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19.6.1936: Schmeling gegen Louis
"Das Herz eines Boxers, kennt nur eine Liebe, den Kampf um den Sieg ganz allein! Das Herz eines Boxers kennt nur eine Sorge, im Ring der Erste zu sein." So weit Max Schmeling.

Der Erste im Ring zu sein - das war der ganze Ehrgeiz des 1905 in Klein-Luckow in der Uckermark geborenen Max Schmeling. 1928, bereits deutscher und Europa-Meister, ging er in die USA, um im Kampf gegen die besten Schwergewichtler der Welt Ruhm und harte Dollars zu erringen.

Zwei Jahre später schlug er im Kampf um die Nachfolge des legendären Gene Tunney Jack Sharkey. Max Schmeling war Weltmeister aller Klassen; aber er galt als Champion zweiter Wahl, denn Sharkey wurde wegen Tiefschlages disqualifiziert. 1931 demontierte Schmeling den gefürchteten K.O.-König William Young Stribbling. Nun galt er als wahrer Heavy Weight Champion of the World.

An die Weltspitze

Ein Jahr später jedoch entthronte ihn Sharkey nach einem wieder umstrittenen Urteil. Danach Niedergang und Wiederaufstieg. 1933 katastrophale Niederlage gegen Max Baer und unerwartet darauf eine Siegesserie. Der Lohn für den zähen Kampf zurück in die Weltspitze war der Superfight - nicht um den Weltmeistertitel, sondern gegen Joe Louis, der wie ein Komet am Boxhimmel erschienen war.

27 Mal hat der "Braune Bomber" seine Gegner demoralisiert - der "Schwarze Ulan vom Rhein", wie Schmeling in den USA genannt wurde, sollte der letzte Prüfstein vor dem WM-Kampf gegen Titelhalter Jimmy Braddock sein. Im Rückblick auf seine 70 Ringschlachten bilanzierte Max Schmeling: "Das war schon mein bedeutendster Kampf. Ich will nicht sagen, dass es der schwerste Kampf war, aber für mich war es der entscheidendste Kampf meiner Karriere."

Dann der 19. Juni 1936. Yankee-Stadion in New York. 40.000 Zuschauer wollten sehen, wie Schmeling abgeräumt werden sollte. "Der Mann, der Joe Louis schlägt, wird der Boxer aller Zeiten sein", schrieb die US-amerikanische Presse. Nur Max Schmeling selbst glaubte daran, eine Chance zu haben. Warum? Weil er meinte, bei seinem Gegner eine Schwäche erkannt zu haben: die Angewohnheit von Joe Louis, nach einer Serie von Schlägen die Linke sinken zu lassen. Das nutzte der Deutsche aus. Schmeling schlug in der Ringschlacht immer wieder seine schwere Rechte über die sinkende Deckung von Joe Louis.

Eine deutsche Boxlegende

Reporter Arno Helmiss übermittelte den Hörern in Deutschland in der fragwürdigen Diktion der Zeit die Sensation: "Da kommt die Rechte wieder und wieder eine Rechte und noch eine. Max schlägt dem Neger vorzeitig die Seele aus dem Leibe, der Neger geht zurück, wackelt, kann nicht mehr. Schmeling hat ihn zu Boden geschlagen. Aus!"

Der nicht für möglich gehaltene Sieg machte Max Schmeling zur deutschen Boxlegende. Doch den Kampf gegen Titelhalter Braddock bekam er nicht, ein Herausforderer aus dem nationalsozialistischen Deutschland war nicht erwünscht. Schmeling half es nichts, dass er kein Liebling der Nationalsozialisten war:

Schmeling sagte später: "Man hat versucht, mich vor einen Karren zu spannen. Ich hab mich aber nicht vorspannen lassen. Ich habe große Teile des Jahres in Amerika gelebt und hatte einen jüdischen Manager - und das war schon ein Grund, warum in diesen Kreisen gar nicht so angesehen war."

Unvergessener Schmeling

1938 kam es dann im Yankee-Stadion zum Rückkampf gegen Joe Louis - diesmal ging es um den Titel. Schmeling musste - als vermeintlicher Repräsentant der Nationalsozialisten - einen Spießrutenlauf zum Ring absolvieren. Dort, nervlich angeschlagen, aber auch wohl über den Zenith seines Leistungsvermögens hinaus, wurde der Langsamstarter Schmeling vom "Braunen Bomber" binnen einer Minute aus dem Ring gefegt.

Nun sank sein Stern beim Regime völlig. Den Zweiten Weltkrieg überlebte er als Frontsoldat, 1945 stand er fast mittellos da. Doch Schmeling war unvergessen. Coca Cola machte ihn zu einem seiner Deutschland-Manager. Den neu erworbenen Wohlstand sah Schmeling als Verpflichtung an: Sein gesamtes Vermögen ging in eine Stiftung für alte und in Not geratene Menschen ein.

Nach dem Zweiten Weltkrieg reiste Schmeling in die USA, um Joe Louis wieder zu sehen. Das war der Beginn der langjährigen Freundschaft zweier Boxlegenden. Schmeling sagte später dazu: "1955 bin ich wieder in Amerika gewesen und mein erster Weg war nach Chicago, und ich habe dort Joe Louis aufgesucht. Ich glaubte, es gebe einige Dinge, die zwischen uns bereinigt werden müssen. Es hat sich durch die Kriegspropaganda so ergeben, dass behauptet wurde, wir hätten uns gegenseitig gehasst. Das war selbstverständlich nie wahr gewesen. Und als wir uns wieder trafen, da blieb uns nichts anderes übrig, als uns in die Arme zu fallen. Joe Louis sagte: Max, um Gottes willen, ich habe nie so etwas gedacht - und Du bestimmt auch nicht!"


Autor: Hans-Jürgen Mayer
   
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