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29.1.1930: Zündholz-Monopol
Deutschland, Januar 1930: Das Reich kämpft mit Kapitalnot. Durch die Reparationszahlungen des Ersten Weltkriegs hatte Deutschland große Anleihen aufgenommen, versuchte dadurch die Reparationsfrage zu lösen und gleichzeitig die Anleihen, die aufgenommen wurden,, zurückzuzahlen.

Eine Rettungsmöglichkeit scheint zu nahen: In Gestalt eines Schweden namens Ivar Kreuger, eines erfolgreichen schwedischen Finanzmanns, der lange Zeit im Ausland lebte und in dieser Zeit ein Vermögen machte. Kreuger ist auf dem Zündholzmarkt tätig und stößt scheint zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

Kreuger-Anleihe

Deutschland braucht Geld, Kreuger will Macht - und die Deutschen willigen deshalb am 29. Januar 1930 in einen Deal mit Kreuger ein: Ivar Kreuger erhält das Zündwarenmonopol für das gesamte Reichsgebiet, und als Tausch oder als Zahlung seinerseits ist er bereit, die sogenannte Kreuger-Anleihe aufzulegen. Eine Anleihe in Höhe von 125 Mio. Dollar, für die damalige Zeit eine sehr große Summe. Diese Anleihe soll für 50 Jahre gewährt werden, und dafür würde Kreuger in Deutschland über die Zündwarenindustrie bestimmen können.

Es ist dies nicht das erste Mal, dass Kreuger einem Staat anbietet, ihm aus der finanziellen Patsche zu helfen: Um die Marktposition seines inzwischen auf 150 Fabriken angewachsenen Konzerns abzusichern, hat der Schwede auch mit anderen Staaten bereits Monopolverträge ausgehandelt: Rumänien, Ungarn, Jugoslawien, Griechenland, die Türkei und Südamerika sind zu diesem Zeitpunkt bereits Partner.

Streichholz-Monopol

Um mit den dringend benötigten Geldmitteln den Reichshaushalt zu sanieren, fasst nun also auch Deutschland die Zündholzindustrie seines Landes zu einem Staatsmonopol zusammen und sichert dadurch den Schweden auf dem deutschen Markt einen Marktanteil von 56 Prozent. Alle Zündholzhersteller in Deutschland liefern jetzt ihre Produktion an die Deutsche Zündwaren-Monopolgesellschaft. Sie allein verkauft die Streichhölzer zu festgesetzten Preisen. Die Kritik des Reichstags an der Entscheidung vom 29. Januar 1930 wird vor allem an folgenden Punkten laut: Darf ein Staat so etwas machen? Ist es nicht gegen die nationale Würde, die Interessen des Landes zu verkaufen? Und: Hier bereichert sich ein Privatunternehmer an deutschem Vermögen und an der deutschen Industrie.

Aufhebung des Monopols

Kreuger bereichert sich jedoch nur bis 1932 an seinen Einkünften aus dem deutschen Zündholz-Monopol - er begeht offenbar Selbstmord, weil sein großes Imperium in der wirtschaftlichen Krisensituation zusammenbricht. Anlass für den Selbstmord scheint gewesen zu sein, dass er sich im Aktienhandel verspekuliert hatte.

Doch das Monopol überlebt Kreuger, den Nationalsozialismus und die Teilung Deutschlands. Deutschland zahlt - wie verabredet - mindestens 50 Jahre, und zwar an den Konzern Swedish Match: Das Monopol wird 1983 aufgehoben, und seit dieser Zeit gibt es in Deutschland auch wieder andere Streichhölzer, nicht nur die 'Welthölzer'.


Autor: Birgitt Wagner
   
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