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11.10.1987: Der Tod von Uwe Barschel
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Es ist eine Szene wie aus einem Polit-Thriller: In der Badewanne eines Genfer Hotels liegt die Leiche eines Mannes. Es ist Uwe Barschel, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein. Die Szene ist jedoch keine Fiktion, sondern Wirklichkeit. Zwei Reporter des Magazins „Stern“ finden am 11. Oktober 1987 Uwe Barschel tot in seinem Hotelzimmer auf.

Die genauen Umstände seines Todes sind bis heute ungeklärt. Sebastian Knauer, Redakteur beim "Spiegel" Hamburg und ehemaliger "Stern"-Reporter fand den Toten: "Der Ablauf der Geschichte war so, dass der Fotograf keinen einzigen Millimeter in dem Zimmer war. Er stand immer draußen um aufzupassen, dass Herr Barschel, der möglicherweise das Hotel verlassen hatte zurück kommt. Der stand, sozusagen, um es mal salopp zu sagen, Schmiere für mich. Ich war beides Mal allein im Zimmer, das erste Mal um die Unterlagen, die ja dort sehr präsentiert waren, herauszuholen. Und beim zweiten Mal, als ich die Notizen zurück gelegt hatte, hatte ich eine Kamera dabei und bin beim Rausgehen noch an dem Badezimmer vorbei, habe geklopft, wieder gerufen: Nichts, keine Reaktion, bin ins Badezimmer und hab dort diese fürchterliche Entdeckung gemacht."

Karriere

Uwe Barschel ist der Prototyp eines Karriere-Politikers: rasch findet er innerhalb der CDU nach oben und wird am 14. Oktober 1982, mit nur 38 Jahren, zum Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein gewählt. Er tritt jedoch ein schweres Erbe an: Die wirtschaftliche Situation des Bundeslandes ist angeschlagen. Wenn es nicht gelingt, diese Situation zu bessern, hat auch seine Regierung keine Zukunft. Uwe Barschel will den Erfolg mit allen legalen und illegalen Mitteln.

Häufig sagt er offizielle Termine kurzfristig ab, um zu geheimnisvollen Terminen im Ausland zu reisen. Wie sich später herausstellt, geht es dabei zumeist um Waffengeschäfte. Sebastian Knauer sagte: "Dass im Bereich von U-Boot-Geschäften, die ein Industrieland wie Deutschland verkauft, in alle Welt auch Schwarzgeldzahlungen, auch Bestechung, Korruption und dunkle Geschäfte anfallen ist völlig klar. Auch Herr Barschel war Geheimnisträger, aber er war nicht der entscheidende Mann hinter den Waffenexporten, das wissen wir heute aus sehr, sehr guter Quelle. Er hatte Wissen und er hätte einiges erzählen können, was die Bundesrepublik peinlich auf der Anklagebank erscheinen lässt, was UN-Embargo, Südafrika etc. betrifft. Aber wir sollten ihn da in seiner Rolle nicht überschätzen."

Schlechte Prognosen

Gesundheitlich ist Barschel schon länger angeschlagen. Seit Jahren nimmt er Medikamente, kurz vor Beginn des Wahlkampfes 1987 hat er zudem mit den Folgen eines knapp überlebten Flugzeugabsturzes zu kämpfen. Und auch die Prognosen für einen erneuten Wahlsieg stehen schlecht. Die SPD schickt mit Björn Engholm einen smarten Kandidaten ins Rennen um das Ministerpräsidentenamt.

Günther Neugebauer, SPD-Landtagsabgeordneter Schleswig-Holstein und Mitglied des damaligen Untersuchungsausschusses, erinnert sich an die Situation vor den Wahlen: "Zum ersten Mal drohte nach 38 Jahren CDU-Herrschaft eine Niederlage der CDU. Das konnte dem sehr ehrgeizigen Uwe Barschel natürlich nicht gefallen. Für uns lag die Vermutung nahe, dass er eben mit anderen Maßnahmen versuchte, das hohe Ansehen von Björn Engholm zu beschädigen."

Rücktritt

Barschel setzt seinen neuen Medienberater Reiner Pfeiffer auf Engholm an und lässt den Konkurrenten beschatten. Doch Pfeiffer wird untreu: Einen Tag vor der Wahl geht er mit seinem Wissen zum "Spiegel" und enthüllt Barschels Bespitzelungsaktion. Die so genannte "Waterkantgate" – Affäre kostet Barschel seinen Posten: Am 2. Oktober 1987 tritt er von seinem Amt zurück. Zuvor hatte Barschel in einer Pressekonferenz die Öffentlichkeit belogen und mit seinem Ehrenwort versichert, nichts mit den Vorwürfen Pfeiffers zu tun zu haben.

Nach Barschels Rücktritt setzt der Landtag einen Untersuchungsausschuss ein, vor dem auch Barschel Stellung nehmen soll. Doch soweit kommt es nicht. Nur eine knappe Woche nach seinem Rücktritt ist Barschel tot. Die Umstände seines Todes geben bis heute Rätsel auf, wie auch Günter Neugebauer meinte: "Er war eigentlich am Ende. Das muss er gespürt haben, nachdem was Pfeiffer ihm vorgehalten hatte. Und er war ja geladen für den Untersuchungsausschuss am Tag nach seinem Todesfall. Und auf dem Weg von seinem Urlaubsort Gran Canaria nach Kiel hat er Station gemacht in Genf und wir wissen wie das geendet hat. Also, ich glaube er war, er fühlte sich in einer ausweglosen Situation."

Ungeklärte Todesursache

Der Obduktionsbericht weist einen ganzen Cocktail von Medikamenten aus, die im Leichnam gefunden wurden. Verschiedene Spuren lassen zudem auf einen Besucher im Hotelzimmer schließen. Die Frage, ob Uwe Barschel Opfer eines Mordes wurde oder Selbstmord beging, beschäftigt die Öffentlichkeit noch lange nach seinem Tod. Für Wolfram Baentsch, Autor des Buches "Der Doppelmord an Uwe Barschel", ist der Fall eindeutig: "Die Selbstmordthese ist eine vorgeschobene Position, die den Mord und die Mörder decken und verdecken soll."

Ein 1993 einberufener Untersuchungsausschuss kommt jedoch zu keinem eindeutigen Ergebnis. Nach fünf Jahren stellen die Kieler Ermittler auf Anweisung der Generalstaatsanwaltschaft die Untersuchungen ein. Der Fall gilt seither als ungeklärt.



Autorin: Nadja Münnich
Redaktion: Stephanie A. Hiller
   
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