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8.1.1950: BHE gegründet
"Der Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten ist eine politische Partei, die zu Beginn dieses Jahres entstanden ist und, wie der Name schon andeutet, im wesentlichen getragen ist von Heimatvertriebenen. Wir verlangen die Gleichberechtigung für alle deutschen Bürger auf allen Lebensgebieten". Dies sagte Waldemar Kraft in seiner Funktion als erster Parteivorsitzender des BHE, des Blocks der Heimatvertriebenen und Entrechteten. Acht Mio. Vertriebene lebten damals, 1950, in den drei Westzonen. Sie hatten alles verloren, ihre Heimat im Osten des einstigen Reiches, ihren Hof und ihr Haus. In Trecks, Wagen hinter Wagen mit Koffern und Kisten beladen, waren sie quer durch Deutschland gefahren und gezogen.

Vertriebene und Heimkehrer

Im Westen landeten sie in Lagern oder in Baracken, wurden in private Häuser und Höfe einquartiert, von den Einheimischen misstrauisch beobachtet, fremd und arbeitslos, beziehungslos, die Familien zerrissen, die Männer gefallen, vermisst, verwundet. Frauen mussten in diesem fremden Deutschland allein für sich und die Kinder sorgen.

Eine Zeitzeugin, die vertrieben worden war, erinnerte sich: "Mein Mann war seit April 1945 vermisst. Ich habe fünf Kinder, ein Kind war schon zwei Jahre schwer krank. Meine Rente ist sehr niedrig, die Wohlfahrtsunterstützung reichte nicht, und der Winter stand vor der Tür. Ich wusste nicht, wie das Alles werden soll."

Männer kehrten nach vielen Jahren der Kriegsgefangenschaft zurück, suchten ihre Frauen, Kinder, ihre Mütter, die im Treck nach Westen gegangen waren. Einer der Rückkehrer erzählte: "Durch den Suchdienst hatte ich Verbindung mit meiner Mutter bekommen, zu der ich zunächst fuhr. Sie lebte unter kümmerlichsten Verhältnissen als Ostflüchtling in der britischen Zone. Meine Frau ist im vorigen Jahr gestorben, meine Kinder in Bombenangriffen in Berlin umgekommen."

Adenauers Politik: Eingliederung

Konrad Adenauer, der erste Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, hatte in seiner Regierungserklärung 1949 die Eingliederung der Vertriebenen als vorrangiges Ziel seiner Politik genannt: "Das Streben nach Linderung der Not, nach sozialer Gerechtigkeit, wird der oberste Leitstern bei unserer gesamten Arbeit sein. Aus der Fülle der Aufgaben, die des Bundes harren, lassen sie mich einige besonders dringende und große hervorheben: die Vertriebenen werden gleichmäßiger als bisher auf die verschiedenen Länder verteilt werden müssen. Das liegt sowohl im Interesse der jetzt besonders stark belasteten Länder, vor allem aber auch im Interesse der Vertriebenen selbst."

In diesen - wie Adenauer sagte - "stark belasteten Ländern" (gemeint waren Schleswig-Holstein und Niedersachsen, Hessen, Bayern und Baden-Württemberg) wollten die rund acht Mio. Vertriebenen eigene Parteien gründen und sich so an der politischen Willensbildung in der jungen Bundesrepublik beteiligen. Die Alliierten hatten dies nach dem Krieg untersagt, weil sie eine Radikalisierung der Vertriebenen nach rechts befürchteten, mussten ihr Verbot aber 1949 aufheben.

"Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten"

So entstand am 8. Januar 1950 in Kiel der Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten. Weitere Landesverbände kamen hinzu, und nach den Bundestagswahlen 1953 saß die Partei als Gesamtdeutscher Block/BHE mit am Kabinettstisch Konrad Adenauers.

Der Parteivorsitzende Waldemar Kraft, dem die Partei vorwarf, zu sehr auf die Linie Adenauers einzuschwenken, wurde bald von Theodor Oberländer, damals Vertriebenenminister, abgelöst - jenem Oberländer, der sich später in rund 80 Verleumdungsprozessen gegen die Anschuldigung zur Wehr setzen musste, seine Wehrmachtseinheit sei im zweiten Weltkrieg an einem Massaker in der Ukraine beteiligt gewesen.

Der Gesamtdeutsche Block/BHE hatte ein großes Problem: er schwankte zwischen dem "Heimatrecht im Osten" und dem "Lebensrecht im Westen". Er, völkisch wie anti-marxistisch denkend, forderte die Wiederherstellung des Deutschen Reiches. Doch je mehr der Gesamtdeutsche Block/BHE politisch für die Vertriebenen erreichte, desto überflüssiger machte er sich. Auch als Partei 1961 hatten die Vertriebenen-Politiker keine Chance mehr: die Wähler waren längst zur FDP und zur CDU abgewandert.


Autor: Claus Dieter Gersch
   
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