden, und müssten wir auch morgen sterben, unsere Generation ist getröstet."

Zwei chaotische Monate nach dem enthusiastischen Beginn endet das Experiment der Pariser Kommune mit einer "blutigen Woche". Die Truppen der Versailler Regierung nehmen nach erbitterten Kämpfen die Stadt ein. Rund 500 Geiseln, hauptsächlich Gendarmen und Geistliche, darunter auch der Erzbischof von Paris, werden durch die Pariser Kommune ermordet.

Nach der Einnahme der Stadt durch Regierungstruppen beginnt ein blutiger Rachefeldzug. Jeder, der nur irgendwie nach Kommunarde oder Sympathisant aussieht, wird niedergemacht. Historiker schätzen, dass die Regierungstruppen bei und nach ihrer Eroberung von Paris zwischen 20.000 und 25.000 Menschen ermordeten.

Autorin: Rachel Gessat
   
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