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25.10.1929: Der "Schwarze Freitag"
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Als die Berliner Börse am Morgen des 25. Oktober 1929 öffnet, machen sich Entsetzen und Panik breit. Durch die Zeitverschiebung erreichen die Kursverluste des "Black Thursday" erst am Freitag Europa. Um sagenhafte 90 Prozent ist der Dow-Jones-Index unter seinen Höchststand von vor sechs Wochen gerutscht. Elf Milliarden Dollar Geldvermögen sind in den vergangenen 24 Stunden vernichtet worden.

Und die Talfahrt ist noch nicht zu Ende, wie Dr. Martin Uebele, vom Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Münster erläutert: "Es kam zu einem Einbruch des New Yorker Aktienindex von etwa 11 Prozent und dann relativ schnell zu Massenverkäufen. Die Banken haben dann auch versucht, diejenigen, die ihnen Geld schuldeten, zum Verkauf ihrer Aktien zu drängen, um ihre ausstehenden Kredite wieder hereinzubekommen. Insofern hat sich das verselbstständigt."

"Everybody ought to be rich"

In den 1920er-Jahren scheint der wirtschaftliche Aufschwung grenzenlos zu sein. Auch Menschen mit geringem Einkommen legen ihr Geld in Aktien an, um vom Boom zu profitieren. Börsenspekulation wird zum Volkssport. Wer kein Geld hat, nimmt einen Kredit auf - auch wenn die Zinsen astronomisch hoch sind. Presse und Wirtschaftsfachleute raten den Käufern zu. Viele US-Amerikaner glauben an ein ewig währendes Wachstum, wie Martin Uebele sagte: "Die Leute haben sich verschuldet um Aktien von Unternehmen zu kaufen, die neue Produkte hergestellt haben: Kühlschränke, Fotoapparate, Autos. GM, Ford sind Firmen, die z.B. viel produziert und hohe Gewinne erwirtschaftet haben. Und es gab dann plötzlich ein hohes Verschuldungsniveau, auch der privaten Haushalte."

Nur wenige Wochen vor dem Zusammenbruch der Börse veröffentlicht der Direktor von General Motors John Raskob seinen berühmt gewordenen Artikel "Everybody ought to be rich – jeder sollte reich sein": "Stellen Sie sich vor, ein Mann heiratet im Alter von 23 Jahren und spart 15 Dollar im Monat. Und fast jeder, der Arbeit hat, kann das, wenn er will. Wenn er in Stammaktien investiert und die Dividenden und Rechte reinvestiert, dann hat er nach 20 Jahren mindestens 80.000 Dollar und ein Einkommen aus seinen Investitionen von ca. 400 Dollar im Monat. Er wird reich sein. Und da jeder dazu in der Lage ist, glaube ich fest daran, dass nicht nur jeder reich sein kann, sondern jeder reich sein sollte."

Die Seifenblase platzt

Dieser Traum zerplatzt mit dem Crash wie eine Seifenblase. Die Auswirkungen des wirtschaftlichen Zusammenbruchs sind verheerend. 1932 sind 25 Prozent der US-Amerikaner arbeitslos, Missernten führen zu einer massenhaften Abwanderung aus den großen Ebenen im Herzen der USA. Auch wenn es zwischenzeitlich wieder bergauf geht, so prägt die Große Depression doch die gesamten 1930er-Jahre. Dazu Wirtschaftsexperte Martin Uebele: "Das war eine Verarmung der Massen, eine Verelendung, die sich durch alle Sektoren der Industrie und auch der Landwirtschaft gezogen hat."

Die US-amerikanische Krise reißt auch die europäische Wirtschaft in den Abgrund. Deutschland trifft es in den folgenden Jahren besonders hart. Banken müssen schließen, Firmen brechen zusammen, Millionen verlieren ihre Arbeit. Dabei spielt auch eine Rolle, dass US-amerikanische Banken in den 1920er-Jahren große Mengen Geld an Deutschland verliehen haben. Geld, das sie jetzt zurückfordern. Zu den Auswirkungen sagt Martin Uebele: "Deutschland musste Reparationszahlungen ans Ausland leisten, hatte sich aber zusätzlich noch im Privatsektor massiv verschuldet. Insofern gerieten sowohl die USA als auch Deutschland an diesen Rand des Abgrunds. Die deutschen Schulden in den USA betrugen etwa 20 Prozent des US-amerikanischen Bruttoinlandsproduktes."

Fast 80 Jahre später blickt die Welt wieder gebannt auf die Börsenkurstafeln: Mit dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehmann Brothers beginnt im Herbst 2008 erneut eine weltweite Wirtschaftskrise. Wie in den 1920er-Jahren erweist sich der Glaube an ein unbegrenztes Wachstum und an Reichtum für alle als Illusion.



Autorinnen: Franziska Wunschick und Diana König
Redaktion: Stephanie A. Hiller
   
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