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7.1.1780: Weimarer Schauspielhaus eröffnet
Ehern und aus dem Erz türkischer Kanonen gegossen, stehen sie mitten in Weimar. Goethe, schon der leicht füllige Herr, den Lorbeerkranz in seiner Rechten, daneben Schiller, schlaksig, jung, erhobenen Hauptes mit abwesendem, man kann auch sagen: idealsuchendem Blick.

Vom sandsteinfarbenen Haus in ihrem Rücken scheinen die Denkmaldichter keine Notiz zu nehmen. Und das ist erstaunlich, denn das Gebäude, halb Kleinstadtkommode, halb griechischer Tempel, war der Musenort deutscher Klassik schlechthin. Am 7. Januar 1780 eröffnet, wurde das Deutsche Nationaltheater schon bald zu einer der führenden Bühnen Mitteleuropas.

Goethe als Theaterdirektor

Daran ist der füllige Herr auf dem Sockel nicht schuldlos. Immerhin 26 Jahre leitete Goethe die Geschicke des Hauses. Ob "Wallenstein" oder "Wilhelm Tell", ob "Tasso" oder "Egmont" - fast alles, womit Liebhaber entzückt und Gymnasiasten noch heute gequält werden können, erblickte hier das Licht der Theaterwelt. Beliebt waren diese Stücke übrigens nicht. Das Publikum, so sagt Hedi Struß vom Deutschen Nationaltheater, wollte Boulevard, harmlose Unterhaltung, gängige Meterware, und Goethe, auch in diesen Dingen Realist, spielte mürrisch mit.

Überhaupt sollte man sich vom Theaterbetrieb der damaligen Zeit kein allzu hehres Bild machen. Glaubt man Günther Beelitz, 1994 bis 2000 Intendant des Deutschen Nationaltheaters, so war viel Dilettantismus im Spiel: "Heute sind das große, selbstständige Apparate. Damals waren sie aus der Fürstenschatulle bezahlt. Und eine kleine Gruppe von Schauspielern arbeitete ohne Regisseure im heutigen Sinn. Auch Goethe spielte ja selbst. Wenn man den Berichten glauben darf, mit seinem hessischen Zungenschlag eher wie ein wohlgeordneter Laie, denn als ausgebildeter Berufsschauspieler. Die gab es damals ja auch noch nicht."

Große Namen am Nationaltheater

Passend dazu die Anekdote für Goethes Rücktritt 1817: Als eine Schauspielerin - ganz Diva - darauf bestand, nur gemeinsam mit ihrem Hund aufzutreten, schmiss der Olympier entnervt die Brocken hin. Es sollte Jahrzehnte dauern, bis in die mittlerweile abgebrannten und wiederaufgebauten Mauern des Theaters ein zweiter Kulturfrühling einzog. Dieses Mal waren es die Musikdramatiker, die das Haus für sich entdeckten, allen voran ein gewisser Richard Wagner, der hier durch Franz Liszt seinen "Lohengrin" uraufführen ließ.

Anfang des 20. Jahrhunderts bestimmten Abrissbirnen die Partitur rund um den Weimarer Theaterplatz. Das Haus, alt und unzugänglich geworden, wich einem größeren Neubau, in dem sich wenige Jahre später die Nationalversammlung der ersten deutschen Republik die "Weimarer Verfassung" gab. Weniger bekannt: Auch die NSDAP nutzte das Theater für Parteitage, und gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Haus zum Rüstungsbetrieb, in dem Häftlinge des Konzentrationslagers Buchenwald arbeiteten:

Neue Wege in Weimar

Fast unnötig zu sagen, dass auch dieses Gebäude zerstört wurde und zwar im Bombenhagel der Alliierten. Was folgte, waren Wiederaufbau und 40 Jahre lang eine recht plüschige Bühnenkultur. Heute ist das Deutsche Nationaltheater vom Muff befreit, und als das Land Thüringen aus finanziellen Gründen das Theater auflösen wollte, gab es Proteste auf allen Seiten: Inzwischen wird das Nationaltheater vom Weimarer Modell getragen, das Land Thüringen ist nicht mehr Träger des traditionsträchtigen Theaters.


Autor: Andreas Wolf
   
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