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10.11.1991: Deutsche Surferin wird Weltmeisterin
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Einmal auf die Hawaii-Insel Maui fliegen und bei der internationalen Surf-Weltmeisterschaft sprichwörtlich ganz oben mit schwimmen. Davon träumt Jutta Müller aus dem beschaulichen Roxheim in der Pfalz schon als Elfjährige. Am 10. November 1991 übertrifft sie ihre eigenen Erwartungen auf Maui um ein vielfaches: Sie darf nicht nur in Hawaii dabei sein, Sie holt auch noch als erste Deutsche den Weltmeistertitel im Slalom und Kursrennen – mit 22 Jahren.

Ein Brett, ein Segel, ein Surfanzug

Jutta Müllers Mutter, Renate Müller, erinnert sich noch gut an diese Sensation: "Ihr Kommentar war damals, es habe ihr die Füße weggezogen, und sie sei fast ohnmächtig geworden. Sie sagte: "Ich kann es nicht glauben, ich kann es überhaupt nicht glauben." Das sagte sie schon relativ früh, sie wollte Weltmeisterin werden. Wenn Jutta etwas wollte, dann hat sie darauf hingearbeitet mit einer Energie - und ich dachte, damals, dass sie schon gut sein würde."

Dabei drängt Jutta als Kind zunächst die Eltern dazu, sie gemeinsam mit ihrer ein Jahr älteren Schwester Anja, reiten zu lassen. Doch nach dem Tod des Vaters ist das für die Mutter unbezahlbar. Surfen scheint die günstigere Alternative, auch wenn auf dem heimischen Silbersee nur ein laues Lüftchen weht. Jutta meldet sich trotzdem für einen Kurs in der Volkshochschule an und bringt das Gelernte anschließend ihrer Schwester bei - um Kosten zu sparen, wie Renate Müller sagt: "Wir haben ein Brett, ein Segel, einen Surfanzug gekauft, und das war natürlich ein Dilemma. Beide wollten einen Anzug, ein Brett. Wer draußen war, konnte nie zurück, weil kein Wind ging, und die andere stand immer wütend am Ufer. Dann haben sie ihr Taschengeld zusammengelegt und haben ein zweites Surfbrett gekauft."

Talent und Ehrgeiz

Der Konkurrenzkampf mit Schwester Anja, die später auch mehrere Titel holt, stachelt Jutta nur noch mehr an. Mit ungeheurem Ehrgeiz trainiert sie in jeder freien Minute - ohne fremde Hilfe. Sogar als sie bereits ins Profilager gewechselt ist, verzichtet Jutta auf einen Trainer. Während ihre Schwester sich stärker auf ihr Studium konzentriert, verfolgt Jutta hartnäckig ihren Wunsch, bis nach Hawaii zu kommen.

Axel Fein, Gründer und Leiter des Surf-Club Mainz, in dem auch Jutta lange trainierte, erinnert sich an die Zeit: "Ich habe selbst immer Kurse geleitet, Windsurfkurse, und man merkt schon ob einer ein bisschen Talent hat, oder nicht. Sie war öfter auch hier bei uns am See, bei der Rheinland-Pfalz-Meisterschaft. Sie hat alles mitgebracht, Gleichgewicht und Balance. Sie war relativ groß, ist früher viel Ski gelaufen, sie hat einfach Talent gehabt am Brett. Und sie wollte schon immer ganz vorne mit dabei sein, was ihr auch immer gelang."

Ausnahme: Frauen

Nach einer Serie von nationalen Erfolgen findet die Surferin schließlich einen Sponsor, der ihr die Reise nach Hawaii ermöglicht. Sie ist eine von wenigen Frauen, die beim Worldcup antreten. Mali Zins, Berliner Meisterin, weiß aus eigener Erfahrung, wie ungewöhnlich es auch heute noch ist als Frau bei einem Wettkampf anzutreten, noch dazu, wenn man selbst nicht von der Küste kommt: "Der prozentuale Anteil liegt heute ungefähr bei 70:30. Wir sehen bei uns im Verein: Die Jungs kommen immer und sagen, sie wollen richtig coole Surfer werden, und dann arbeiten sie an sich, trainieren viel und werden richtig gut. Die wenigsten Mädchen werden extrem gut, weil die meisten Mädchen irgendwann sagen, dass sie sich nicht trauen - obwohl die meisten Mädchen heute viel, viel besser sind als die Jungs vor 20 Jahren."

Jutta Müller ist im Vergleich zu vielen Kolleginnen wenig schmerzempfindlich. Nach einem Rippenbruch durch einen verpatzten Sprung, gewinnt sie nur sechs Wochen später erneut den Weltcup in der Karibik.

Hawaii

Insgesamt erkämpft sie elf Weltmeistertitel. 1998 beendet die Sportlerin ihre Profikarriere beschließt aber auf Hawaii zu bleiben – für immer. Sie wandert aus und wechselt in die Tourismusbranche. Surfen spielt in ihrem Leben keine allzu wichtige Rolle mehr. Stattdessen widmet sie sich in ihrer Freizeit wieder ihrer Leidenschaft aus Kindertagen: den Pferden.



Autorin: Sarah Tschernigow
Redaktion: Stephanie A. Hiller
   
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