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25.6.1952: Ein Tag BILD-Zeitung
Wer im Frühjahr 1952 Axel Springer in seinem Haus am Falkenstein hoch über der Elbe besuchte, der fand Deutschlands größten Verleger, wie er auf allen vieren durchs Wohnzimmer krabbelte, Schere und Kleistertopf neben sich, umgeben von Presseausschnitten und Schlagzeilen, Fotos und Zeichnungen. Der Hausherr war dabei, eine neue Zeitung zu erfinden.

Das Schnippel-Layout drehte sich um die Macht des Bildes. Rudolf Michael, der erste Chefredakteur von BILD, klopfte die Herzen der Groschenblatt-Leser weich: Der Mensch, so sagte er, sei nie ganz gut, nie ganz böse, nie ganz glücklich, nie ganz unglücklich. Traum und Wirklichkeit hart nebeneinander. Von alldem redet BILD. Süß und Bitter. Hart und versöhnlich.

Morgens um halb Zehn in Deutschland: Erdstrahlen schuld am Unfall? Ingenieur-Test auf der A 24: Plötzliche Bewusstlosigkeit an dieser Stelle möglich.

Larras: "Es gibt wirklich Dinge, die man kurz sagen kann. Und das ist doch sehr schön und sehr klassisch und sehr überzeugend und zeugt auch von einer Intelligenz, wenn man Dinge kurz und präzise ausdrücken kann."

Worte des langjährigen ehemaligen Chefredakteurs Claus Larras. Udo Röbel, der neue Chef von BILD ist nicht zu sprechen, BILD-Macher kapseln sich ab. Mainhardt Graf Nayhaus vertraulich aus Bonn:

Nayhaus: "Es geht wieder um das organisierte Verbrechen, diesmal um eine Spekulationsattacke finsterer Mächte gegen den Euro."

August A. Fischer, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer Verlags AG: "Damit haben wir unsere Kompetenz im Wirtschafts- und Finanzbereich erheblich ausgebaut. BILD hat ihre starke Marktstellung gut behauptet. Dies ist das Ergebnis unserer stetigen Bemühungen, das Blatt noch attraktiver zu machen."

Dienstag am 24. Juni 1952 hielt Axel Springer die erste BILD in der Hand: Englands Massenzeitungen dienten als Vorbild. Rot wurde die Markenfarbe. Zum Inhalt: Sklaverei und Herrenkosmetik, Kriege und Intimspray, Atombombe und Babywindel, Massenmord und Katzenfutter sind zu Äquivalenten geworden, von denen eines das andere bedeutet, also alles nichts, schrieb Hans Magnus Enzensberger 1988 in: Mittelmaß und Wahn. Kinder, Greise, Tiere lieferten das ihre.

Blindenhund opfert sich für seinen Herrn - Toter Strack: Signale aus dem Jenseits? - Unglücksursache Hose anziehen: eine Studie ergab, dass jährlich allein in England 4400 Menschen beim Anziehen ihrer Hose verunglücken.

Claus Larras: "Bild ist schnell. Erfasst sehr schnell die Themen unmittelbar. Sie ist mit sehr vielen Reportern immer sehr direkt vor Ort."

4,6 Millionen Deutsche sind süchtig nach der täglichen Dosis Bild. Wo eine BILD-Zeitung liegen bleibt, wird geblättert. Im Haus Springer geht seit dreißig Jahren die Zahl von elf Millionen Lesern täglich um. Hans Magnus Enzensberger, Heinrich Böll, Günter Wallraff und die gesamte Außerparlamentarische Opposition konnten dem Blatt nicht ernstlich schaden.

Das Zentralorgan des deutschen Michels schoss zurück. Im April 1968 schoss Bauhilfsarbeiter Josef Bachmann dem Studentenführer Rudi Dutschke drei Kugeln in Kopf und Brust. Wie elf Millionen Deutsche war der Attentäter BILD-Leser. In einer BILD-Selbstdarstellung heißt es:

"BILD artikulierte und kanalisierte den Volkszorn und lenkte ihn auf ein bestimmtes Ziel. Es gab dem ohnmächtigen kleinen Mann dabei das Gefühl, zusammen mit anderen kleinen Leuten Macht zu besitzen."

BILD ist auch ein Mittel gegen Langeweile, hilft über das Unvermögen hinweg, mit der Welt, die einen umgibt, etwas vernünftiges anzufangen. Belehrt eine hauseigene Springer-Analyse. Mittlerweile erscheint BILD in 31 Ausgaben, erstellt durch eigenständige regionale Redaktionen.

Claus Larras: "Und so tastet sie immer sehr dicht an den aktuellen Ereignissen und hat nebenher immer das Gefühl für Themen, die den Menschen zur Zeit bewegen. Und das sind ja sehr oft Fragen von finanziellen Fragen, von Lohn-, Krankenständen, Mietschutz und all diesen Fragen, und da ist BILD immer sehr dicht dran, und das ist eine der wichtigsten Aufgaben. Sie sind einfach immer für die Leute da."

Claus Larras hat den Stil des Zeitungs-Chamäleons in den letzten Jahren entscheidend mitgeprägt. Zeitungs-Reform nach dem Muster: Der Mensch ist nie ganz gut und nie ganz böse. In den Redaktionsräumen soll es heute ruhiger zugehen als zu Wallraffs Zeiten.

Anja will nicht schrubben - Schmusi Musi mit BILD Larissa, das ist ja hammerhart! Guten Morgen mit BILD. Deutsche Ärzte, Journalisten, Lehrer, Ingenieure, Köche, Kameramänner und Politiker sind längst BILD-infiziert. Der Grund: Der Sportteil von BILD ist weltklasse:

Claus Larras: "Das ist auch die Ehre der Bildzeitung, da immer dicht dran zusein, und da schlägt auch das Herz der Bildleser mit - das ist immer ein wichtiger Punkt."

Der ganze Jammer des Endspiel-Dramas von Barcelona - im Gesicht von Stefan Effenberg. Er starrt durch einen Tränenvorhang.

Guten Morgen, lieber Leser.

Autorin: Petra Grunert
   
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