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12.1.1904: Beginn des Herero Aufstandes
Der Aufstand traf die Deutschen in Südwestafrika völlig überraschend. 20 Jahre lang hatten sie ihre Herrschaft im heutigen Namibia immer weiter ausgedehnt, indem sie die verfeindeten Völker der Nama und Herero gegeneinander ausgespielt hatten.

Dann waren sie selbst die Opfer. Die Aufständischen, angeführt vom Herero-Oberhäuptling Samuel Maharero, töteten jeden Deutschen, der eine Waffe tragen konnte. Doch am Ende der Rebellion stand die fast vollständige Auslöschung des Herero-Volkes.

Ihre Rinder waren die Lebensgrundlage der Hereros. Doch Schritt für Schritt verlor das stolze Hirtenvolk wertvolles Weideland an die deutschen Kolonisten - manchmal auf der Grundlage von Verhandlungen, aber meistens auch mit Hilfe von Betrug und Gewalt.

Widerstand gegen die Fremdherrschaft

Schließlich war das Maß voll. Der Oberhäuptling der Hereros, Samuel Maharero, rief sein Volk und auch die anderen Stämme des Landes zum Widerstand gegen die deutsche Fremdherrschaft auf.

In einem Brief an den Nama-Führer Hendrik Witbooi schrieb Maharero damals: "All unsere Unterwürfigkeit und unsere Geduld gegenüber den Deutschen hat uns keine Vorteile gebracht. Darum appelliere ich an Dich, mein Bruder, dich unserem Aufstand anzuschließen, so dass ganz Afrika die Waffen gegen die Deutschen erhebt." Diese Hoffnung Mahareros auf einen allgemeinen Aufstand erfüllte sich nicht. Die Nama warteten ab.

Dafür reagierte das Deutsche Reich umso heftiger. Kaiser Wilhelm II. sandte Truppen nach Südwestafrika - und einen neuen Oberbefehlshaber: General Lothar von Trotha. In einem Brief an den Gouverneur Südwestafrikas, Theodor von Leutwein, kündigte er eine neue, härtere Gangart an.

Vernichtungsbefehl von Trothas

Am 11. August stellte von Trotha die Hereros zur Entscheidungsschlacht am Waterberg, rund 400 Kilometer nördlich von Windhoek. Dabei organisierte der General seine Truppen absichtlich so, dass die eingekesselten Hereros an einer ganz bestimmten Stelle durchbrechen und in die angrenzende, wasserlose Omaheke-Wüste fliehen konnten. Die Deutschen setzten nach.

Nur einem kleinen Teil der Flüchtlinge gelang es, sich ins britische Betschuanaland durchzuschlagen. Andere versuchten, den deutschen Sperrriegel zu durchbrechen und in ihre alten Siedlungsgebiete zurückzukehren. Aber von Trotha war unerbittlich. Am 2. Oktober 1904 erließ er eine Proklamation, die als Vernichtungsbefehl in die Geschichte eingehen sollte.

Grausamer Völkermord

Dieses Vorgehen ging nun auch der deutschen Regierung in Berlin zu weit. Reichskanzler von Bülow intervenierte beim Kaiser mit dem Hinweis, dass die Hereros als Arbeitskräfte auf den Farmen und in den Minen Südwestafrikas unverzichtbar seien und deswegen geschont werden müssten. Wilhelm II. zögerte fast zwei Wochen. Dann endlich widerrief er den Vernichtungsbefehl und forderte von Trotha auf, die Kapitulation der Hereros anzunehmen.

Für die meisten Hereros kam diese Entscheidung zu spät. Von rund 80.000 Menschen überlebten nur etwa 15.000 den Völkermord.

Autor: Carsten von Nahmen
   
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