Kalenderblatt dw.com
 
17.10.1810: O'zapft is: Das erste Oktoberfest
Audio
Bereits vier Jahre, seit 1806, existiert das Königreich Bayern schon und noch immer gibt es im Hinterland Bauern, die noch nichts von ihrem König Maximilian I. wissen. Um sich bei seinen Bayern besser bekannt zu machen, plant der bayerische König ein Fest. Die Vermählung seines Sohnes kommt da gerade recht. Am 17. Oktober 1810 findet zu Ehren der Hochzeit von Kronprinz Ludwig und Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen das erste Oktoberfest statt.

Hoch lebe das Brautpaar!

Fünf Tage dauern die Festlichkeiten um die Hochzeit des Kronprinzenpaares. Ganz München ist auf den Beinen. In den Straßen wimmelt es von Musikanten und Schaustellern. Der letzte Tag soll zum Höhepunkt der Feierlichkeiten werden: Vor den Stadttoren Münchens lockt ein Pferderennen. Die große Wiese ist zu Ehren der jungen Ehefrau "Theresienwiese" benannt worden. 30.000 Zuschauer jubeln gemeinsam mit dem jungen Kronprinzenpaar den Reitern zu, wie Alexander Katzer, Historischer Wiesnführer auf dem Münchner Oktoberfest erläutert: "Pferderennen waren damals so etwas wie Fußballspiele heute. Da kamen die Leute und haben sich das angeschaut. Der König und das neue Brautpaar konnten sich präsentieren und dem Volk zeigen: Das sind wir."

Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen hat sich für das Pferderennen extra ein Kleid in den bayerischen Landesfarben Weiß und Blau schneidern lassen. Tapfer steht die 18-Jährige neben ihrem frisch angetrauten Ehemann. Sie hat schon seit Tagen Zahnschmerzen und zudem benimmt Kronprinz Ludwig sich nicht gerade rücksichtsvoll gegenüber seiner jungen Frau. Als sie sich auf dem abendlichen Ball vor Erschöpfung früh zurückzieht, kehrt Ludwig allein zum Fest zurück. Er schreibt in sein Tagebuch: "Mir machte es wenig Vergnügen, aber ich tat es, um meine Freiheit zu zeigen, und damit meine Frau nicht glaube, ich müsse, weil sie es getan, wegbleiben. Ich als Bräutigam habe der Braut geschrieben, meine gewohnte Lebensweise würde ich beibehalten."

Spektakel auf der Theresienwiese

Von der Missstimmung zwischen den Brautleuten bemerken die Gäste nichts. Obwohl es außer dem Pferderennen fürs gemeine Volk eigentlich nichts zu erleben gibt, genießen sie das Spektakel auf der Theresienwiese. Getrunken wird Wein. Bier gibt es nicht, so Wiesnführer Alexander Katzer: "Das war damals noch ein Dünnbier, das heißt, es war nicht so stark wie heute. Man konnte noch nicht so gut Bier brauen und deswegen haben die Leute damals lieber Wein getrunken. Außerdem war das Wasser damals noch schlecht und wenn man aus schlechtem Wasser Bier braut, dann gibt es auch ein schlechtes Bier."

Die ausgelassene Stimmung steckt auch den Kronprinzen an. Der ohnehin lebenslustige Ludwig entscheidet schnell: München soll nun jedes Jahr ein solches Volksfest haben. So treffen sich im Oktober 1811 erneut Tausende auf der Theresienwiese zu Pferderennen sowie einer erstmals ausgerichteten Landwirtschaftschau, wie Katzer sagt: "1811 kamen dann schon die Bauern aus ganz Bayern und haben ihr Vieh mitgebracht. Und das haben sie natürlich zum Anlass genommen, ihre Prachtbullen und ihre Prachtpferde zu präsentieren. Das war der Anfang der ersten Landwirtschaftsschau hier in München, die auch heute noch immer alle drei Jahre abgehalten wird."

Das Wohl der Festgäste

In den kommenden Jahren wird das Fest stetig größer. Die Besucher können bei Wettspielen kleine Preise einheimsen und sich an einer wachsenden Zahl von Bretterbuden mit kulinarischen Köstlichkeiten versorgen. Zahnschmerzen muss auf dem Oktoberfest bald auch keiner mehr haben: Fahrende Dentisten kümmern sich um das Wohl der Festgäste. Ab 1818 gehört dann auch das Bier zum festen Wiesn-Bestandteil. Schon damals jedoch führt der Bierpreis zu heißen Diskussionen: 1844 kommt es beim Oktoberfest zu regelrechten Krawallen, weil der Preis pro Maß von 20 auf horrende 21 Pfennige angehoben wird.




Autorin: Diana König
Redaktion: Stephanie A. Hiller
   
Audio
Zitat des Tages
    
Zitat des Tages
Das Leben ist eine Nuss. Sie lässt sich zwischen zwei weichen Kissen nicht knacken.
  > Arthur Miller
> RSS Feed
  > Hilfe
Welcher Papst war nur 34 Tage im Amt?
  Johannes XXIII.
  Johannes Paul I.
  Johannes Paul II.
  Newsletter abonnieren
  Versenden Sie virtuelle Grüße